Fliegenlied
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Fliegenlied
Fliegenlied
Es gibt einen Schmuck, der den Mannhaften ziert,
und der ihn für Staatsämter prädestiniert,
doch kauft man ihn nicht, du erwirbst ihn dir nur,
im männlichen, mutigen Kampf: der Mensur.
Der brennende Schnitt durch das blutende Fleisch
Veredelt dich außen und innen zugleich,
der Schmiss schafft dir Einlaß zum ehrsamsten Klub,
und gibt der Karriere den nötigen Schub.
Chor: Schmissfliegen, Schmissfliegen braucht unser Land!
Schmissfliegen haben die Oberhand!
Schmissfliegen haben jetzt Hochsaison.
Schmissfliegenschwärme bestimmen den Ton!
Sie steigen empor aus dem feuchtwarmen Dampf,
erklären dem artfremden Volkstum den Kampf,
mit heiligem Eifer und heiligem Eid,
gedenkend der großen, vergangenen Zeit.
Sie singen den Einklang von Ehre und Treu,
bewerten den Holocaust vollkommen neu.
sie brummen und summen vergnügt auf den Buden
vom Spaß mit den sechs Millionen Juden.
Chor: Schmissfliegen steigen schon schwarmweise auf,
sitzen auf Ämtern und Unis zuhauf.
Schmissfliegen müssen sich fleißig vermehren,
soll ihnen das Parlament gehören.
Zwar liebt sie nicht jeder, der für sie votiert,
man zeigt, dass man wenig Begeistertung spürt –
doch beugt man sich halt dem gepflogenen Brauche -
und sei es ein Bad in der dampfenden Jauche.
Die Fliegen, sie summen vergnügter denn je –
Doch sein wir uns ehrlich – wem tut das denn weh?
Man übt Toleranz, und ruft wer: „Sieg Heil!“
besucht man die Messe und denkt sich sein Teil.
Chor: Schmissfliegen, sind sie auch etwas vulgär,
nützen der inneren Sicherheit sehr:
Schmissfliegen schützen mit volkstreuem Fleiß
vor rotem Gesindel und grünem Geschmeiß.
Christoph Krall
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