Spritzenwitze

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Spritzenwitze

Wieder steht der Winter vor der Tür als massive Bedrohung. Nur zur Erinnerung: Ich bin 81 Jahre alt und denke bei Winter weniger an Tiefschnee-Wedeln und Schischaukel als an Lungenentzündung und Oberschenkelhalsbruch.

Und Pistenspaß reimt sich für mich auf Kistenpass: Das ist das, was man bei meinem Tischler ums Eck kriegt. Für einmalig zehn Euro nimmt er meine Körpermaße in einen Pass auf, damit im Notfall dann schnell das richtige Sargmodell geliefert werden kann. Ja, alles kostet Geld, nicht einmal der Tod ist umsonst. Auch bei IKEA kann man ja angeblich schon zwischen zwei Modellen wählen: „Höllsinki“ oder „Würmla“, für die die nicht so viel Geld haben.

Noch wehren wir uns aber.

Gerade haben wir noch unsere Haut vor stechenden Wesen verhüllt, an der Alten Donau in der Abenddämmerung. Jetzt krempeln wir die Ärmel hoch und erwarten das Eindringen in die Haut: Stichwort Vorsorge. Ich lass mich gegen die saisonale Grippe impfen. Und auch gegen Keuchhusten. Schließlich weiß man ja nicht, wer einem im Autobus ins Gesicht niesen wird.

Ich bin ja von Haus aus empfänglich für so manche Sucht - wenn ich da nur an mein Kaffeetscherl mit der dazugehörigen Cremeschnitte denke … aber die Gelbsucht kann ich nicht auch noch brauchen. Also: Spritzen gegen Hepatitis A, B, C stehen auch auf dem Programm.

Wenn ich schon beim Doktor bin, lass ich mich auch gleich gegen Spinnentiere immunisieren: Vielleicht halten sich die Zecken ja nicht an die Umstellung auf Winterzeit und wollen mir mittels FSME meine Gehirnhaut entzünden.

Ja, ich bin auf den Geschmack gekommen und offen für Innovationen:

Wie wär’s mit einer Spritze zur Rauschvorsorge? Ein kleiner Stich und man kann Silvester auch nach zehn Flaschen Champagner noch nüchtern feiern. Man braucht nur das nötige Kleingeld.
Dazu passend gleich die Impfung gegen Armut! Wer sie erhält, schwitzt täglich 100 Euro-Münzen aus und ist immun gegen Lohnkürzungen.

Auch ein Sticherl gegen Langeweile, Einsamkeit und kalte Wintertage sollte es geben – zumindest für die, die sich nicht aufraffen können, Abwechslung beim Kabarett zu finden: Spritzenspitze statt Spitzenwitze!

Eine der bemerkenswertesten Schonungsmaßnahmen kam heuer übrigens von selber: 15 Grad plus zu Allerheiligen! Damit wurde für viele ältere Mitmenschen der Friedhofsbesuch nicht zu einem höflich-tödlichen Antrittsbesuch vor der baldigen „Niederlage“, im doppelten Sinn.

Spritzig wie in alten Tagen,
Ihre Frau
Amalie Kratochwill
 

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