Empört euch!

200kratochwillswelt.jpg

Empört euch!

Ein 93-jähriger Kollege aus Frankreich regt sich auf. Stephane Hessel fordert in einem Buch, dass wir uns engagieren sollen, wenn uns etwas empört.

Es ist eigentlich erstaunlich, dass eine derartige Aufforderung nicht aus Österreich kommt. Genauer gesagt aus Wien. Weil wenn sich wer oft und immer wieder empört, dann sind das wir Wienerinnen und Wiener. Aber vielleicht entfacht das Buch ja wieder unsere Leidenschaft und bringt uns zu neuen Höchstleistungen: revoltieren statt raunzen!

Was mich empört?
Na zum Beispiel die Bundesheerdebatte! Verlogen!!!
Das Bundesheer muss bitte bleiben! Um jeden Preis!
Ich steh da 100prozentig hinter dem Bundespräsidenten!
Die Wehrpflicht ist notwendig!
Ich verlange, dass weiterhin alle jungen Männer einberufen werden!

Und dann muss man sie ordentlich schulen: Betten machen, Kleidung und Menschen waschen! Vor allem ältere Menschen, vorsichtig und liebevoll reinigen, jawoll! Dann mit ihnen plaudern, den Tee blasen, bis er nicht mehr heiß ist und Karten spielen, jawoll! Wir brauchen weiterhin alle jungen Männer für uns ältere Damen! Am Samstagabend wird getanzt, langsam, mit Gefühl, aber bestimmt! Wo sonst, wenn nicht im Bundesheer mit Zwangsverpflichtung soll die Jugend das lernen?

Ja, und die Sache mit den Panzern, Gewehren und dreckigen Stiefeln: Das kostet nur Geld und macht die Wohnung schmutzig, also bitte weglassen. In der Zeit, wo jetzt nicht mehr geschossen wird, könnte eine Massage-Ausbildung Sinn machen.

Wenn schon Reform, dann: Die Uniformen könnten ein bisserl freundlicher ausschauen. Pailletten mit Quasten. Und Glockerln. Damit man immer weiß, in welchem Raum sich der junge Mann gerade aufhält.

So, jetzt geht’s mir besser.

Hat gut getan, so eine gesunde Empörung.

Wer hat noch nicht, wer will noch mal?

Ich stelle den Raum unterhalb der Kolumne zur Verfügung.
Schreiben Sie sich ihre Empörung von der Seele.
Und dann machen Sie sich einen heißen Kakao und gehen bald unter die Decke.
Weil auf der Straße will ich keine Empörung haben.
Die Simmeringer Hauptstraße darf nicht der Tahrir Platz werden!

Also:
Schlafen Sie gut! Lang! Und weiter!
Ihre
Frau Amalie Kratochwill
 

Um den Kabarett.at Newsletter zu erhalten, müssen Sie als User registriert sein. Klicken Sie hier, um sich einzuloggen.