Feiern im Triebwagen
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Feiern im Triebwagen
Alle haben wir tierische Anteile in uns. Manche meinen, dass die auch besser dort bleiben - nämlich in uns. Speziell wenn wir uns unter Menschen begeben.
Mit gutem Beispiel gehen die Wiener Linien voran, die mir wirklich einen sehr lieben und teuren Trieb untersagen: den Nahrungstrieb.
Konkret soll ich auf mein Leberkässemmerl verzichten, wenn ich in der Straßenbahn sitze. Was mir doppelt leid tut. Weil ich nicht nur selbst nix essen darf, sondern obendrein auch auf den Duft des Leberkäses aus der Hand des Mitfahrenden verzichten muss.
Auch Pommes, Pizza oder Maroni darf ich in der Bim nicht mehr inhalieren. Und grad Maroni: Bitteschön, die sind ja ein Paradebeispiel für den wunderbaren Geruch, den sie verbreiten, weil schmecken tun sie oft eh nach nix.
Bitte streicht mir in den Öffis die Waschmittel, Parfums und Achselhöhlen! Aber lasst mir doch die kulinarischen Essenzen!
Am meisten leide ich unter dem Entzug von Grammel-Schmalzbrot mit Zwiebel, weil es mir mein Doktor verboten hat. Wenn mir irgendein Leser einen Hinweis geben kann, wo ich günstig zu diesen speziellen Gerüchen kommen kann … ich tät die Fahrt mit den Wiener Linien als Vorspiel sehen und weite Wege in Kauf nehmen.
Bei anderen Trieben waren die Betreiber des fahrenden Etablissements ja nicht so rigide. Kürzlich durfte ein menschliches Pärchen in der U-Bahn aufeinander und ineinander herumhoppeln und sich so dem öffentlichen Verkehr widmen: Im Triebwagen der U-Sex.
Das wird Konsequenzen haben:
Ich hoffe auf Toleranz, wenn ich demnächst mein Schatzkästchen in der U-Bahn öffne, mein bestes Stück heraushole und meinem Trieb nachkomme. Es wird kein Schmalzbrot sein. Aber so ein Leberkässemmerl mit Pfefferoni und Senf werde ich mir reinziehen. Dabei lasse ich mich auch gern von der johlenden Menge mit einem Handy abfilmen. Sie können das dann auch gern ruhig auf die dazupassende Website stellen: von youtube bis wikileaks steh ich zu jeder Veröffentlichung!
Und keine Angst, die dabei austretenden Säfte werde ich mit einem Taschentuch selbst wegwischen.
Mit dieser Vision lasse ich auch alle meine Leserinnen und Leser ins neue Jahr gleiten – und melde mich nach der Weihnachtspause wieder im Jänner!
Frohes Fest und Guten Rutsch!
Eure
Frau Amalie Kratochwill
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