Premierenkritik: Echo der Heimat - Umgefallen

Premierenkritik: Echo der Heimat - Umgefallen

Fionas Designer-Misthaufen, Eurofighter aus Meinl-Aktien und ein asthenischer Hooligan: kritisches Kabarett mit Kontrasten.

Bunter Abend für Fortgeschrittene

"Echo der Heimat" - das klingt eigentlich mehr nach der vierteljährlichen Postille des Schlaininger Schützenvereins als nach einem Kabarett-Quartett. Das vor knapp vier Jahren gegründete Ensemble hat es sich zur Aufgabe gemacht, satirisch und aktuell auf Geräusche zu reagieren, die in Österreich für Aufhören sorgen - oder sorgen sollten.


In "Umgefallen" geht es natürlich in erster Linie um den politischen Umfaller des Jahres: Beim verzweifelten Versuch, die Partei wieder auf Linie zu bringen verstricken sich die Sozis beim effektvollen Ganzkörper-Hexenspiel mit einem überdimensionalen roten Faden heillos in ihren eigen Phrasen und Forderungen. Dafür haben sie eine Menge Tipps für private Sparmaßnahmen: vom Kochrezept für Wursthaut-Gulyas bis zur Wiedereinführung des Bettgeher-Systems. Damit ließe sich doch ein feines Zubrot verdienen.


Der Verlust der politischen Gesinnung ist nicht der einzige, der in "Umgefallen" zur Sprache kommt. Den Verlust auch der rudimentärsten Restwerte gesellschaftlichen Anstands demonstrieren beispielsweise Grasser und Gattin mit einer denkwürdigen Diskussion über die Anschaffung eines Designer-Misthaufens für ihren Kitzbüheler Bauernhof.


Unter schwerem Realitätsverlust leidet indes Christoph Krall, der vergeblich versucht, sich als gewaltbereiter Fußball-Hooligan registrieren zu lassen, um seine Freundin bei der EM nicht ins Stadion begleiten zu müssen. Gegen die latente Gewaltbereitschaft des Exekutivorgans (Christian Orou) hat der allein schon aufgrund seiner Statur wenig furchteinflößende Möchtegern-Rowdy allerdings keine Chance.


Gerald Jatzek verwandelt sich in einer fein ins Surreale abhebenden Szene von einem strengen GIS-Kontrolleur in ein menschliches Radio. Und Tücsi Abraham muss sich u.a. als Tierdarstellerin im Zoo verdingen. Weiters im Programm: HC Strache als Ringparabel-Rezitator, Klimawandel, Rauchverbot und Gorbachs Jobsuche.


Soviel zum abwechslungsreich gefächerten Inhalt. Von der Präsentation her pendelt das "Echo der Heimat" auch weiterhin zwischen bemühtem Laientheater und engagiertem Polit-Kabarett mit message zum Mitsingen. Fast schon unverschämt, wie da zum Teil darstellerische Dilettanz, musikalisches Mittelmaß und an Kindertheater gemahnende Plakativität als Transportmittel für so manche hochoriginelle oder subtile Satiren verwendet werden.


In dieser Widersprüchlichkeit liegt aber wohl der auffälligste Reiz des "Echo der Heimat". Denn zu keinem Zeitpunkt lässt sich das Quartett inhaltlich auf jenes Niveau herab, das ihrer Bühnenerscheinung entsprechen würde. Ein Niveau, auf dem es sich leicht kalauern und scherzen ließe. Doch das kommt beim "Echo" nicht in Frage. Da wird viel mehr mit literarischem Anspruch und schrägem Witz zu Werke geschritten. In Summe also ein bunter Abend für Fortgeschrittene, die dem Trash nicht ganz abhold sind - und bereit dazu, gelegentlich ein paar Augen zuzudrücken.


In der Pause gibt's übrigens gemeinsames Abfangjäger-Basteln aus alten Meinl-Aktien. Wobei sicherheitshalber angemerkt werden sollte, dass laut Theaterpolizei das Werfen von Papierfliegern im Zuschauerraum nur dann gestattet ist, wenn die Flugzeug-Spitze abgerundet oder umgebogen wird. Damit es zu keinen Luftraumverletzungen kommt...

Termine: 14. und 15. Oktober im Theater am Alsergrund

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