Wohlfühltage

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Wohlfühltage

Ein amerikanischer Prediger, Harold Camping, hat den Weltuntergang angekündigt. Ich war in Bad Waltersdorf. Dort sind die wirklich weit davon entfernt, dass die Welt untergeht.
 
Ich gebs zu: Bei den Wohlfühltagen von Ö1 im Steirerhof, einem Fünf-Sterne-Hotel mit Therme, würde ich die Apokalypse wahrscheinlich nicht einmal bemerken, wenn das Epizentrum in Graz wäre. Weil da einfach Hundertschaften an fleißigen Geistern unterwegs sind, die sich bemühen, dass es einem an nichts mangelt und man im Genuss schwimmt.
 
Dabei war ich nicht einmal als Gast dort, sondern als Arbeiterin. Also konkret hatte ich meinen Part bei einem Auftritt von Peter & Teutscher zu absolvieren. Ist keine schwere Arbeit: Ich tu halt mit dem Doktor ein bisserl vor den Leuten plaudern und lass ihn ein paar Mal anrennen, was die Zuschauer gern goutieren.
 
Obwohl ich also kein Gast war, wurde ich von hinten bis vorne und zurück verwöhnt.
 
Man kommt am Nachtmittag an, darf sich gleich einmal ein Getränk servieren lassen und zur Kuchenvitrine abgleiten. Ich sag nur: Heidelbeerstrudel mit Schlagobers!

Wobei Schlagobers: Dazu passt ja alles. Mit Schlagobers lass ich mir wirklich viel servieren und kann es genießen.

Dann kann man sich kurz frisch machen, um danach beim Abendessen zu erscheinen. Über Stunden wird man gemästet, als ob man am nächsten Tag mit möglichst großem Ertrag geschlachtet werden sollte.
 
Ich gebe allerdings zu, dass ich einen Fehler gemacht habe.
 
Weil die haben auch Dinner-Canceling im Angebot.

Statt einem Abendessen bekommt man kurz vorher ein kleines Menü, vital, vollwert, vitaminreich und halt keinen Leberkäs und solche Sachen dabei.

Ich hab mich aus gesundheitstechnischen Gründen für das Dinner-Canceling entschieden.

Mein Fehler war dann allerdings, dass ich sitzen geblieben bin und den Ausstieg verpasst hab. Bin also übergangslos ins Abendessen reingerutscht. Wäre danach nicht der Auftritt gewesen, hätte ich mir wahrscheinlich auch noch die mitternächtliche Gulaschsuppe reingezogen. Mit dreierlei Gebäck an der Paprikaschote.

Zurück zum amerikanischen Prediger. Der hat seinen Irrtum erkannt und erklärt, dass sich der Weltuntergang erst in fünf Monaten ereignen wird.
 
Ich habe schon eine Ausrede für ihn parat, wenn das wieder schief gehen sollte.

Er braucht ja nur zu erklären, dass es sich um einen Erklärungsfehler handelt.

Weil die Welt ja eh täglich untergeht.
Nämlich in der Früh.

Was die Leute als Sonnenaufgang ausgeben, ist eine Fehlinterpretation.

Nicht gerade Ausdruck eines heliozentrischen Weltbildes.

Weil eben nicht die Sonne aufgeht. Die bleibt stehen. Die Erde bewegt sich.

Also: Nicht die Sonne geht auf, sondern die Welt geht unter…
 
In diesem Sinn wünsche ich uns allen noch möglichst viele Wohlfühltage
 
Ihre
Frau Amalie Kratochwill

 

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