Die vier, die auszogen, der Welt das Lachen zu lehren
Künstler
Die vier, die auszogen, der Welt das Lachen zu lehren
Die vier, die auszogen, der Welt das Lachen zu lehren
WalterSeidl, Helfried und Klaus Eckel reisten zur Internationalen Kulturbörse Freiburg
Von 23. bis 26. Jänner 2006 fand zum mittlerweile 18. mal die Internationale Kulturbörse in Freiburg statt. Sie ist im deutschsprachigen Raum das zentrale Informations- und Kommunikationsforum für alles, was mit Kabarett & Kleinkunst, Varieté, Theater, Musik, Galas, Events, Performances und anderen Angeboten der Veranstaltungsbranche zu tun hat.
Mit dabei waren heuer auch Kabarett-Frischlinge aus Österreich und stellten ihr Können im Rahmen eines Kurzauftritts auf der Bühne eines extra für die Kulturbörse errichteten Theatersaals auf die Probe:
WalterSeidl
Die beiden herausragenden Typendarsteller und Komödianten Gerhard Walter und Gery Seidl entstammen ebenso wie Alfred Dorfer und Roland Düringer der Schauspielschule Herwig Seeböck.
Kommunikationswissenschaftler trifft Bauleiter.
Die beiden Theater-Kabarettisten haben es geschafft, ihr preisgekröntes erstes Programm "Warum Richard III.?" - ausgezeichnet mit dem "Grazer Kleinkunstvogel", "Kärntner Kleinkunstdrachen", "Münchner Kabarettkaktus" - mit einem noch besseren zweiten Programm "Taxameta rennt" - ausgezeichnet mit dem "Österreichischen Kabarettförderpreis 2005" - zu toppen.
Das schräge Kabarett-Duo besticht durch eine temporeich inszenierte Symbiose von kunstvoll verwobener Story, Skurrilität und bester Schauspielqualität. Zudem schreiben und inszenieren die beiden selbst. Mit großer Spielfreude werden Alltagssituationen völlig überraschend und neurotisch dargestellt. Die Synergien des kongenialen Duos, sein Potential und Talent garantiert Ihnen einen humorvollen Theater-Kabarett-Abend.
Helfried
Christian Hölbling lässt seine skurrile Kunstfigur "Helfried" diesmal in den Hafen der Ehe segeln. Wer Helfried kennt, ahnt schon, dass dabei äußerste Genauigkeit und größtmögliche Sparsamkeit gefragt sind. Die Hochzeitsvorbereitungen werden minutiös geplant, nichts wird dem Zufall überlassen. Tante Hedwig hat bereits den Tischschmuck bestimmt und die Speisenfolge diktiert. Das Brautkleid ist besorgt, der Herr Ing. Magenschab ist praktischerweise nicht nur Trauzeuge, sondern auch musikalischer Leiter, und der senile ungarische Monsignore wird die Trauung hoffentlich noch lebend vollziehen können.
Alles wäre perfekt - gäbe es da nicht noch ein kleines Problem...
...ein clowneskes Programm über die hindernisreiche Suche nach der Liebe, mit einer Figur, deren Komik und Tragik sehr eng beieinander liegen.
Klaus Eckel
Happy Shopping Feeling - Megafunkredit - Komplettes Power Yoga - Peeling mit Intensivfeeling - Totales Aktivrelaxen - Ultra Atmungsaktiv - Spitzen Cyber Sex - Totales Powersushi - Intensivquicky - Weil ich es mir wert bin - Biggest Faster Food - Meganew Gigapearls - Totales Wellness Work out - Raunz nicht, kauf - Supersensitiver Presslufthammer - SCHÖNE NEUE WELT!
Zusammenfassend kann man sagen: In Schlaraffenland geht es um den ganz schnellen Durchbruch, noch schöner Wohnen und Digitalkameras mit 9 Millionen Megapixel.
Im Interview
Im Anschluss an die Messe nahmen wir die Gelegenheit war und stellten den Jung-Kabarettisten Fragen rund um die in Freiburg gemachten Erfahrungen und Eindrücke.
Welche Unterschiede bestehen zwischen einem rein österreichischen und einem internationalen Publikum?
WalterSeidl: Die Staatsangehörigkeit. Das internationale Publikum versteht uns nicht.
Helfried: Dass man in Deutschland und der Schweiz natürlich die österreich-spezifischen Andeutungen und auch den Dialekt großteils nicht versteht. Was die Resonanz betrifft, kann ich das nicht nach Nationalität unterscheiden. Immerhin ist ein Tiroler Publikum ja auch anders als ein Wiener Publikum. Pauschalurteile wie "die Deutschen haben einen brachialeren Humor" oder "die Schweizer sind distanziert" kann ich so nicht bestätigen. Im Gegenteil: Der Feinsinn und die Begeisterung waren meines Erachtens im Ausland oft größer als in Österreich.
Klaus Eckel: Also man überlegt sich kurz vor dem Auftritt ob man sich sprachlich anpassen soll oder mit Untertitel spielt. Schließlich und endlich verzichtet man auf beides.
Inwieweit kann ein Kabarettprogramm in andere Sprachen oder Kulturräume adaptiert werden?
WalterSeidl: Komplett überall hin. Nur Hauch und Schnalzlaute sind für uns teilweise sehr schwer erlernbar.
Helfried: In meinem Fall sehr gut, weil ich nicht Dialekt spreche und es inhaltlich so gut wie keine Passagen gibt, die man nur in Österreich versteht. Ich kann allerdings nur vom deutschen Sprachraum reden. Darüber hinaus habe ich keine Erfahrungen.
Klaus Eckel: Das hängt von den Themen ab. Eine 2 stündige Parodie auf Jeannine Schiller ist im Ruhrgebiet sicher kein Bombenerfolg. Aber ansonsten kann man sagen es ändern sich nur die Wolken, nicht die Probleme.
Wie groß ist das internationale Interesse am sogenannten "österreichischen Schmäh"?
WalterSeidl: Da würden wir um Zuschriften von außen ersuchen.
Helfried: Außerhalb des deutschen Sprachraumes gering, weil man dort damit nichts verbindet. Es gibt ja bis auf Hans Moser keinen österreichischen Komiker, der synchronisiert wurde. In Deutschland und der Schweiz erwartet man von Österreichern das Makabre, Morbide, Zynische in der Tradition von Kreisler, Bronner, Qualtinger. Meiner Ansicht nach ist diese österreichische Tradition in Literatur und Kabarett tatsächlich das, was uns vom deutschen Comedy-Brei unterscheidet.
Klaus Eckel: Nach den Tagen in Freiburg wage ich zu behaupten, dass wir als Österreicher eine willkommene Abwechslung bieten und uns durchaus auch Auftrittsmöglichkeiten geboten werden. Außerdem haben wir den Exotenbonus.
Inwiefern spielt die multimediale Präsenz des Künstlers eine Rolle am internationalen Markt? Welche Trends konntest du beobachten?
WalterSeidl: Umso mehr desto ...
Helfried: Selbstverständlich wäre es für mich als Bühnenkünstler schwer, wenn ich in den letzten fünf Jahren nicht in etwa 30 TV-Sendungen in Deutschland und der Schweiz zu Gast gewesen wäre. Live-Auftritte alleine sind natürlich eine Ochsentour. Bis sich das in einem Riesenland wie Deutschland rumspricht, müsste man jahrelang tingeln. Da reicht auch der Ösi-Bonus nicht. Dennoch ist es natürlich auch im unüberschaubaren Fernsehangebot wichtig, sich von der Durchschnittsware abzuheben. Fernseh-Präsenz allein ist auch noch keine Erfolgsstrategie. Aber Sendungen wie Quatsch-Comedy-Club und TV-Total haben mir schon was gebracht - auch in Österreich.
Klaus Eckel: Die Kleinkunst ist sehr schnelllebig geworden. Es wird nicht von vielen Veranstaltern langfristig auf einzelne Künstler gesetzt. Man darf ihnen das aber auch nicht übel nehmen - wir sind einfach zu viele. Wären wir an der Börse gebe es schon längst einen Crash.
Welche der anderen Darbietungen hat dich besonders beeindruckt? Gab es für dich herausragende Glanzleitungen am internationalen Kabarettnachwuchs-Sektor?
WalterSeidl: Ich persönlich fand Fred Weg sehr gut, der jedoch leider nicht auftrat.
Helfried: Das Wort Kabarett ist hier verfehlt. Es handelt sich um eine Kleinkunstbörse mit vielfältigen Darbietungen, übrigens nicht nur im Nachwuchsbereich. In Freiburg präsentieren Leute, die teilweise schon jahrelang im Geschäft sind, einfach ihre neuen Programme. Viele von ihnen kenne ich von gemeinsamen Auftritten auf Festivals, im Fernsehen etc. Ich habe leider kaum etwas gesehen. Vom Wenigen hat mir die rotzfreche Chansonette Martina Brandl aus Berlin extrem gut gefallen. Die würden sie allerdings in Österreich mit dem nassen Fetzen davonjagen.
Klaus Eckel: Also dieses Jahr in Freiburg waren meine persönlichen internationalen Highlights: Peter Shub und Martina Schwarzmann.
Ein kurzes Resümee - Welche wertvollen Erfahrungen kannst du für dich persönlich von dieser Großveranstaltung mit nach Hause nehmen?
WalterSeidl: Das Leben ist schön. Es lebe die Kunst.
Helfried: Dies war mein zweiter Freiburg-Auftritt. Daher bin ich jetzt schon wesentlich abgeklärter als vor fünf Jahren. Ich kenne die Szene mittlerweile ganz gut und freue mich über persönliche Begegnungen dort. Die Erfahrung, die ich diesmal wieder bestätigt habe, ist, dass die Deutschen den Kleinkunstbereich wesentlich nüchterner als Geschäft betrachten als wir. Darüber lässt sich streiten, aber letztendlich will ja in Wahrheit auch jeder ein Geschäft machen - Kunst hin oder her.
Klaus Eckel: Freude, weil es für mich gut funktioniert hat. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist, dass man dort beobachten kann, dass in der Kleinkunst auch immer mehr marktwirtschaftliche Mechanismen angewendet werden. Bewähren wir uns als Künstler und bekommen wir Auftritte, kritisieren wir dann diese Mechanismen wieder von der Bühne aus. Eigentlich absurd.
Wie gefällt dir Freiburg?
Helfried: Eine schöne, lebendige, alternative Stadt mit Ähnlichkeiten zu Graz und einer sehr attraktiven Lage.
Klaus Eckel: Freiburg ist ein Hit. Unglaublich. Wenn jemand Tipps braucht - gerne - ich kenne das komplette Nachtleben.
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