Ich, Ministerin

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Ich, Ministerin

Nachdem der Herr Gio Hahn demnächst in Brüssel werken darf, steht eine sensationelle Postenbesetzung bevor: Das Wissenschaftsministerium wird neu vergeben.

Eigenartiger Weise geht die Regierungsspitze davon aus, dass der Herr Kommissar das österreichische Ressort nicht auch noch locker von Europa aus mit machen kann.

Ich kann mir auch schon die Argumente vorstellen, die da zwischen den roten und schwarzen Partnern hin und her fliegen werden. Es wird wie immer rein um Inhalte gehen und sicher nicht um Versorgungsposten oder darum, dem anderen eins auszuwischen.

Da wird der Josef Pröll auf die Bildungskanone aus Niederösterreich setzen und seinen Onkel Erwin holen. Damit dieser seine Niederlage bei der noch nicht statt gefundenen Präsidentschaftswahl verschmerzen möge.

Werner Faymann wird diesen Bildungs-Coup vereiteln wollen. Zwar wird er das Ressort selbstverständlich der ÖVP überlassen, aber um den „Karl May-Freak“ zu verhindern, wird er auf Willi Molterer bestehen. Vielleicht hilft ja „Es reicht“ gegen die anstehenden Probleme. Oder zumindest gegen die Studenten, die es sich gerade im Auditorium Maximum der Uni Wien gemütlich machen.

In jedem Fall zeichnet sich dann auch hier ein Kompromiss-Kandidat ab. Oder besser eine Kandidatin.

Lassen Sie mich der Hahn im Wissenschaftskorb sein.

Ich wüsste auch schon, was zu ändern ist.

Damit ich mich nicht verlaufe, würde ein roter Teppich von meiner Haustüre in Simmering bis zum Wissenschaftsministerium, wo immer das gerade ist, aufgerollt.

Wissenschaftsministerium klingt auch viel zu trocken. Außerdem würden es alle verwechseln mit dem ähnlich klingenden Wirtschaftsministerium oder dem thematisch nahen Bildungsministerium. Ich schlage einen neuen Namen vor: „Haus der Amalie“: einfach, treffend und mich sehr erfreuend.

Damit sich die Studenten das Studieren weiter leisten können, gebe ich Ihnen die Möglichkeit, sich was dazu zu verdienen. In meiner Wohnung können sie abwechselnd Fenster putzen, Staub saugen und mir ein Grieskoch machen. Und einmal in der Woche können sie auch das Haus Amalie reinigen.

Ich sehe schon, mir stehen ungeahnte Sympathiewerte ins Haus. Wenn das alles aufgeht, kann ich mich 2010 zwischen der ersten Wiener Bürgermeisterin und der ersten Bundespräsidentin als nächste Aufgabe entscheiden.

So, das reicht für den ersten Amtstag. Ich muss noch auf das Bezirksamt und meine Mindestrentenbezüge ruhend stellen. Damit ich nicht größenwahnsinnig werde. Bei dem vielen Geld.

Ihre
Frau Amalie Kratochwill

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