Roland Düringer und die "WIRklichkeit"

Kommende Woche startet Roland Düringer mit seinem neuen Programm "WIR - Ein Umstand", dem zweiten Teil seiner Vortrags-Trilogie. Im kabarett.at-Interview sprachen wir mit ihm über das Programm, seine legendäre Wutbürger-Rede und einen Selbstversuch, bei dem er auf Handy, Fernseher und Co. verzichten möchte.

Wie schon dein letztes Programm betitelst du auch die neue Arbeit "WIR - Ein Umstand" als Vortrag. Das klingt weniger nach Kabarett als nach Wissenschaft.
Ich schlüpfe in diesem, wie auch im letzten Programm, in keine Rolle, so wie man das vielleicht aus früheren Zeiten von mir kennt. Ich trete als ich selbst vor das Publikum und erzähle. Deshalb die Bezeichnung "Vortrag". Mit Wissenschaft hat es aber nichts zu tun.

Würdest du kurz umreißen, worum es in "WIR - Ein Umstand" geht?
Im Grunde ist es die Fortsetzung des letzten Programmes "ICH - Einleben". Darin habe ich mich mit dem Leben des Einzelnen, mit persönlichen Themen beschäftigt. Es ging etwa um die Geburt, das Heranwachsen, Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung. Diesmal stehen gesellschaftliche Themen zur Debatte: In unserer Gesellschaft gibt es ein gestörtes "WIR-Bewusstsein", welches sehr viel Macht auf Denken und Handeln der einzelnen Individuen ausübt und unser aller Leben entscheidend beeinflusst. Während es im ersten Teil um den Unterschied zwischen Leben und Lebensgeschichte ging, prallen diesmal die konstruierte "WIRklichkeit" und die "Welt, wie sie ist" aufeinander. Nur scheinbar wichtige Themen wie Politik, Arbeit, Wirtschaft und Geld stehen im krassen Gegensatz zu dieser "Welt, wie sie ist", also dem, was wir fühlen, spüren, unseren Empfindungen und Emotionen.

Das neue Programm ist also eine Fortsetzung deines letzten Stückes. Muss man "ICH - Einleben" gesehen haben, um "WIR - Ein Umstand" zu verstehen?
"WIR" ist der zweite Teil einer Vortrags-Trilogie. Man muss den ersten Teil nicht unbedingt gesehen haben, um den zweiten zu verstehen, aber es ist schon von Vorteil. Es kehren einige Motive aus "ICH - Einleben" im neuen Programm wieder, zum Beispiel der Neandertaler. Bei der Tourplanung haben wir darauf achtgegeben, dass ich in Orten, wo es noch keine Vorstellung von "ICH" gab, zuerst diesen ersten Teil spiele. Damit hat das Publikum die Möglichkeit, die Reihe zur Gänze und in der richtigen Reihenfolge zu sehen.

Dein aktuelles Schaffen unterscheidet sich stark von vergangenen Programmen, wie etwa "Benzinbrüder" oder "Hinterholz 8". Ging dieser künstlerische Wandel auch mit einer persönlichen Entwicklung einher?
Ja, auf alle Fälle. Da ich meine Programme selbst schreibe, steckt immer sehr viel davon drin, wie ich verschiedene Dinge wahrnehme. Anders würde das gar nicht funktionieren. Das, was man jetzt von mir auf der Bühne dargeboten bekommt, ist sicher Resultat auch einer persönlichen Entwicklung.

Hat sich auch dein Publikum verändert?
Natürlich. Meine aktuellen Programme richten sich wohl nicht an das klassische Kabarettpublikum. Kürzlich hat mir jemand gesagt, die Leute, die in meine Vorstellungen gehen, sind typischerweise eher bei Jazzkonzerten als im Kabarett zu finden.

Letzten Dezember hast du in "Dorfers Donnerstalk" eine Rede als "Wutbürger" gehalten und damit vielen aus der Seele gesprochen. Seither bist du noch stärker als scharfer Kritiker der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ins Bewusstsein der Öffentlichkeit getreten. Wie gehst du mit dieser Rolle um?
Es hat mich auch etwas überrascht, dass der Auftritt in Alfred Dorfers Sendung solche Wellen geschlagen hat. Im Prinzip habe ich nur in einer Satiresendung etwas gesagt, das anscheinend einen Nerv getroffen hat. Alles weitere haben dann andere daraus gemacht: Ich wurde in den "Club 2" geladen und hatte auch einen Auftritt im Rahmen der Occupy-Bewegung. Ich freue mich natürlich, wenn ich die Leute zum Nachdenken bringe. Das versuche ich ja auch mit der aktuellen Vortragsreihe. Ich sehe mich aber nicht als Sprachrohr und will auch niemandem etwas vorschreiben. Ich kann nur das sagen, was ich mir eben denke. Wenn manche das als Anstoß nehmen, um über sich und ihre Lebensumstände nachzudenken, dann soll mir das recht sein.

Du hast vor Kurzem angekündigt, auf viele Annehmlichkeiten der modernen Gesellschaft verzichten zu wollen, etwa Fernseher, Handy und sogar auf ein Bankkonto. Kannst du dazu näheres sagen?
Dieser Selbstversuch wird erst ab 2013 Thema sein. Es ist ein zeitlich vorerst unbefristetes Experiment, bei dem ich auf viele sogenannte Annhemlichkeiten der modernen Zeit verzichten möchte, zum Beispiel Fernseher und Handy, und auch aufs Bankkonto. Ich werde das in erster Linie aus persönlichem Interesse tun, möchte aber ein Videotagebuch führen, um das ganze zu dokumentieren.

Wir danken für das Gespräch!

 

Die Premiere von Roland Düringers neuem Werk "WIR - Ein Umstand" findet am 23. Oktober 2012 im Wiener Stadtsaal statt. Alle weiteren Termine finden Sie in unserem Terminkalender. Tickets erhalten Sie u.a.bei www.oeticket.com.

 

 

Interview vom 19.10.2012, 14:20 Uhr · rb
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