Zecherl-Vision

200kratochwillswelt.jpg

Zecherl-Vision

Ich würde ja gern einmal am Fensterbrett sitzen und die Zecherln in den Park raushalten. Aber so sportlich war ich selten.

Also einmal da hat mich der Günter auf das Fensterbrett gesetzt, als Kind. Im sechsten Stock. Hat mich festgehalten. Ausgelassen. Gesagt, es wir eh nix passieren. Mich erschreckt. Gerade noch gehalten. Gelacht. Mich los gelassen. Wieder BUH!

Ich hab ihm mit dem Schirm eine über den Schädel gezogen, dass es ihm den Dreck unter seinen Fingernägeln rausgefetzt hat. – Mein Beitrag zum Weltfrauentag.

Zurück zu den Zecherln. Weil es ist ja als Metapher gemeint. Also als Inbegriff der Sorgenfreiheit. Weil wenn man die Zecherln beim Fenster raushält, dann ist da natürlich auch Sonne mit im Bild. Wärme und Entspannung.

Kein Kratzen im Hals, kein Husten, das einem das letzte raufholen lässt. Keine tauben Finger in der Früh und keine grauen Haare, die obendrein immer weniger werden.

Wenn wir schon beim Thema sind: Ich bin humoristisch gesehen paralysiert.
Weil nicht dass ich es mir drauf stehe, sich unbedingt am Namen von jemandem eine Pointe abzureiben….

Aber: Wenn eine Präsidentschaftskandidatin Rosenkranz heißt, Mutter von zehn Kindern ist, aus dem rechten Lager kommt, und dann aber seit Jahren aus der Kirche ausgetreten ist. Und nicht einmal die Kinder getauft hat. Sie sogar von Kirchenkreisen abgelehnt wird. Dann ist da aber schon eine Riesenchance zu einem Jahrhundertwortspiel vergeben worden. Bleibt gerade ein müdes: Schönborn wählt nicht Rosenkranz. Tut mir leid.

Trotzdem bleiben ja noch die Zecherln, die da beim Fenster raus baumeln. Und dann so Klavier spielen in der Luft. So sockenfrei zappeln. Fröhlich zwitschernde Vogerln. Ein Griff nach hinten zum Küchentisch. Mir ein Schnitzerl schnappen und mit den Fingern essen. Mit einer Scheibe Brot. Ein paar Brösel zu den Vogerln werfen. Drüben spielen Kinder. Frühling. Noch einmal. Wäre was.

Aber es ist Winter. Ich ziehe Socken an, stecke mich in Schuhe und bin auf Kälte eingestellt.

Ich überlasse es den Strömungen der nächsten Tage mich zu überraschen …

Bis dahin spiele ich mit den Zecherln halt nur unter der Decke,

Ihre
Frau Amalie Kratochwill

Um den Kabarett.at Newsletter zu erhalten, müssen Sie als User registriert sein. Klicken Sie hier, um sich einzuloggen.