Das Lied der Freundschaft

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Das Lied der Freundschaft

Der Mensch hat nichts so eigen,
So wohl steht ihm nichts an,
Als daß er Treu erzeigen
Und Freundschaft üben kann.

Wie schön, dass die Volkspartei dieses schöne Lied, trotz des belasteten Titels „Freundschaft“, verinnerlicht hat. Wen ÖVP-Funktionäre einmal ins Herz (oder was immer sie an dieser Stelle haben mögen) geschlossen haben, dem halten sie die Treue, Auch wenn sich der Wind dreht.

2006 etwa hat Wolfgang Schüssel seinem Wahlkampf durch die Einladung George Bushs ein wenig Glanz verliehen. Es ist nicht leicht, einen Wahlkampf so zu führen, dass George Bush als Glanzlicht in Erinnerung bleibt, aber wer kann, der kann. Auch die liebevolle Umsicht, welche den hohen Gast auf dem Weg zu den Sängerknaben vor Unmutsäußerungen des Mobs abschirmte, war eine logistische Meisterleistung, für die wir die temporäre Unbewohnbarkeit der Stadt gerne in Kauf nahmen. So bleibt es also ein Rätsel, wieso Wählerin und Wähler im Herbst dem Gastgeber nicht mit einem herzlichen „Da capo!“ dankten.

Inzwischen hat nicht nur dieser neue spannende Aufgaben in der Europapolitik gefunden, auch der Gast hat sein Amt einem Nachfolger nachgetreten, für dessen Anpöbelung wir in Österreich nicht einmal den Mob von der Straße brauchen. Zur Not tun es auch unsere Landeshauptleute. (Kleiner Tip für die Hofburg-Küche: beim Begrüßungsbankett keine Mousse au chocholat servieren! Sie könnte die Tafelrunde zu schlagzeilentauglichen Wortspielen inspirieren! Aus dem gleichen Grund empfiehlt es sich, in den Obstkörben die Banene wegzulassen.) Dennoch, die Volkspartei weiß, was sie ihren Verbündeten schuldig ist. Bloß, weil Mr. Bush nicht mehr länger Präsident ist, hilft man noch lange nicht seinem Nachfolger beim Aufräumen.

Konsequenterweise wurde diesem auf die Frage nach der prinzipiellen Bereitschaft, Häftlinge aus Guantanamo aufzunehmen, beschieden, solches sei in Österreich rein juristisch gar nicht möglich. Die Einwände eines renommierten Staatsrechtlers, juristisch spräche überhaupt nichts gegen eine solche Aufnahme, quittierte der Außenminister prompt mit der Feststellung, dass diverse Expertenmeinungen entbehrlich seien.

Nun kann man Österreichs Außenpolitik wohl nicht treffender subsummieren als mit der Feststellung, dass Experten dafür entbehrlich sind, dennoch vergibt sich Österreich mit seiner Weigerung wichtige Chancen. Gerade jetzt, wo das Demokratieverständnis der Islam-Lehrer an unseren Schulen Gegenstand allegemeinen Interesses ist, wäre es doch interessant, einmal die Meinung von Islamexperten zum Musterland der Demokratie, das ihnen sieben Jahre lang Kost, Logis, individuelle Betreuung und orange Overalls bereitgestellt hat, zu hören. Auch der Dialog zwischen Islam und katholischer Kirche würde durch die Exhäftlinge neue Impulse erfahren. Ich könnte mir denken, dass sich schöne Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Rolle der Frau, der Bewertung gleichgeschlechtlicher Beziehungen und der Harry-Potter Interpretation ergeben würden.

Und sonst würde sich in der Jugendarbeit sicher eine Verwendung für die Freigelassenen finden. Was ist eigentlich aus der ÖVP-Idee von den Umerziehungslagern für straffällige Jugendliche geworden? Wo, wenn nicht hier, könnten diese Menschen ihre Erfahrungen sinnvoll einsetzen? Wann kriegen wir Experten diesen Ranges je wieder so billig?

Und wenn die Staaten im Gegenzug die Zogajs übernehmen, dann hätte sicher nicht einmal die Kronen-Zeitung was dagegen.

Mit solchen Bundsgesellen
Verlach ich Pein und Not,
Geh auf den Grund der Höllen
Und breche durch den Tod!

Simon Dach/Christoph Krall
 

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