Premierenkritik Gerald Muthsam

Künstler

Premierenkritik Gerald Muthsam

Das Leben des Gerald M. - Das Waldviertler Life live


Unkonventionell und etwas schräg startet das dritte Kabarett von Gerald Muthsam. Zwei gelbe Gummistiefel - hernach als Symbol des Bäuerlichen verwendet - lugen hinter dem Vorhang hervor. Der Mann weiß, wie er Spannung erzeugt. Erwartungsvoll harrt das Publikum der Dinge, die da kommen, doch leider kann er die Spannung nicht halten. Denn kaum steht Gerald Muthsam vor dem Publikum und beginnt zu erzählen, da flacht auch schon die Dramatik ab.

Nicht, dass die Pointen fehlen würden, es sind derer einige und nicht die schlechtesten, doch allein die Erzähltechnik lässt leider etwas zu wünschen übrig. Ein bisschen hat man auch Mitleid mit dem hilflosen, jungen Mann, dessen Jugendparties aus Soletti und Jo Fruchtsirup - zur Feier des Tages im Verhältnis 1 zu 5 verdünnt - bestanden haben.

In der Art eines Josef Hader steht Gerald M., der Bauernbub vor dem Publikum und erzählt vom Leben im Waldviertel im allgemeinen, und von der Kindheit am Hof im speziellen. Vor allem in der ersten Hälfte ist das Vorbild erkennbar, wenn vom "Saustechen" und vom Unglück beim weiblichen Geschlecht die Rede ist. Doch es ist einfach schwer, Hader-Niveau zu erreichen, und deshalb ist die zweite Hälfte auch die bessere, denn da löst sich Gerald Muthsam von seinem Idol.

Schräge neue Ideen, Wortspielereien und interessante Assoziationen wechseln sich ab, und das wäre der Weg den Muthsam unbedingt weiter verfolgen sollte. Nicht kopieren sondern selbst einen neuen Stil prägen. Gegen Schluss des Programms blüht Gerald M. immer mehr auf. Um vieles sicherer steht er auf der Bühne, die Pointen kommen ungezwungener und am Ende möchte er gar nicht mehr aufhören.

Alles in allem ein gutes Programm, das aber sicher noch an der Routine wächst.

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