All you can pay

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Kabarettkarten sind zu teuer. 15 Euro für eine One-Man Show im selbstgebastelten Bühnenbild sind ein stolzer Preis, den man im Nachhinein oft lieber in eine Flasche Wein und einen Kuchen für die kranke Großmutter investiert hätte, bei der hätte man’s lustiger gehabt.
Noch dazu ist das Angebot so unübersichtlich, man begegnet hautpsächlich unbekannten Namen, denen blindlings zu vertrauen einem irgendwann einmal die Erinnerung an die bisherigen Versuche verbietet. Und zuverlässige Vorabinformationen gibt es auch nur selten – bedenken wir: da, wo offene Gesellschaften eine interessierte und informierte Kulturberichterstattung haben, da haben wir den „Falter“.
Daher habe ich dem Vorschlag des Theaters am Alsergrund, meine nächsten Vorstellungen als „Zahl, was Du willst“-Abende zu führen, freudig und aus tiefster Überzeugung, ja, mit Tränen der Rührung und des Dankes zugestimmt. (Nicht verschweigen will ich Ihnen übrigens das jünglingshafte Erröten, das meinen fahlen Wangen für einen Augenblick den längstvergangen Zauber aufblühender Mannheit zurückzugeben schien ... vorbei! vorbei.)  Das Prinzip ist schnell erklärt: Die Zuschauer und Zuschauerinnen…na ja, seien wir realistisch: der Zuschauer und die Zuschauerin bestimmen nach der Vorstellung, wieviel ihnen das Geboten wert ist und werfen diesen Betrag in ein Kästchen. Wenn nichts, dann nichts.
So bestechend dieses Konzept nun auch sein mag: ganz ausgereift ist es nicht. Die Öffnung im Kästchen ist nämlich zu eng und lässt nur Scheine und Münzen durch, während Blumen, Teddybären, körpernahe Bekleidungsstücke und Lebensmittel nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums nach wie vor nur direkt auf der Bühne deponiert werden können. Auch erlaubt der Schlitz nur den Einwurf, nicht aber die Entnahme von angemessenen Beträgen. Ich selber habe aber bereits Vorstellungen gesehen -und gegeben!  - nach denen ein wenigstens symbolisches Schmerzensgeld für das Publikum unbedingt gerechtfertigt gewesen wäre. Sollte man nicht anstelle des Kästchens einen Korb aufstellen, der Geldflüsse in beide Richtungen erlaubt? Und wäre es nicht eigentlich anständig, diesen schon vorher mit Zehnern und Zwanzigern zu füllen, damit auch bei allgemeiner Ablehnung alle zu ihrer Entschädigung kommen?
Und einmal abgesehen von der erlittenen Unanehmlichkeit: was ist eigentlich mit den Freiberuflern, die ihre Produktivitität zwei Stunden lang heruntergefahren haben? Wer ersetzt denn denen ihren Verdienstentgang? Sollte man denen nicht kulanterweise – ab einer gewissen Schmerzschwelle – die abgesessene Zeit als Arbeitszeit nachträglich anrechnen? Stellen wir uns etwa einen ausgedienten Museumsdirektor vor, der gerade an einer Studie für 100 000 Euro arbeitet. In den zwei Stunden hätte doch der die Studie locker fertiggestellt!
Es wird also nicht reichen, den Korb mit Scheinen zu füllen, da werden ein paar Blanko-Schecks fällig sein. Vielleicht wird es bald zu einer Frage des Prestiges werden, wessen Besucher die größten Beträge abheben, denn bei dem sitzen ja offensichtlich die Eliten aus Wirtschaft und Finanz!
Andererseits…wenn wir schon bei den Finanzexperten sind…einige von denen wären ja gar nicht so schlecht gefahren, wenn sie eine Zeitlang durch Theaterbesuche davon abgehalten worden wären, ihre Einschätzung der Weltwirtschaft in Börsengeschäfte umzusetzen. Die Immofinanz etwa hat im vergangenen Jahr 2,65 Milliarden Euro verzockt. Das sind immerhin 248 000 Euro pro Stunde, d.h., wenn sich die Belegschaft eine meiner Vorstellungen angeschaut hätte, dann wäre das fast eine halbe Million gewesen, die sie in der Zeit nicht verpulvert hätten.
Wenn sich dann die Anleger darauf einigen könnten, mir von der Ersparnis auch nur ein Drittel ins Körbchen zu legen, das ich dann unter den übrigen Zuschauern gleichmäßig aufteilen würde, dann hätten alle was davon - iine klassische Win-win-win Situation.
Die beiden Vorstellungen sind übrigens am 21. Und 22. Jänner. Ich kann aber nicht versprechen, dass meine Anregungen bis dahin schon alle umgesetzt sein werden.
Christoph Krall
 

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