Hoffentlich ist morgen gestern besser!
Künstler
Hoffentlich ist morgen gestern besser!
Dem grassierenden landläufigen Revival, der Früher-War’s-Besser-Bewegung soll hier nun endlich und entschieden entgegentreten werden.
Retro, Vintage, Reminiszenzen: Raus!
Ja, bitte wissen wir noch, was „früher“ gewesen ist, wenn wir heute glückselig 80ies-Partys feiern, und die Auslage der Innenstadt-Boutique ausschaut wie der Schöps auf der Simmeringer Hauptstraße 1984?
Das zentralverriegelungsfreie 10-Liter-Auto war der Sparmeister schlechthin. Mit dem sind wir nach Tarvis gefahren. Großteils auf der Bundesstraße, weil die A2 noch nicht fertig war. Dort haben wir Lederjacken mit Schulterpolstern(!) gekauft. Dafür haben wir uns an der Grenze 7, 8 Stunden die Zeit ohne Klimaanlage vertrieben. Mit einem „Tricotronic“. Ein Ding, das genau so viel gekostet hat, wie heutige Spiele, allerdings original genau 1 (eine) Spielfunktion hatte – und die war fad. Endlich über der Grenze haben wir uns dann angestellt, um Millionen Lire umzutauschen. Ja, und dann haben wir uns Hosen gekauft, die unten so eng waren, dass wir sie nicht über die Ferse gekriegt haben, und der Bund oben hat ca. bei den Brustwarzen geendet. Inklusive Bundfalten. Schön. Dann wieder zurück. Ein bisserl verfahren (kein Navi). Stehen bleiben, um die Freundin von einer Telephonzelle anzurufen. Die ist kaputt. Nächste suchen. Die Minute kostet umgerechnet 30 Cent (Niederösterreich – Wien: Ferngespräch). Das Telephonat ist aber eh umsonst, weil die Freundin ist nicht erreichbar, weil der Nachbar so lang telephoniert, weil sie sich ein Vierteltelephon teilen … Super! Und wir hätten Ihnen das alles nicht erzählen können, weil „Netz“ noch was mit Fischen oder Strumpfhosen zu tun gehabt hat.
Das Schlimmste aber ist, die Menschen scheinen das alles vergessen zu haben! Kollektives Hirn-Wie-Ein-Teeseicherltum.
Dabei reicht doch etwa schon ein kurzer Blick in die private Diskothek des vorigen Jahrtausends, um uns zweier Dinge klar zu werden:
1.: Mit dieser Vergangenheit ist das Heute kein Wunder.
2.: Nie wieder früher!
Der Musikgeschmack war generell fremdbestimmt. Von Aliens. Und das merkte man auch.
Was hätten wir uns nur erspart, wären Grenzen und die Mauer schon weg gewesen:

Herr Elton John und Frau Nikita Leider-Nein-John auf Bandsalat
Und wer schon als Hänschen mit solcherart Liedgut sozialisiert wird,
geht auch als ausgewachsener Hans mit dem gebürtigen Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl-Petz im Kassettinger gerne auf große Heizdeckenfahrt.
Ja, selbst vor dem Schlimmsten wurde in diesen finsteren Zeiten nicht zurückgeschreckt
Früher war alles besser. Sogar die Zukunft. (Karl Valentin)
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