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Ich gestehe: Sie haben mich erwischt.
Weil ich aber mit Anstand aus der Sache rauskommen will, geh ich von mir aus in die Öffentlichkeit und bitte um Verzeihung. Vielleicht kann ich ja auf diesem Weg manch anderen sogar als Vorbild dienen …

Natürlich hätte ich mir das alles ersparen können. Ich hätte nur ein bisserl vorsichtiger sein müssen, meinem Hausverstand vertrauen müssen. Aber der ist leider fremdgegangen. Zwischen den Regalen einer Supermarkt-Kette stehen geblieben, quatscht er dort irgendwelche Frauen an, um sie zu etwas zu überreden. Wahrscheinlich ist der Lobbying-Vertrag mit dem Supermarkt lukrativer als meine Gesellschaft in der Küche meiner Gemeinde-Wohnung.

Dabei hätte ich ihn gerade jetzt gebraucht, den Hausverstand.
Weil es hätte mir komisch vorkommen müssen, dass da zwei so fesche junge Damen zu mir in den Gemeindebau kommen. Sie haben gesagt, sie sind Feministinnen und wollen mit mir was besprechen. Mitgebracht haben sie ein paar Krapfen und einen Kaffee. Ich hab da nur das Geschirr zur Verfügung gestellt.

Die Krapfen haben sie auf einen Teller gelegt: Marmelade-Krapfen, Vanille-Krapfen und Nougat-Krapfen. Den Nougatkrapfen, haben sie mir gesagt, darf ich nicht essen, den haben sie versehentlich mitgenommen, der gehört eigentlich dem Chefredakteur.

Sie haben es bemerkt?
Chefredakteur!
Da hätte ich sie rausschmeißen müssen! Wo gibt’s denn so was, dass zwei Feministinnen einem Chefredakteur den Nougat-Krapfen aufheben täten?
Jetzt weiß ich natürlich, dass in dem Nougat-Tupfen auf dem Krapfen sicher eine Kamera versteckt war.

Ja, ich weiß, es hätte mir auffallen müssen: Der Nougat-Tupfen war nämlich so groß wie eine Faust, also, man hat den Krapfen darunter gar nicht richtig sehen können.

Kaum sind wir gesessen, sind sie zur Sache gekommen.
Ob ich Einfluss hätte beim Kabarett-Duo „Peter & Teutscher“.
„Natürlich“, hab ich gesagt, „ich bin bei jedem Programm von den beiden dabei!“

Und ob ich da auch inhaltlich was machen könnte. Wobei sie verstehen, dass mir dabei ein Aufwand entsteht und ich das natürlich alles nicht kostenlos machen soll, nämlich auch die Interessen ihrer Lobby vertreten.

Hab ich gesagt, dass das kein Problem ist. Ich bin nicht nur kabarettistisch tätig, sondern auch lobbyistisch. So fällt mir das leicht, Inhalte in ein Kabarettprogramm einzubauen.
Wie ich das gesagt hab, haben sie mir den Nougat-Krapfen ein Stück näher hingeschoben.
Ich wollte schon wieder hin greifen, haben sie gesagt, das ist nur zum Anschauen.

100 Euro krieg ich dafür pro Jahr, ich musste zusagen, bitte um Verständnis!
Dafür krieg ich locker 50 Kracker-Stangerln für meinen Kanarie!

Zuerst wollten sie, dass ich „Peter & Teutscher“ dazu überrede, ein kreatives Video zu drehen. Die Vielseitigkeit der Frau sollte darin zum Ausdruck kommen. Am besten wäre es, wenn man einerseits sieht, dass die Frauen nicht nur Karrierefrauen und Mütter sind, sondern auch mit allen Wassern gewaschene, erfahrene Erotik-Bomben, die genau wissen, wie man Männer verwöhnt. Mit heißer Sex-Unterwäsche soll sie ihm die intimsten Körperstellen massieren, während er seinen feuchten Träumen nachhängt.

Alternativ dazu haben sie vorgeschlagen, dass ich in dem Kabarett-Duo ja die Rolle einer alten Frau annehmen könnte, die die Perspektive der weiblichen Unterdrückung wiedergibt.

Ich habe mich für Variante eins entschieden.
Weil mein Stolz grenzt meine theoretischen Möglichkeiten ein.
Ich mach mich sicher kein einziges Stündlein älter als ich bin. Ich steh zu meiner Erfahrung, ja, aber vergreist bin ich nicht.

Und den „Peter & Teutscher“ werde ich halt sagen, dass es auch reicht, wenn in dem Video eine Blondine in rotem BH ihrem Mann die Zecherln reibt, während er sein Bier trinkt ….

Mit der Bitte um Vergebung,
Ihre
Frau Amalie Kratochwill
 

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