Gute Besserung!

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Gute Besserung!

Neujahrsvorsätze sind Wahlversprechen, die man sich selber gibt – pathetisch, ehrgeizig und vor dem ersten Hahnenschrei gebrochen. Ein durchschnittlich intelligentes Kind hat dieses Spiel spätestens in der Pubertät durchschaut und verweigert sich fortan dem Ritual. Ich selber habe leider etwas länger dafür gebraucht, und zuletzt habe ich die Angewohnheit nicht ganz aufgeben können, daher habe ich mir ein Ersatzritual gesucht.

Anstelle von guten Vorsätzen für das Neue Jahr fasse ich jetzt retrospektiv schlechte Vorsätze für das vergangene. Die vergleiche ich dann mit meinem tatsächlichen Verhalten, und wenn dieses dem bösen Willen nicht entspricht, dann freue ich mich meiner Tugend. So habe ich mir am ersten Jänner dieses Jahres fest vorgenommen, mich 2007 dem Trunk ergeben zu haben und regelmäßig in schwer alkoholisiertem Zustand grölend durch die Innenstadt gezogen zu sein, Passanten angepöbelt zu haben und bei Schlägereien mit Gleichgesinnten mehrere Zähne verloren zu haben.

Nichts dergleichen habe ich tatsächlich getan. Also, nicht wirklich ganz gar nichts dergleichen, aber doch wenig genug dergleichen, um mir zufrieden auf die Schulter zu klopfen und mir zu meiner Mäßigung zu gratulieren.

Der wirkliche Reiz dieser Technik liegt aber in der schier unerschöpflichen Palette von interessanten und befriedigenden Lastern, denen man sich in die Arme geworfen zu haben vornehmen kann, um umso strahlender daraus hervorzugehen, je abstoßender die Verfehlung gewesen wäre. So habe ich auch meinen rückwirkenden Vorsatz, im Vorjahr zahlreiche Unschuldige durch Meineid und Verleumdung zu verderben, selbstverständlich nicht verwirklicht. (Diejenigen, die ich solcherart ins Unglück gestürzt habe, haben das mehr als verdient. Und vielleicht sehen sie ja jetzt sogar ihr selbstverschuldetes Unglück als Chance zur Besserung.)

Auch habe ich meinen Plan, das Vermögen der Witwen und Waisen verprasst zu haben, nicht umgesetzt. Das liegt aber weniger an meiner Lauterkeit als an den praktischen Schwierigkeiten. Die Witwen und Waisen verprassen ihre Vermögen nämlich heute lieber selber und geben einem gar nicht gerne was ab. Wenn man nicht einen ehemaligen Finanzminister im Vorstand sitzen hat, kommt man an ihr Geld praktisch nicht ran.

Damit will ich die Aufzählung meiner nicht verwirklichten Schandpläne aber beenden. Zum einen ist nämlich ein Übermaß an Tugend der Sympathie keineswegs zuträglich. Lesen wir etwa über einen Großen der Vergangenheit, dass er edel, hilfreich und gut gewesen sei, so legen wir die Biographie gähnend aufs Nachtkastl. Erfahren wir hingegen zusätzlich, dass er sich ein kleines Zubrot durch Heiratsschwindel und Urkundenfälschung verdient habe, so verfolgen wir seinen Lebensweg mit ungleich größerer Anteilname.

Zum anderen aber könnte eine solche Liste sowieso nicht vollständig sein. Und so wie ich Sie einschätze, würden Sie die Liste dann mit Argus-Augen auf Lücken untersuchen, um dann triumphierend festzustellen: „Er schreibt aber nix von *** - heißt das am Ende…?“, und ich möchte gar nicht wissen, welchem Laster Sie mich da vor Ihrem inneren Auge genüsslich in die Arme werfen.

Das heißt, eigentlich möchte ich das schon wissen, schließlich würde mir das mehr über Sie erzählen als über mich, und zwar lauter Sachen, die mich eigentlich überhaupt nichts angehen, aber über dieses Thema habe ich schon in meiner Tratsch-Kolumne vom 7.12. geschrieben.

Einen letzten schlechten Vorsatz aber verrate ich Ihnen doch noch: ich will 2007 total viele Rechtschreib- und Beistrichfehler in meinen Kolumnen untergebracht haben.

Nur damit Sie sehen, dass ich schon auch zu meinem Wort stehen kann.

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