Zug fährt ab!

200kratochwillswelt.jpg

Zug fährt ab!

Zug fährt ab!

Wieder einmal bin ich mit dem Wastl unterwegs, zu Fuß.

Der Wastl ist der Hund vom Graf Johann, der drei Wochen auf Kur ist. Wie er noch gearbeitet hat, der Graf, war er bei den Wiener Verkehrsbetrieben. Seit er in Pension ist, heißen die jetzt Wiener Linien.

Drei Wochen ist er weg, ich soll auf seinen Hund schauen. Jetzt sind drei Tage um, und ich bin schon am Verzweifeln. Dauernd soll ich mit dem Hund vor die Tür, zumindest wenn ich nicht will, dass er sein Geschäft in meiner Wohnung erledigt. Oder wenn ich nicht will, dass er das ganze Haus zusammenbellt und wie ein Schlosshund heult. Und zwei Kanarienvogerln hat er mir auch schon zerbissen.

Dabei bin ich eh nimmer so gut zu Fuß unterwegs, fahre gern mit der Straßenbahn, aber der Hund braucht Bewegung ...

Mit der U-Bahn bin ich schon lange nicht mehr gefahren.

Fasziniert hat mich aber immer die stringente Abfolge des Geschehen.

Die Türen gehen auf, Leute steigen aus, andere ein.

Dann "Bitte zurückbleiben!", die Türen schließen, "Zug fährt ab" und wirklich der Zug fährt ab.

Einmal habe ich einen Alterskollegen von mit beobachtet, wie er mit zwei Einkaufswagerln in den Zug einsteigen wollte. Hat den einen reingehoben, ist wieder ausgestiegen, hat den zweiten gepackt, "Bitte zurückbleiben!", macht einen Schritt zur U-Bahn, die Türen schließen, "Zug fährt ab!" und wirklich, sein erstes Einkaufswagerl fährt ab, ohne ihn, Richtung Ottakring.

Also, wenn das Mode macht: Die Leute fahren nicht mehr in den Wald, um ihre alten Kühlschränke los zu werden, sie stellen sie in die U-Bahn und lassen sie allein los fahren.

Alte Menschen kommen nicht mehr ins Altersheim, sondern werden einfach in den nächsten Zug gestellt.

Ja, ganze Regierungen können ihre Schuldenbudgets einfach zu einem Silberpfeil unter die Erde bringen und auf die Reise schicken.

Klingt dich paradiesisch einfach, nicht wahr?

Ob das immer funktioniert?

Also ich hab mir auf der Straßenkarte angeschaut, dass die nächste U-Bahn-Station in Erdberg ist. Da geh ich jetzt mit dem Wastl hin und dann schau ma halt einmal, was möglich ist ...

Da schließt sich ja dann in gewisser Hinsicht ein Kreis, weil der Graf Johann hat ja bei den Wiener Linien gearbeitet. Und somit bring ja sein Hunderl nur zu seinem Herrl...

Damit wieder a Ruh is,
Ihre Frau Amalie Kratochwill

Um den Kabarett.at Newsletter zu erhalten, müssen Sie als User registriert sein. Klicken Sie hier, um sich einzuloggen.