Vogelgrippe-Partys

Vogelgrippe-Partys

Vogelgrippe-Partys

Die Frau Graf wohnt zwei Stöcke unter mir. Geistig. Weil in Wirklichkeit geht nicht, weil ich ja im Erdgeschoss wohne. Die hat mich gestern besucht, unterm Arm ihren Wellensittich in einem Käfig. Vorweg: Es geht um die Weltgesundheit!

Zuerst hat sie erzählt, dass wir alle zusammenhalten müssen, um der Epidemie entgegenzuwirken. Ich hab schon Bilder vor mir gesehen, von gehäuften Beulenpest-Toten und Cholera-Siechenden. Dann brachte die alte Graf die Masern ins Spiel.

In Salzburg haben sich ein paar Gesundheitsfetischisten mit ihren Kindern zu Masern-Partys getroffen, um der Krankheit für immer die Stirn zu bieten. Also zuerst schon Fieber und Flecken, dann aber ein Leben lang immun - zumindest die, die nicht gleich ins Jenseits wechseln. Statt der Schutzimpfung also die Krankheit in den Körper holen und dort gleich die Antikörper erzeugen lassen, in Eigenproduktion.

Jetzt hat die Graf eine Idee. Sie lässt sich in Thailand ein Vogelgrippe-Henderl bestellen und dann treffen wir uns alle im Hof und machen dort eine Vogelgrippe-Party. Eh nur zwischen 2 Uhr und 4 Uhr am Nachmittag, damit wir niemanden stören. Jeder nimmt seine Vogerl mit und darf sie in den Käfig zum infiszierten Henderl setzen.

Und zum Abschluss wollen wir uns auch noch immunisieren: Sie wird das arme Viecherl mit einem Semmelteig ausstopfen und ins Rohr schieben. Ich soll den Kartoffel-Salat dazu machen.

Scheitern wird das voraussichtlich an den Kosten. Weil die Graf erwartet sich, dass alle Mieter, die einen Vogel haben, zusammenlegen. Da es sich um eine unerlaubte Migration unter Umgehung der Quarantänebestimmungen handelt, brauchen wir einen Schieber. Den hat die Graf auch schon. Zuerst verlangt der gleich einmal 1.000 Euro, damit er sich die Geschichte noch einmal anhört, weil glauben tut er sie erst, wenn er das Geld in der Hand hält.

Und dann wird das Ganze ein bisserl dauern, weil für ein Henderl zahlt sich das nicht aus. Er muss genug andere Interessenten finden, damit er einen Container voll kriegt. Das heißt, er muss gar nix, wir müssen, hat die Graf gesagt. Und jetzt schöpfen wir alle unsere Möglichkeiten aus, sprechen Bekannte an, werben, wo es geht, um Vogelgrippe-Partys.

Die Graf wird das Thema bei ihrer nächsten Sitzung beim Kosmetiker und ihrer Beichte ansprechen, ich werde das Wartezimmer vom Dr. Teutscher mit der Idee infiszieren und natürlich wende ich mich auch an Sie, werte Leser:

Wer von Ihnen hat einen Vogel und will eine Vogelgrippe-Party schmeißen?

Melden Sie sich, ich helfe Ihnen weiter.


Aber bitte diskret behandeln, wegen der Polizei, Sie wissen schon, der illegale Grenzübertritt ...

Mit besten Grüßen

Ihre

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