Spielen bitte! - Premierenkritik Géza Terner
Künstler
Spielen bitte! - Premierenkritik Géza Terner
Zahlen bitte!
Der Herr Ober erklärt die Welt
Zu fetziger Musik tritt Géza Terner auf und wirft das Kellner Outfit über sich und seinen Körper in Pose, um dann einen mehr als zweistündigen Monolog mit Boban, dem Koch, zu beginnen. "Zahlen bitte!", das erste Solokabarett der Bakschisch-Hälfte spielt dort, wo man normalerweise nichts zu suchen hat: In der Küche.
Ein Ober erklärt die große Welt, ausgehend von seiner kleinen Welt des Restaurants. Hier kommentiert, bewertet und ätzt er. Über Stammgäste, Schnorrerfreunde, den ORF nebst FM4, Politiker und das österreichische Sozialsystem. Niemand wird verschont, selbst ausgewählte Teile der eignen Zunft müssen herhalten, wenn auch nur Otti Schenk und ATVplus "Österreich sucht den Comedystar".
Seine Ideen sind oft knapp am Klischee und er erzählt, was wir alle wissen: Dass Omis meistens nicht verstehen, was ein Freiberufler macht und dass "Pozilei"-T-Shirts mitnichten originell und witzig sind. Dass er alle paar Minuten die rhetorische Frage "Weißt du?" stellt, irritiert zu Beginn auch ein wenig.
Doch es ist vielmehr das wie als das was. Schauspielerisch ist Géza Terner ein Genuß. In lauter kleinen Szenen, die er gekonnt in die Haupthandlung einbettet, beweist er seine Wandlungsfähigkeit. Hier spielt er seine Trümpfe aus, wenn er Akzente wechselt und Menschentypen karikiert. Deshalb muss man dann auch über die thematisch sinnfreie Nummer des Flohzirkusdomteurs inklusive Floh Flippi einfach herzhaft lachen - weil er sie so hinreißend bringt.
Zwischendrin erzählt Géza Terner modere Märchen wie etwa die Geschichte vom kleinen Bären, der zu McDonald's essen geht und mit Visa zahlt oder der Frau Lehrerin Schipsitz die ihre tolerante, offene und linke Einstellung "dank" eines Überfalls ablegt und plötzlich für Watschen im Unterricht ist. Mit letzterem und der Anekdote vom hinausgeworfenem Sandler hat das Programm auch seine Portion zeigefinger-zynische Sozialkritik abbekommen.
Zum Schluss meldet sich auch noch der Koch zu Wort, schimpft auf den ewig Raunzenden und erklärt, dass er gar nicht Boban heißt. Alles in allem ein super Einstieg ins Solokabarett, das den Künstler logischerweise mehr fordert als in der Gruppe oder zu zweit. Géza Terner kann auch allein sehr gut unterhalten.
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