Elfmeter ohne Tormann

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Künstler

Elfmeter ohne Tormann

Mittwoch 22.4.2009; 08:46 Uhr - Anfang

Grüß Sie!
Die Sonne lacht, mein Herz ist rein und überhaupt!
Natürlich ist die Welt, nur weil vorm Fenster Frühling ist, um nichts besser geworden, aber zweifellos erscheint sie uns erträglicher. Subjektive Wahrnehmung sozusagen. Hand aufs Herz, mir genügt das. Versuche, die Welt objektiv wahrzunehmen, scheiterten stets an mir als Subjekt. Egal.
Nun, da es für mich derzeit keine greifbare „da geht mir das Geimpfte auf“ Objekte gibt, plaudern wir heut ein wenig aus dem Nähkästchen eines Kabarettisten.

08:53 Uhr
Ähhhh … morgen zusammen …
Ich bin sauer … denen schreib ich ein E-Mail, da glüht die Breitbandleitung …

08:55 Uhr
Äh, ja sicher innere Stimme, … tu nur, aber stör mich nicht weiter …
Ich lasse Sie heute ein wenig hinter die Kulissen des Komikers blicken und bespreche ein Wässerchen, mit dem viele von uns kochen.
Wässerchen ist der falsche Ausdruck, nein es ist viel mehr ein Ozean an Volksdeppen.
Reden ist Silber, Schreiben ist Gold, also zähl ich wahllos ein paar dankbare Opfer auf, die ohne viel zu tun schon für Lacher sorgen.
Lebende Pointen sozusagen.
Hansi Hinterseer, DJ Ötzi, Fiona und Karl Heinz, Jeannien Schiller, Richard Lugner, neuerdings auch sein Sohn, Toni Polster, „der Fünfer“ Meinl ( copyright Lukas Resetarits) … wenn ich die Liste beliebig lange weiterführe, hab ich die Kolumne fertig ohne einen Gedanken verbraucht zu haben.

Und genau das ist das Praktische, aber auch Billige an diesen Lachlieferanten.
Sie bürgen für Lacher, hinter denen nicht unbedingt ein Gedanke zu stehen braucht.
„name-dropping“ sagt man glaub ich dazu.

09:03 Uhr
Hallo, ich bin Abonnent, seit Jahren. Da nennt sich so etwas Qualitätszeitung und nun wird seit Wochen dahinonaniert … was soll denn das?

09:05 Uhr
Schnauze, innere Stimme. Kannst du bitte einmal etwas zum Thema sagen und nicht andauernd dein eigenes Süppchen in der Kolumne kochen.
Zurück zu den Volksdeppen:
Wie qualifiziert sich jemand als Objektträger einer Pointe?
1.) Er oder sie sollte prominent sein.
2.) Besagte Person muss entweder saudeppert oder extrem unsympathisch sein (beides zusammen, liebe Fiona, schadet auch nicht)
3.) Berichte in TV oder Tageszeitungen sollten das Maß der Übersättigung bereits überschritten haben.
4.) Wenn noch keiner dieser Punkten zutrifft, genügt es auch noch, wenn das Opfer Politiker oder Fußballer ist.

Im Idealfall ist es eine Person, die durch Wort ,Tat oder nur ihr Aussehen dem geneigten Publikum seit längerem kräftig am Arsch geht.

09:19 Uhr
JAWOLL! Am Arsch geht mir das!
Werter Leser, seit Jahren, aber was heißt seit Jahren, seit Jahrzehnten lese ich jeden Morgen den Kurier.
Sogar in Tirol!
Wissen Sie, was es bedeutet, in Tirol einen Kurier bekommen zu wollen? Weiß das irgendeiner beim Kurier, was ich für eine treue Seele bin, ha?
Sie, Herr Tartarotti, den ich wirklich sehr schätze, warum schreiben Sie nichts über den Wahnsinn der seit Wochen mein morgendliches Ritual zum Ärgernis macht? WARUM SAGT DA KEINER WAS?

09:23 Uhr
Pssst, innere Stimme, du bekommst noch einen Herzinfarkt.
Lass mich schnell meine ohnedies spärlichen Gedanken zum heutigen Thema zu Ende bringen, danach widmen wir uns deiner Sache.

09:25 Uhr
Okay, aber schnell, sonst dreh ich durch.

09:26 Uhr
Alsdann, was ist der Grund, dass das Phänomen des „ name-droppings“ so blendet funktioniert.
Ganz einfach: Sie und ich brauchen ein Ventil.
Die Personen nerven derartig, dass man verrückt werden könnte, es sei denn, man pinkelt ihnen ganz lieb und zart ans Bein. Nun hat der soeben Anurinierte zwei Möglichkeiten: er lacht auch, was meist etwas gequält wirkt oder er regt sich auf, vielleicht sogar gerichtlich. Mit dieser Aktion pinkelt er sich dann meist nochmals selbst an.
Aber wir, die Opfer dieser Medienmonster, können für einen kurzen Augenblick zu Tätern werden, also den Spieß umdrehen.
Auf lange Sicht sitzen die Depperten aber am längeren Ast, weil unter uns, glauben Sie dem Meinl-Schweindl? Kümmert es, dass er zum Lachobjekt wurde? Wahrscheinlich schlägt der noch Profit daraus.
Und bei der Schiller bin ich sowieso der Meinung, ihre einzige mediale Daseinsberechtigung ist es, für billige Lacher zu sorgen. Danke an dieser Stelle.
Nun zu dir, innere Stimme:

09:35 Uhr
Dieser ganze „Romy-Wahnsinn“, der seit Wochen im Kurier aufgeführt wird, der macht mich wahnsinnig.
Da erfindet dieser Rudi John einen Event … okay warum nicht. Aber nun stilisiert er ihn mittels meiner Nerven zur Oskar-Gala mal zehn.
Interessiert es mich, wer vor 10 Jahren bei der ROMY mit wem ein Glas Sekt getrunken hat?
Will ich ein zig Jahre altes Foto von Adriana Zartl im transparenten Kleid in einer „Qualitätszeitung“ sehen. Nein, WILL ICH NICHT, und schon gar nicht wochenlang.
So wie früher, 2-3 Tage vorher ein bisserl einen Rummel vor der eigentlichen Gala machen, meinetwegen. Was da aber heuer aufgeführt wird, das geht auf keine Kuhhaut.
Dagegen war die Krone-Faymann-Kampagne ein lauer Lercherlschaß.
BITTE AUFHÖREN!
ES REICHT!

09:41 Uhr
Und wie geht’s dir jetzt?

09:42 Uhr
BESSER

09:43 Uhr
Ich sag ja, Ventil, auch wenn die Romy Gala nicht unbedingt alle nerven wird, ein paar wenige sind schon dabei, unter der geneigten Leserschaft. Jetzt hast du öffentlich gemacht, dass es da wen gibt, dem das ganze auch am Arsch geht!

09:44 Uhr
Und was bringt’s?

09:45 Uhr
Ja bringen tut das Ganze rein gar nix, ist reine Psychohygiene!

Ende
 

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