Obstkorb Künstler
Künstler
Obstkorb Künstler
Obstkorb Künstler
Sonntag, 24.2.2008, 18:35 Uhr, Anfang
Tag! Sitze diesmal in der Künstlergarderobe des Theaters am Alsergrund zwecks Verfassung meiner Kolumne.
18:36 Uhr
Nicht, dass ich jetzt zwirnsscheißen will, aber das klingt, als wärst du extra deswegen hergefahren
.
18:37 Uhr
Zwar nicht, aber es passt super zum heutigen Thema, da hab ich mir gedacht, ich verbinde das Unnütze mit dem Geschmacklosen und schreib heute die Kolumne vor der Vorstellung.
18:38 Uhr
Was is leicht das heutige Thema?
Ich weiß es natürlich, es geht um Sonderwünsche mancher Kollegen an Veranstalter, betreffs Verpflegung, die sie gerne in der Garderobe vorfinden möchten. Hab mir aber gedacht, ich frag dich und so sind wir schnell beim Thema. Obwohl ich jetzt eine Möglichkeit gefunden hab, es noch eleganter zu machen.
18:40 Uhr
Super! Du bist subtiler als ein Fieberzapferl
.
Wie dem auch sei , meinereiner war der Meinung, es ist Zeit, sich wieder ein paar neue Freunde zu machen und aus dem Nähkästchen der Branche zu plaudern.
Also, rein ins Vergnügen!
Bei uns Künstlern gibt's natürlich auch Verträge, da steht dann drin
. bla bla
wann Aufbau
bla bla
Honorar
bla bla
Bühnengröße
bla bla
na ja und die meisten haben dann noch ein paar Zusatzwünsche an den Veranstalter z.B. eine CATERINGLISTE.
Sehr beliebt ist da der Obstkorb!
Natürlich kopieren 90% ihren ersten Vertrag von einem anderen Kollegen, weil wozu selber die Arbeit machen.
Irgendwann dürfte da ein Obstkorb reingerutscht sein, sprich in 90% aller Künstlerverträge der Kabarettbranche steht: "Der Veranstalter verpflichtet sich, einen Obstkorb in der Künstlergarderobe bereitzustellen."
Mich würd echt interessieren, wer der erste Obstfetischist war!
18:53 Uhr
Ich überleg die ganze Zeit, was wir in unseren Vertrag reinschreiben könnten
.
18:54 Uhr
GAR NIX!
Weil ich das, um es höflich zu formulieren, ein wenig seltsam finde.
Da es ja immer höher, weiter, schneller gehen muss, hat sich der Obstkorb mittlerweile zu wahren Gourmetlisten emporgeschwungen.
Süßigkeitskörbe mit genauer Aufzählung der Snacks, Weinkarten
. das letzte Highlight war eine Forderung nach einem Haubenlokal in unmittelbarer Nähe
. Dass der Taubenkobel in der Künstlergarderobe nachgebaut werden muss, kommt sicher demnächst.
Befreundete Veranstalter wissen natürlich von meiner Cateringlisten-Allergie und versorgen mich stets mit den neuesten Spitzenreitern an "Sonderwünschen".
Ich lese und wundere mich!
Angenommen ihre Heizung ist kaputt, gut, sie beauftragen einen Installateur, logisch.
Eine Woche vorher bekommen sie dann den Kostenvoranschlag und da steht drinnen, z.B. der Monteur wünscht eine kalte Platte neben der zu reparierenden Therme vorzufinden nebst 2 Flaschen Rioja Weingut Esperanto, Jahrgang 1999.
Sie würden sich doch wohl fragen
. "Wo angrennt oder was?"
Laut einem ungeschriebenen Hacklergesetz werden zwar Pfuscher verpflegt, nicht aber Professionisten.
19:04 Uhr
Ich hätt gerne eine Playstation! Hier sind wir von den 2 Pampersterroisten ungestört und könnten spielen!!!
19:05 Uhr
Quatsch
obwohl? Egal!
Ich hab mir sagen lassen, umso komplizierter die Cateringliste, umso wichtiger der Künstler!
Hand aufs Herz, das is aber ein Armutszeugnis.
Außerdem:
Haben Sie an jedem Arbeitstag Lust auf einen Obstkorb?
Schon nach 1 Woche kann man doch den Inhalt der eigenen Bedarfsliste nimmer sehen und das Zeug verrottet am Garderobentisch.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Bei der Langen Nacht des Kabaretts hatten wir in der Steiermark manchmal einen
"Subveranstalter", der seine eigenen Verträge verwendet hat. Da stand natürlich auch der Obstkorb und ein "warmes Abendessen vor der Vorstellung" drinnen. Wir wussten es nicht.
Das war die Hölle!
Die Veranstalter haben sich immer einen Mörderstress gemacht, Tisch reservieren, sind eh keine Vegetarier dabei etc.
Keiner von uns hat wirklich Hunger gehabt, aber wohlerzogen wie wir damals noch waren, sind wir halt futtern gegangen.
Eckel hat sich stets das Bühnengewand vollgekleckert, Stipsits sich 5x mit der Gabel verletzt und Kosch is ein dermaßen Schneckentempo-Esser, dass er 5 Minuten nach eigentlichem Veranstaltungsbeginn gerade die Suppe unten hatte.
Auf der Bühne haben wir uns ständig ins Gesicht gerülpst und in der Garderoben mussten wir auch noch Obst essen. Wenn man's nicht gewohnt ist, eine unglaubliche Belastung für den Organismus, psychisch und physisch.
19:17 Uhr
Sollt ma uns nicht langsam umziehen?
Noch 13 Minuten
. der Saal füllt sich bereits.
19:18 Uhr
Schei
.. Ich hab die Zeit übersehen
.
Ha .. das könnt ich in meinen Vertrag reinschreiben.
Wenn Herr Hopf an einem Sonntag auftritt, muss eine Sekretärin bereitgestellt werden, die für ihn die Kolumne abtippt.
19:20 Uhr
Also
komm
raus aus dem Wirlpool
rein ins vorgewärmte Bühnengewand und schalte den Flatscreen aus
.. it's Showtime
19:21 Uhr
Gott dieses Künstlerleben
nur Stress
Willst ein Apferl?
19:22 Uhr
Ende
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