Gaumenkitzler

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Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Am 7. Jänner titelte die Kronenzeitung: "Pröll schlägt Alarm: Illegale müssen sofort zurück!", am 9. März wird in Niederösterreich gewählt werden. Ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Tatsachen scheint nicht ganz von der Hand zu weisen.
Zwar lässt die Formulierung im Prinzip sogar einen gewissen Interpretations-Spielraum zu -es wäre ja denkbar, dass Pröll Alarm schlägt, weil Illegale sofort zurück müssen. In der besten aller möglichen Welten wäre eine solche Interpretation nicht völlig abwegig. Die Illegalen sind nämlich großteils tschetschenische Flüchtlinge, die zunächst in Polen oder der Slowakei gelandet waren, wo ihre Chancen auf Asylgewährung minimal sind. In Anbetracht der Verhältnisse in Tschetschenien kann man es ihnen also nicht verdenken, wenn sie nach dem Wegfall der Schengengrenzen versuchen, hier aufgenommen zu werden (bzw. könnte man es ihnen nicht verdenken wenn sie es täten, der Leiter des Flüchtlingslagers Traiskirchen selber hat nämlich von dem kolportierten Massenansturm bis jetzt nichts bemerkt.) Zumindest könnte man sich ihre Geschichten einmal anhören.


Selbstverständlich würde sich der Landeshauptmann bei einer solchen Interpretation seines Alarmpfiffs grob missverstanden fühlen. In schöner Eintracht mit Innenminister, Bundeskanzler und Verteidigungsminister fordert er stattdessen eine zügige Abschiebung der Asyltouristen. Ach, wenn es doch in der Koalition immer so harmonisch zuginge! Schulreform und Pflegenotstand wären keine Schlachtfelder mehr sondern Schauplätze sachlich geführter Debatten, mit anschließendem geselligem Beisammensein und wer weiß, was dann zu vorgerückter Stunde noch alles möglich wäre…?


Dafür, dass die freiwerdenden Plätze in Traiskirchen nicht zu lange leer stehen, sorgt inzwischen der Kärntner Landeshauptmann, der kurzerhand zwei ganze Familien aus der Landesbetreuung entlassen hat, weil angeblich je ein Sohn in eine Schlägerei verwickelt gewesen war. Nun erscheint mir die Beteiligung von halbwüchsigen Tschetschenen an einer Schlägerei nicht ganz unplausibel, dennoch könnte ich mir in einem Rechtsstaat auch andere Mittel der Wahrheitsfindung vorstellen als mein Bauchgefühl (oder das des Landeshauptmanns). Abgesehen davon liegt im vorliegenden Fall das unschöne Wort "Sippenhaftung" in der Luft.


Jedenfalls dürfen wir den kommenden zwei Monaten mit gespannter Vorfreude entgegensehen. Gewinner wird in jedem Fall der Sport sein.

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