Nicht allein?
Künstler
Nicht allein?
Es ist überhaupt nicht notwendig, dass man sich einsam fühlt.
Und wer sich keinen Menschen findet, der soll sich ein Viecherl nehmen.
Es muss ja nicht gleich ein monströses, alles verschlingendes Flusspferd sein, dem man seinen ganzen Besitz in den Rachen schmeißt. Und damit man daran nicht zugrunde geht, greift man allen anderen Mitbürgern tief ins Taschl. - Gibt’s aber auch nicht überall. Ist vielleicht nur eine Kärntner Spezialität, das Hypo.
Was ich ihnen empfehlen tät, ist ein Hunderl. Vor Weihnachten ist genau der richtige Zeitpunkt dafür.
Weil mit einem Hunderl muss man verlässlich zweimal am Tag vor die Tür, am besten ausgiebig. Das hält fit. Und man geht ja gern mit einem Freund spazieren.
Hundefutter muss man kaufen, also mit seinen letzten Euros in den Supermarkt gehen und dort Dosen holen. Man gibt ja gern für Freunde sein letztes Geld her.
Mit dem Tierarzt einen Termin ausmachen, ins Wartezimmer setzen und ein paar Euro gegen ein paar Spritzen tauschen. Gesundheitliche Krisen verbinden.
Dazwischen endlich im Warmen, zuhause. Wo Sie nicht lange bleiben, weil das Viecherl vor die Tür muss. Macht man ja gern mit einem echten Freund, für ihn da sein. Ist Sinn stiftend. Und halt so.
Irgendwann fällt dann aber der Blick auf das Hunderl, das auf der Couch liegt und schläft. Fertig. Und erschöpft. Die Gelegenheit, um mit einer Bürste durch die Wohnung zu Wuseln, um seine Haare einzusammeln.
Mit den Nachbarn ins Gespräch kommen, mit denen man schon lange nicht mehr gesprochen hat. Weil sie anläuten und drohen, die Polizei zu holen, wenn der Hund wieder die halbe Nacht durchbellt.
So ein Hund hat nur Vorteile. Weil wenn man ihn hat, hat man keine Zeit für blöde Gedanken. Man ist abgelenkt und beschäftigt. Das ist für viele richtig gut.
Oder Sie machen es wie ich. Sie geben ihn wieder weg, nehmen sich einen Kanarie und freuen sich über die Ruhe und Selbstbestimmung, die sie gewonnen haben. Weil bei aller Freundschaft: Eine besinnliche Zeit kann man manchmal nur allein genießen.
Und wer vor Weihnachten Bedenken hat, seinen Hund vor die Tür zu setzen: Es ist auch eine Erleichterung, wenn Sie ihn in einen Vogelkäfig setzen und „Kanarie“ nennen.
Ihre
Frau Amalie Kratochwill
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