EM-reif
Künstler
EM-reif
Dienstag, 12.2.2008, 11:10 Uhr Anfang
Hoppala, da dachte meinereiner doch glatt, er hätte noch eine Woche Zeit bis zur nächsten Kolumne!
Irren ist hopfisch.
11:11 Uhr
Komisch, auch ich hatte das Gefühl! Mir fehlt eine Woche! Wo isn die hin?
11:12 Uhr
Egal. Diesmal darf ich Ihnen als Augenzeuge von einem wahrhaft epochalen Ereignis österr. Organisationskunst berichten. Und zwar, endlich spring ich auf den Euro 08 Zug auf, in Bezug auf bevorstehendes Fußballgroßereignis.
Es begab sich folgendermaßen:
Mittwoch im Kabarett Niedermair gespielt, geplanter Treffpunkt 17.30 Uhr.
Mein Weg führt über die Süd-Ost Tangente, die aber wegen des täglichen Unfalls just zu dieser Zeit gesperrt war. Ausweichroute: Wagramerstrasse, Reichsbrücke, Praterstern, Ring.
Soweit so gut
kam sogar recht flott bis knapp nach der Reichsbrücke
dann 1,5 Stunden nix mehr.
11:16 Uhr
Waren wir eine Woche im Koma? Oder von Außerirdischen entführt? Sehr mysteriös.
Ich muss das nachforschen
wo is die Woche hingekommen.
11:17 Uhr
Ja, forsch du nur, dann störst wenigstens nicht.
Also
. wo war ich? Ahja kurz nach der Reichsbrücke.. Stau
weil warum?
Ländermatch! Aber warum staut es gut 3 Stunden vor Anpfiff? Das war doch noch nie. Früher, noch als Stadionbesucher, bin ich oft, auch bei ausverkauften Spielen, is also gut 20 Jahre her, mit dem Auto ins Stadion. Gab nie große Probleme
Diesmal?
Chaos.
Zuerst dachte ich an einen kapitalen Unfall
z.B. Meteoriteneinschlag am Praterstern, Vulkanausbruch Vorgartenstrasse etc.
Meine schlimmsten Befürchtungen wurden aber übertroffen.
Die Wiener Polizei probierte ihr "Verkehrskonzept" aus.
Man sperre sämtliche Zufahrten ab und schaut dann, was passiert!
Oder: man stellt 3 Einsatzfahrzeuge mitten am Praterstern ab, sämtliche Fußgänger denken
super Fußgängerzone
und wundert sich, das man die nimmer von der Fahrbahn runter bringt.
11:24 Uhr
Ich hab mir grad die Handygesprächsliste der besagten Woche angeschaut
. wir haben telefoniert, auch Emails haben wir empfangen und gelesen
Nur die Zeit is weg
. es wird immer gespenstischer!
11:25 Uhr
Such weiter!
Als ich dann nah genug am Geschehen war, um sozusagen aus der Pole Position unsere Polizei beim verkehrskonzepten zu beobachten, ehrlich, ich hätte Eintritt dafür bezahlt.
Wild wird durch die Gegend gefunkt, Achseln gezuckt, das ganze Treiben fassungslos beobachtet und auf ein Wunder gehofft.
Also bitte, wer hätte gedacht, nur weil man den Praterstern absperrt, dass gleich ein Chaos losbricht.
Die Idee war Blockabfertigung. Liebe Idee.
Aber zuerst muss sich ein Block bilden (sprich Straßensperre).
Nun hofft man, dass sich 90% denken
scheiß drauf, ich dreh um und schau mirs im Fernsehen an oder nehm die U Bahn.
So die geniale Idee. Aber da is der Casus Knackus, man kann das Auto schwer mitten auf der Vorgartenstrasse parken, oder in eine ebenso rettungslos verstopfte Seitengasse beamen.
Wie sollte man das bei der Wiener Polizei wissen. Da redet dieser Zeilinger dauernd vom Beamen
und dann geht's nicht.
Also muss sich der Stau von alleine auflösen.
Das taten die geschulten Wiener dann auch: Sie ließen Polizei Polizei sein, rote Ampel rote Ampel und fuhren der kreuz und der quer.
11:42 Uhr
Wie lange sind wir dort dann im Stau gesteckt? Länger als eine Woche
das würd nämlich alles aufklären!
11:43 Uhr
Möglich!
Am nächsten Tag im Radio sprach man von geglückter Generalprobe! Prost Mahlzeit!
Bei der EM wird wohl folgendes geniale Konzept zum Einsatz:
Alle Zufahrtsstrassen zum Stadion sind wegen dringender Belagsarbeiten nur einspurrig befahrbar.
Busse werden über die Naglergasse Richtung Stadion geführt, um auch die Innere Stadt am Stau mitpartizipieren zu lassen.
Die Wiener Verkehrspolizei sorgt, falls irgendwo der Verkehr zu flüssig ist, durch gezielte Straßensperren für Regulierung.
Auf der Tagente wird das Campingverbot aufgehoben.
Die revolutionäre Idee, sämtliche Beschilderungen in zyrilischer Schrift anzubringen, erweist sich überraschend als Schuss in den Offen.
Wien erklärt sich zur Sperrzone und sämtliche Matches werden in St Pölten gespielt.
2012 können die letzten Schlachtenbummler Wien wieder verlassen.
Ich behaupte, im Ausland die nächsten 50 Jahre Deutscher zu sein, is weniger peinlich.
Die Wiener Polizei spricht von einem tollen Erfolg, bei dem man viel für die Zukunft gelernt hat.
11:58 Uhr
Naja, ich gebs auf, ich find die Woche nimmer. Das is ja der Jammer an der Vergangenheit, sie is weg, man findet sie nimmer. Wie soll man beweisen, dass sie wirklich da war.
Kommt irgendwer, behauptet sie war da
was bleibt dir?
Kannst nur behaupten: war eine erfolgreiche Woche und ich habe sehr viel für die Zukunft gelernt.
12:00 Uhr
Na ja
nennen wir es Leben nach dem Wiener Verkehrskonzept
eine österr. Lösung.
Ende
Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um Kommentare posten zu können.


