2gewinnt über den "Stumpfsinn des Lebens"

Als das "traurigste Kabarett aller Zeiten" kündigen die Herren von 2gewinnt ihr neues, zweites Programm an. Nächste Woche führen sie es im Theater am Alsergrund zum ersten Mal auf. Im Interview mit kabarett.at erzählen David und Homajon u. a. über ihr schwieriges künstlerisches Verhältnis

Ursprünglich als Blogger gestartet, haben 2gewinnt im vergangenen Jahr mit ihrer satirischen Performance "Faymann kauft sich eine Badehose" auf den Kleinkunstbühnen des Landes von sich reden gemacht. Ihr Trademark ist ein abgründiger, morbider Humor, zu dem es auch gehört, sich abseits der Bühne als gescheiterte und zerstrittene Existenzen zu inszenieren. Im Gespräch mit dem Duo weiß man nie ganz genau, was ernst gemeint und was "part of the game" ist. Sicher ist allerdings, dass sich 2gewinnt mittlerweile einen fixen Platz in der jungen, aufstrebenden Wiener Szene sichern konnten - auch wenn sie das wohl nie zugeben würden. Aber lesen Sie selbst!

Das letzte Mal haben wir Anfang September letzten Jahres geplaudert. Was hat sich seither bei euch so getan?
Auf dem Programm stand eine kleine Österreich-Tour mit unserem Erstlingswerk "Faymann kauft sich eine Badehose". Dabei wurde keine noch so versiffte oder charmante Kleinstbühne ausgelassen. Überraschenderweise wurden wir überall relativ nett behandelt, was für uns doch neu war. Denn wir kannten bisher nur Ablehnungen oder Verhöhnung. Darüber hinaus haben wir unser zweites Machwerk fertig geschrieben.

...und dieses heißt "Der Stumpfsinn des Lebens" und hat den Untertitel "das traurigste Kabarettprogramm aller Zeiten". Warum? Was dürfen wir erwarten?
Wir möchten keine Erwartungen aufbauen, die wir zwangsläufig aufgrund unserer künstlerischen Unzulänglichkeit brechen müssten. Aber wir können den Inhalt mit den Worten "Freundschaft, Religion, Verrat und Tod" zusammenfassen. Es geht im Grunde um das Scheitern als Mensch und die Frage nach dem (Un-)Sinn des Lebens. Existentielle Themen, die ein großes Werk versprechen könnten. Ein Versprechen, dem wir jedoch nicht nachkommen.
Der Untertitel "Das traurigste Kabarett aller Zeiten" ist zugegebenermaßen etwas reißerisch, fast schon boulevardesk. Den Superlativ-Missbrauch werden wir uns wohl von den Kritikern unterstellen lassen müssen. Zu Recht. Aber interessante Kabarettprogramme behandeln nun einmal grundsätzlich traurige Themen.

Auf der Bühne gebt ihr euch gerne zerstritten, teils sogar verfeindet. Gibt es solche Konflikte auch abseits des Rampenlichts?
Zwischenmenschlich sind wir tatsächlich eine herbe Enttäuschung. Die enge Zusammenarbeit hat dazu geführt, dass wir uns immer mehr entfremdet haben. Privat reden wir kaum miteinander, was bei längeren Autofahrten zu peinlichen Momenten führen kann. Da uns allerdings bewusst ist, dass wir als Solo-Künstler keine Chancen haben, sind wir dazu verdammt, gemeinsam zu scheitern. Diesen Zustand versuchen unsere Figuren auf der Bühne zu kompensieren - wovon nur wenig gespielt ist. Der Konflikt ist für uns die interessanteste Interaktion. Vor allem weil die Charaktere so konträr gezeichnet sind, ist Eskalation nur eine logische Folge.

Wie entstehen eure Programme? Arbeitet ihr gemeinsam oder sucht erstmal jeder für sich seine Ideen? Wie entsteht dann daraus das fertige Programm?
Das gemeinsame Schreiben ist für uns ziemlich einfach. Da wir vom Schreiben kommen und schon seit Jahren gemeinsam bloggen, ist dies die einzige Freude, die uns eint. Die Grundidee stand schon lange im Raum. Vor dem Prozess des Schreibens hat sich jeder eigenständig Ideen zum Inhalt gemacht. Der Vorteil ist, dass man aus zwei schlechten Ideen gemeinsam eine mittelmäßige Nummer erarbeiten kann. Die erste Rohfassung haben wir im Sommer in ein paar Wochen fertig geschrieben. Das Feintuning war dann etwas diffiziler. Wir hatten nämlich bei der Form einen anderen Anspruch als bei "Faymann kauft sich eine Badehose". Wir haben versucht, einen Hybriden zwischen Nummernkabarett und literarisch erzählendem Kabarett zu schaffen.

Ihr seid ja nach wie vor als Blogger aktiv. Was tut sich da Neues?
Leider haben wir momentan etwas wenig Zeit, um unserer Blogleidenschaft nachzukommen. Wir haben uns aber vorgenommen, nach der Premiere ein Tourtagebuch zu führen.

2013 soll ja ein "Superwahljahr" werden. Wird die 2gewinnt-Partei da eingreifen? Oder überlasst ihr das Feld dem Team Stronach?
Sofern uns das Team Stronach nicht als Gagschreiber engagiert, werden wir wohl unsere 2gewinnt-Partei "2gewinnt - Die Popu-Liste(n)" reaktivieren müssen. Das Parteiprogramm liegt fertig in der Schublade. Übrigens müssen wir für Stronach an dieser Stelle eine Lanze brechen: der ZIB2-Sketch war ein humoristisches Highlight. Sehr gut, pointiert geschrieben und noch besser gespielt. Chapeau. Wir freuen uns schon auf sein ganzes Programm.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Die Premiere von "Der Stumpfsinn des Lebens" findet am 30. Jänner 2013 im Theater am Alsergrund statt und ist bereits ausverkauft. Für den nächsten Termin am 2. Februar gibt es noch Tickets. Alle weiteren Termine von 2gewinnt finden Sie in unserem Kalender.

kabarett.at verlost Freikarten für den "Stumpfsinn des Lebens" am 2. Februar. Hier geht's zum Gewinnspiel.

Unser erstes Interview mit 2gewinnt vom vergangenen September finden Sie hier.

 

Und hier noch eine Empfehlung von Leo Lukas:

Interview vom 25.01.2013, 16:35 Uhr · rb
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