Ja, danke!

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Ja, danke!

Es ist eine Zusammenarbeit zwischen Auge und Hirn, die mir die Arbeit versüßt. Obwohl hier in gewisser Weise natürlicher Betrug vorliegt.

Diese Kolumne soll auch Antwort auf eine Frage geben, die mir nach Auftritten gern gestellt wird. Gleich nach den Fragen „Kann man davon leben?“, „Sind Sie wirklich erst 81?“, „Sind Sie wirklich Patientin?“ kommt nämlich diese: „Können Sie sich an mich erinnern?“

Ich behaupte jetzt einmal, dass ich mehr als tausend Auftritte in den Beinen habe, inklusive Verabschiedung der Menschen, wenn möglich mit Handschlag und freundlichen Worten. Zumindest aber darf ich in ein fröhliches Gesicht schauen, das mich hinter klatschenden Händen anstrahlt. Das ist sehr schön und absolut erfüllend.

Dann sind da noch zahlreiche Veranstalter, Techniker, Mitarbeiter, jeweils beiderlei Geschlechts, die ebenfalls bemüht sind, mir in der Ferne ein Zuhause zu bieten.

Und auf diesem Weg, kann man sich vorstellen, kommen schon ganz schön viele Gesichter zusammen. Also wirklich viele tausend Gesichter mit dazugehörigen Blicken, Gesten und Gesprächen.

Und jetzt passiert das Wunderbare…

Die Speicherkapazität meiner Festplatte ist voll. Alle neu dazukommenden Eindrücke werden bereits vorhandenen gespeicherten Einheiten zugeordnet.

Die Folge: Es gibt keine Fremden mehr. Im Gegenteil. Jedes neue Gesicht hat Mundwinkel, Augenbrauen, Wangen, Haarsträhnen und Muttermale, die irgendeinem bereits gespeicherten Gesicht so weit ähneln, dass eine Gleichschaltung vorgenommen wird.

Ich bin also bei jedem Auftritt von altbekannten Freunden umgeben.

Unterstützt wird der Eindruck davon, dass ich im Alter schaßaugert bin und mit Gegenlicht ins Publikum schaue. Glauben Sie mir: So anders kann kein Individuum sein, dass es nicht sofort einem vertrauten Antlitz angeglichen wird, und unterlegt wird mit Adjektiven wie „gut bekannt“, „sympathisch“ oder „verwandt“.

Und deswegen ein lautes Danke an Sie alle, Freunde der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die mir mein Dasein auf diese Art weichspülen. Ich kann mich an Sie erinnern!!

Bis zum nächsten Mal,
wir sehen uns sicher eher wieder, als Sie glauben,
Ihre
Frau Amalie Kratochwill

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