Heldenplatz

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Heldenplatz

Die Zeiten ändern sich. Manchmal muss ich mich kurz einbremsen, stehen bleiben und nachdenken. Was ist anders? Was stimmt da nicht mehr? Wo steh ich gerade? Und steh ich gut?

Weil es ja so ist: Wenn eines der Hauptwerke von Thomas Bernhard im Theater an der Josefstadt gespielt wird und dort anstandslos akzeptiert wird, dann hat sich da was verändert.

Weil Thomas Bernhard hat ja im „Heldenplatz“ über seine handelnden Personen einiges an Österreich und seinen Menschen kritisiert. Unter anderem das Theater an der Josefstadt. Mehr oder weniger als Kristallisationspunkt der Dumpfheit.

Das Stück ist dasselbe geblieben wie bei seiner Uraufführung vor 22 Jahren. Aber anscheinend hat sich das Umfeld geändert. Die Zuschauer kichern bei der einen oder anderen Beschimpfung, wenn es zum Beispiel um die Grazer geht. Oder um die Wiener. Aber sonst ist alles leer geblieben in den Menschen. Keine Wut, kein Ärger, keine Irritation, nicht einmal eine zuckende Schulter hab ich gesehen, als ich im Theater war.

Ja und das ist die zweite Merkwürdigkeit an diesem Abend: Ich war im Theater an der Josefstadt.

Ich hab mir eine Karte gekauft, wurde eingelassen. Ohne Lidschatten und ohne Abendkleid. Nur die Zähne hab ich mir geputzt und die Haare frisiert.

Platz genommen hab ich in der letzten Reihe und hab die seinerzeitige Aufregung angestarrt. Nach zwei Stunden und 30 Minuten war es vorbei.

Zum Glück hab ich in der Pause auf einer Ablage Werbematerial der ÖVP mit dem Gesicht der Frau Marek gesehen. Weil wenn da jetzt auch noch Grüne Flyer gelegen wären oder blinkende rote Herzerln, würde ich wahrscheinlich immer noch dort stehen und mich wundern.

So allerdings wurde mir mit ein paar Stückerln Hochglanzpapier ein Hauch von Nostalgie bewahrt.

Mit diesen letzten Resten aus dem politischen Schubladendenken werde ich am Sonntag in die Volkschule gehen und dort mein Kreuz auf dem Wahlzettel machen.

Und hoffen, dass alles beim Alten bleibt,
damit ich mich noch eine Zeit lang auskenne,

Ihre
Frau Amalie Kratochwill
 

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