Frühlings-Sonett

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Frühlings-Sonett


Frühlings-Sonett


Liebste mein! Da ich Dir schreibe,

wird die Tinte Honig mir,

wird zur Blüte selber schier

jedes Glied an meinem Leibe.

Und ich weihe freudig Dir

alle Knospen, die ich treibe -

komm, besuche und bestäube

was Dein harrend pranget hier!

Eil, und säume nicht, ob Liebe!

Bald verwelket, gilb und müde

schrumpf ich ohne Dich dahin -

end‘, ach ende dies Betrüben!

Sei Du meinen zarten Trieben

fürsorgliche Gärtnerin!

Angebetete! Wie Dir aufgefallen sein wird, greift die Metaphernsprache meines Gedichtes überhaupt nicht, insbesondere hinsichtlich des Bildes der Bestäubung - bezeichnet doch dieser Vorgang in der Botanik die Übertragung der männlichen Geschlechtsprodukte auf das weibliche Empfängerorgan. Also kann ich mir als Absender dieses Briefes von Dir als Empfängerin im Bezug auf eine Bestäubung höchstens wünschen, dass Du Deinerseits eine solche durch mich wünschst, keineswegs aber, dass Du sie an mir vornimmst.

Außerdem hat die Blüte mit der daraus resultierenden Befruchtung ihren Zweck erfüllt und verwelkt zum ehestmöglichen Zeitpunkt nach deren Eintritt, daher ist diese keineswegs geeignet, jenes aufzuhalten.

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