Basteln
Künstler
Basteln
Im Advent gehe ich ein wenig in mich. Das ist praktisch. Da kann man zu Hause bleiben, muss nicht in die Kälte raus und kosten tut’s auch nix.
Zum Beispiel bastle ich mir einen Adventkranz. Dazu gehe ich nicht auf den nächsten Weihnachtsmarkt und stöbere in den Buden nach den kleinen Schätzen, die ich in meinen individuellen Kranz mit einfließen lasse. Nein, ich schau nach, was in der Küche alles herumliegt und was davon noch verwendet werden kann.
Als Eckpfeiler nehme ich vier leere Dosen her, die dann als Kerzenhalter dienen werden. Wie ich die Inzersdorfer Gebinde in Position bringe, denke ich nach, welche Eckpfeiler mein Leben ausmachen. Wodurch ich getragen werde, was mich stützt. Ich schau auf meinen Schirm, den ich als Stock verwende… Und auf den Fernseher, der mir die Welt ins Haus bringt… Auch auf die Postkarte von Peter & Teutscher, mit denen ich immer wieder in die Welt hinaus muss…
Alte Zeitungen drehe ich rund um Äste aus dem Park. Das sind die Brücken, die die Masse ausmachen. Gehaltvoll winden sie sich im Advent-Kreis. Was ist die Substanz, die mein Leben ausmacht…? Aus der Brotdose schaut mir ein Scherzerl entgegen. Und ich freu mich darauf, es mir zu Mittag schmecken zu lassen. Ich kauf am Montag das Brot, im Plastiksackerl, ein Kilo.
Ich schau aber immer drauf, dass ich noch ein altes Brot über hab. Weil das Frische ess ich nicht. Es tät mir schmecken. Was ja das Problem ist. Weil so ein duftendes Stück Brot aus dem Backrohr, weiche Fülle, knusprige Rinde… Wenn man damit einmal anfängt, hört man erst auf, wenn es zu spät ist. Außer Kontrolle könnte ich geraten, wenn ich bei so einem Gusto-Stückerl zugreifen tät.
Die Konsequenz daraus lautet Konsequenz: Es gibt nur altes Brot zum Essen. Da ess ich genau so viel, dass ich satt werde, gesund bleibe und Brot essen nicht zum unleistbaren Luxus wird.
Zurück zum Adventkranz: Als Schmuck bieten sich die Verschlusszwickerln an, die das Fleckerl-Sackerl zuhalten. Also wenn man oft Nudeln isst, Schinkenfleckerl zum Beispiel, also ich mach sie ja mit einer Kranzl-Extra statt mit Schinken, aber als Schinkenfleckerl kennt man sie halt… dann bleiben einem jede Menge Verschlüsse über – so goldene Plastikstreiferl, die das Salz in der Suppe sind, also den Kranz zu etwas Besonderem machen. Wie ich die Streiferl ins Papier reindrück, überlege ich, was mein Leben schmückt, besonders macht. Mein Blick bleibt auf dem Bleistiftstummel in meiner Hand hängen. Die Leserinnen und Leser meiner Kolumne kommen mir in den Sinn, die ihre Zeit meinen Gedanken spenden… Ja, ihr da draußen seids meine goldenen Klammern!
In diesem Sinne ein adventliches DANKE!
Und tut’s schön Basteln,
Eure
Frau Amalie Kratochwill
Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um Kommentare posten zu können.

