Ode an den Wels

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Ode an den Wels

Ode an den Wels

Ein Riesenwels an der Alten Donau zieht derzeit die Blicke zahlreicher Schaulustiger an. (...) Kinder fanden den Wels unter einem Badesteg. Er bewacht seine Brut. Bis zu 30.000 Eier pro Kilogramm Körpergewicht produziert ein weiblicher Wels. Das Männchen bewacht das Nest.
(Wienweb.at, 22.5.2007)

Ode an den Wels

Arie

Großer Wels! Der großen Fische
Größter, der du derzeit bist:
Friede deiner grünen Nische!
Großer Wels, sei mir gegrüßt!

Deine Wohnung, ganz bescheiden
zwischen Algen und Morast,
mag der größte Fürst dir neiden
in dem herrlichsten Palast.

Denn wie köstliche Juwelen
Füllst du, selbst ein Edelstein,
noch die engste deiner Höhlen
mit der Schönheit holdem Schein.

Rezitativ

Wie groß du bist! Du Großer, Schöner!
Du Augenweide! Blick-Verwöhner!
Es funkelt, ohne alle Schuppen,
vom Bartel bis zum starken Schwanz,
gleich tausend hellen Sternenschnuppen
durchs trübe Wasser hell dein Glanz!
Doch wäre allen Glanzes Strahlen
nur Blendwerk, Lug und eitles Prahlen,
wenn nicht zum größten Reichtum äußrer Werte
ein gleiches Maß an inneren gehörte.
Getrost! Du brauchst die Prüfung nicht zu scheuen!
Du willst das Herz ja wie das Aug erfreuen!

Arie

Edle Einfalt, stille Größe,
keine Schwäche, keine Blöße,
sind dein Seelen-Eigentum,
noch im Unglück hohe Würde,
Gleichmut unter jeder Bürde
mehren deines Wesens Ruhm!

Schweigend dem Geschicke fügsam,
noch im Überfluss genügsam,
bist du selbst der größte Schatz -
denn in deiner feuchten Klause
ist nichts Schändliches zu Hause,
hat das Laster keinen Platz!

Boshaftes Schwatzen,
Faxen und Fratzen,
Dreckige Witze,
Häme und Spitze
sind dir verhasst,

Ränke, Intrigen,
Falschheit und Lügen,
Schäbiges Spotten,
Spiel in Komplotten
nichts, was dir passt.

Da capo: Edle Einfalt, stille Größe usw.

Rezitativ

Doch Wels! Du suchst ja unsre Nähe nicht
für Hymnen, dir zum Lob und Preis geschrieben -
der laute Ruf der holden Vaterpflicht
hat dich an unsern Ufersteg getrieben.
Dein Walten hält vor Feind und Fährnis
die Eier deines Laiches wohl geschützt,
gern nimmst auf dich du Mühe und Erschwernis,
wenn nur dein Werk den ungeschlüpften Kindern nützt.
Wie liebevoll, wie sanft sacht
umschwimmt er sorgend den belebten Laich!
Ihr Eier, wohlbehütet und umwacht,
wie gerne wär ich eins von euch!

Arie

Schlummer sanft, ihr Welselein,
in dem Bette aus Gallert!
Werdet große Welse sein,
weil euch Liebe widerfährt!

Stetes Wachen, treues Sorgen
hält das Unheil von euch fern,
eures Vaters Augenstern
seid ihr sicher und geborgen.

Schlummert sanft, ihr Welselein...

Kindheit flieht mit schnellem Schritte
bald zieht ihr zum lauten Streit -
doch in wilder Kämpfe Mitte,
denkt zurück der goldnen Zeit!

Schlummert sanft, ihr Welselein...

Und dann habt ihr selber Eier,
und dann schützt und schirmt und hegt,
wie dereinst der Vater euer
Kindbett liebevoll gepflegt!

Schlummert sanft, ihr Welselein...

Rezitativ

Doch nun genug der Worte, der Beschauung!
In Lob des besseren sich wortreich zu ergehen
taugt keineswegs dem schlechteren zur eigenen Erbauung!
Des Schwätzers Müßiggang ist zu verachten -
vielmehr soll er, was er gesehen,
mit Fleiß und Schweiß selbst nachzuahmen trachten.
So schwimm uns, Großer Wels, voran!
Wir folgen deiner edlen Bahn!

Arie

Großer Wels! Du großes Vorbild,
das uns mit Erstaunen füllt!
Deinem freundlichen Gemüte,
nachzutun sind wir gewillt!

Lehr uns Weisheit, lehr uns Güte,
lehr uns Gesten und Gebärden -
lehre uns, wie du zu werden!

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