ORF-Tipp
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ORF-Tipp
Der Österreichische Rundfunk hat sein Erfolgsprogramm „Nachbar in Not“ in den Sommer verlegt. Anders ist es für mich nicht zu erklären, dass sich der ORF schon jetzt um die ganz Armen unter uns kümmern will.
Zu diesem Zweck gibt er Literatur-Tipps für den Urlaub. Das hilft uns Euro-Schwächlingen dann gleich zweifach. Also vorweg doppelten Dank an den Küniglberg.
Erstens sieht er ein, dass Lesen gescheiter ist als Fernsehen.
Und zweitens „Letzte Nacht in Twisted River“!
Dieses Buch von John Irving, der viele, viele Jahre auch in Wien verbracht hat, ist die ultimative Reise-Empfehlung.
Weil da nämlich ein Vater mit seinem Sohn über Jahrzehnte hinweg unterwegs ist. Eine Reise, die mit mehr Sinn erfüllt ist, als 99 Prozent der Urlaubsfahrten meiner Freunde aus dem Gemeindebau. Weil der Anlass ein Totschlag ist, küchenbedingt.
Also, das kann man ja abschwächen. Das Töten ist ja, wenn es geplant wird, viel zu aufwändig: Wen, wie, wann, womit, wen noch und so weiter. Man kann ja stattdessen den Schimmel in den Ecken mit Essig behandeln. Oder die Ameisen am Boden zerstoßen. Oder so. Und dann geht’s los!
Eine Flucht rund um die Welt! Da lernt man Leute kennen, bist du wahnsinnig, bis hin zum richtigen Leben. John Irving empfiehlt sogar, nackt mit einem Fallschirm abzuspringen.
Wenn man da dann auch noch einen Fotoapparat mit hat, kann man seinen ganzen Lebensabend lang Fotos herzeigen oder zumindest selber anschauen.
Ich starte mit dieser Weltreise höchstwahrscheinlich im Sommer 2011! Da bin ich dann ein paar Jahrzehnte unterwegs. Zurück bin ich wieder im Oktober 2011, weil ich da mit Peter und Teutscher Premiere habe.
Und diesen Sommer? Studiere ich die Reise-Unterlagen. Weil „Letzte Nacht in Twisted River“ hat 832 Seiten. Also werde ich mir den Wälzer in der Bücherei ausborgen und mich damit die nächsten zwei Monate in mein Kabinett zurückziehen. Weil, also ganz ehrlich, lesen ist deutlich weniger stressig als wegfahren: Kein wohin, mit wem, wie lang, warum schon wieder dorthin und so weiter.
Und jetzt noch ehrlicher als ganz ehrlich: Es ist billiger.
In diesem Sinn wünsche ich uns einen billigen und kurzweiligen Sommer,
Ihre Frau Amalie Kratochwill
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