Premierenkritik: Christoph Krall - Heidi kommt ins Tal
Künstler
Premierenkritik: Christoph Krall - Heidi kommt ins Tal
Barocke Klinge
Ist es möglich, ein Heißluftgebläse mit einem Waschlappen zu kreuzen, und das, was dann dabei rauskommt, geht locker als SPÖ-Politiker durch? Gehört die Kurvendiskussion zur erotischen Mathematikerfantasie? Kann man verhindern, dass sich Unsympathler gegenseitig befruchten und damit fortpflanzen? Und was genau sind innenministerielle "besondere Qualitäten im menschlichen Bereich"
?
Fragen über Fragen, die sich allesamt anlässlich eines Ereignisses stellen, nämlich "Heidi kommt in Tal" herunter. Was die Migrantin dort unten in den Niedergängen der heimischen Sozialpolitik, der Innen-, Außen-, Gesundheits-, Glaubenspolitik und verschiedenen anderen Politikvarianten alles erwartet, davon erzählt Christoph Krall in seinem neuen Programm.
Auch, wie Heidis Leben von nun an weiter gehen könnte, zum Beispiel als Wirtschaftsbossin, die auf einer gläsernen Decke steht, oder als Mitglied im "Quasimodo-Escort-Service", bei dem die Begleitung noch schiacher ist als der Kunde. Oder vielleicht will sie sich gar vermehren und sucht nun einen brauchbaren Mann, weil der Ziegenpeter als alpiner Touristinnengigolo versumpert ist. Und wir hoffen für sie, wenn sie schon keinen tollen Mann findet, dann zumindest eine tolle Samenspende. Und was wir z.B. über die artübergreifende Vermehrung noch nicht wussten, Krall erklärt es uns, und seine Heidi-Variante ist der "Stein des Anstoßes".
Bei Christoph Krall gibt es die Kunst der eher leise vorgetragenen, feinen, intellektuellen Klinge, und wenn er spricht, dann klingt es immer ein bisschen barock. Ein bisschen wie aus einer anderen Dimension, einer anderen Zeit.
Auch musikalisch bleibt er sich treu und rockt die Kleinkunstbühnen des Landes lieber mit "ach Leben, so bleibe doch", mit Psalmen oder einem animalischen Marlene Dietrich-Remake ("lieber bin ich ein sündiger Wal, als ohne Liebe zu sein"), und bereichert damit orchideengleich die heimische Kabarettszene. Mag sein, dass seine Kunst nicht der Freund der breiten Masse ist, doch umso beglückender, wenn man in die Selektion jener fällt, die in den Genuss seiner ausgefallenen Betrachtungsweisen kommen.
Darüber hinaus: Krall hat 91 Stimmen bei der Wahl zum "sexiest heimischen Kabarettisten" bekommen, auch davon erzählt er uns - herzlichen Glückwunsch nachträglich!
Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um Kommentare posten zu können.






