Wieder da!
Künstler
Wieder da!
Ich bin aus dem Urlaub zurück.
Urlaub... was für eine Wortschöpfung.
Wer hat da woran gedacht, als er die sinnlose Zeit zwischen den Arbeitstagen bezeichnen wollte? Ein Igel auf Schlafplatzsuche an verwesende Blätter aus dem letzten Jahr?
Urlaub ist wie ein Frisörbesuch.
Man muss ihn immer wieder machen, weil man sonst schief angeschaut wird. Er kostet Zeit und Geld. Er bringt den einen mehr, den anderen weniger. Ich gehöre zur zweiten Gruppe. Weil ich meinen Kopf sowieso immer mit Hauberl bedecke.
Damit immer mehr Urlaube immer weniger trostlos werden, sollten wir uns austauschen.
Also hier meine Erfahrungen, damit Sie auch in Zukunft das Maximum aus ihrem Aufenthalt holen:
Ich war in Schleswig.
Schleswig liegt im Dunstkreis von Flensburg. Liegt in Norddeutschland.
Schleswig kann ich nur empfehlen.
Da gibt es zum Beispiel das Traumcafe am Hauptplatz.
Die backen dort Mehlspeisen, als würden sie sich der Schöpfung der Welt widmen. Dementsprechend sind auch die Preise gestaltet. Für ein Jauserl geht da schon eine durchschnittliche Abendgage drauf. Empfehlen kann ich den Kostprobenteller.
Die einzige echte Krisenmahlzeit auf der Speisekarte: viel und günstig. Weil da darf man sich drei Mehlspeisen aussuchen, die auf einem Teller serviert werden. Die Größe der Kostprobe: Stellen Sie sich ein Stück Torte bei der Aida vor, dem Cafehaus in der Porzellangasse am Alsergrund. Das tun Sie mit Schlagobers rundherum upgraden und Sie haben ein Stück der Kostprobe. Das mal drei.
Kurz und gut: Sie bekommen für dreieinhalb Euro einen Teller voll Sünde.
Dafür bezahlt man für eine Portion warmen Milchreis über acht Euro.
In Schleswig steht außerdem das Schloss Gottorf.
Dort kann man sich gegen eine weitere Auftrittsgage im zweiten Stock vier Moorleichen anschauen. Oder Bilder von Picasso. Wenn man vorher sein Tascherl in einen verschließbaren Schrank tut.
Dann bin ich wieder weg aus Schleswig.
Und auf dem Heimweg hab ich den Sinn von Urlaub erfasst: Die Arbeit soll einem abgehen. Der Entzug soll die Vorfreude anstacheln.
Vielleicht fahre ich nächstes Jahr nach St. Pölten.
Fröhliche Grüße vom Arbeitsort
Ihre
Frau Amalie Kratochwill
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