Ohne Grenzen

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Ohne Grenzen

War das immer schon so?
Dass es einen mehrmals am Tag aufs Popscherl setzen könnte angesichts des Wahnwitzes, der einem da präsentiert wird?

Es schaut so aus, als täten sich die Leute nix mehr scheißen.

Und damit mir uns richtig verstehen: Ich mein damit sicher nicht eine Richterin und ihre hilfreiche Exekutive, die Tierschützer verfolgen, als wäre Al Capone vor ihrer Flinte und die weltweite Mafia auf ihrem persönlichen Seziertisch, wartend, von ihr filettiert zu werden.

Es geht mir auch nicht um die Ärztekammer und die Sozialversicherung, die da versuchen, eine Lösung zu finden, die für beide passt: die Ärztekammer und die Sozialversicherung. Dass ich in Zukunft zu meinem Arzt mein Sparschwein mitnehmen muss, damit ich es auf seinem Schreibtisch zerschlagen kann, nachdem er mir ein Rezept für meine Pulverln verschrieben hat, fällt unter Kollateralschaden. Fürs Porzellantierchen.

Und durch die Abrechnungsvorgänge eingebremst, wird der Onkel Doktor halt nicht mehr ganz so viele Kranke unter sein Stethoskop halten können. Auch das wird irgendwem nützen.

Ich meine auch nicht die Erdöl-Zauberer von British Petrol, die immerhin in Aussicht stellen, das Schmutzloch im Ozean frühestens im August stopfen zu können. Man kann ja wirklich nicht verlangen, dass sie alles Denkmögliche unternehmen, vielleicht sogar Personal von den Tankstellen holen, um den Atlantik zu putzen. Obwohl: Da gibt’s ja die netten Menschen, die einem die Windschutzscheibe putzen, während sich der Tank mit Diesel füllt… Ich bin mir sicher, der Peter würde auf die gewischten Fenster verzichten, wenn dafür das Meer schneller sauber wird.

Schlimmer! Es irritiert mich maßlos, dass Kolleginnen in meinem Alter ihre persönlichen Sexpraktiken detailgetreu als Buch veröffentlichen. Und nur um in Erinnerung zu rufen, wissend, dass mich so mancher Charmeur jünger einschätzen würde: Ich bin stolze 81 Jahre alt.

Elfriede Vavrik, von der ich hier schreibe, hat mit 79 die Wollust für sich entdeckt. Ihr Arzt hat ihr gegen Schlaflosigkeit Sex verschrieben. Und jetzt lässt sie die (männliche) Jugend über sich kommen. Öffentlich. Am Nacktbadestrand.

Was ist denn das für ein Vorbild?

Wo soll denn das hinführen?

Wer will denn das?

Bitte! Ich bin auch 81 und muss jetzt was los werden:
Ich will bitte keinen Sex mehr! Mit Männern.
Das macht man sich selber viel besser. Wenn schon.
Und mit weniger Stress. Ich muss mich nicht vorher für mich frisch machen. Ich muss keinen Mann akzeptieren, der in allen denkbaren Transpirationszuständen auf mich niedergehen will.

Kurz: Ich weiß, was ich will. Ich weiß, wie oft ich will. Ich weiß, wie ich es kriege. Passt!

Und ich würde nie, nie, nie in der Öffentlichkeit über meine sexuellen Bedürfnisse schreiben. Zumindest nicht in einer Öffentlichkeit, die größer als das Internet ist.

Nein. Das reicht! Da bleibt mir eigentlich nur mehr, zurückzutreten! Mit sofortiger Wirkung!

Ich muss nur noch den Peter informieren, dass er meine Rolle übernimmt, bis ein würdiger Ersatz gefunden wird.

Es ist das erste Mal, dass ich einen Deutschen verstehe.
Ich ziehe meinen Kopf vor Ihnen, Herr Köhler!
Ein Rücktritt, Herr Bundespräsident, wie ihn auch eine Simmeringer Pensionistin nicht besser hinkriegen würde!

Ihre
Frau Amalie Kratochwill

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