Flüsterzweieck: Auf der Suche nach dem besten Menschen

Wer ist der beste Mensch? Der beste von allen. Diese Frage stellen sich Flüsterzweieck in ihrem dritten abendfüllenden Programm, das am 13.11.2014 im Niedermair Österreich-Premiere feiert. Wir haben mit den Kabarettistinnen über "Menschenkür", ihre Arbeit für Radio und TV sowie einiges mehr geplaudert.

 

Ulrike Haidacher und Antonia Stabinger, besser bekannt als Flüsterzweieck, sind künstlerisch besonders vielseitig tätig: Auf den Kabarettbühnen legten sie bisher zwei Programme vor und hatten damit großen Erfolg bei Kritik und Publikum. Nun folgt mit "Menschenkür" das dritte abendfüllende Werk. Gemeinsam mit den KollegInnen von RaDeschnig und Gerafi bilden sie weiters das Kernensemble der regelmäßigen Mixed-Show "Gemischte Platte", die besonders beim jungen Publikum populär ist. Außerdem sind sie regelmäßig auf FM4 zu hören, wo ihre elaborierten Sketche mittlerweile Kultstatus genießen. Durch seine Tätigkeit für die ORF-Comedy "BÖsterreich" machte das Duo kürzlich erstmals den Schritt in Richtung Autorentätigkeit für TV-Projekte. Vor der Premiere des neuen Programms haben wir mit Flüsterzweieck gesprochen.

Diese Woche feiert ihr die Österreich-Premiere eures dritten Programms „Menschenkür“. Was dürfen wir – kurz und knapp – erwarten?
Einen abwechslungsreichen und dichten Abend: Eine Moderatorin betritt die Bühne, um den besten Menschen zu küren. Die Frage dabei ist: was macht einen „besten Menschen“ aus? Aber keine Angst, niemand aus dem Publikum wird auf die Bühne geholt. Wir blicken nur in unsere eigenen Abgründe.

Wie ist die Idee entstanden, die Suche nach dem „besten Menschen“ zum Thema eines Kabarettprogramms zu machen?
Wir haben uns gefragt: Wie können wir in einen Abend möglichst viele Themen, die uns beschäftigen packen? Da sind wir schnell auf das Thema „auserwählt sein“ und „Bewertung“ gekommen. Wir alle bewerten in unserem Alltag ständig alles und jede/n. Wir reden über „gute“ und „schlechte Menschen“, fühlen uns auserwählt, wenn wir z. B. einen Job bekommen und fühlen uns schlecht, wenn wir etwas nicht schaffen. Wir wollen in irgendeiner Form was Besonderes sein und uns auserwählt fühlen. Und wie die Medien das benutzen, sehen wir in Realityformaten oder Castingshows sehr gut. Deshalb wollten wir dieses Thema auch einmal auf der Kabarettbühne durchleuchten. Für unser aktuelles Programm haben wir uns die Spitze der Anmaßung ausgesucht und gesagt: Wir wählen den besten Menschen.

Die Form von Kabarett, die ihr macht, ist nahe am Theater, ihr bezeichnet euer Programm auch selbst als Theaterkabarett. Gibt es konkrete Einflüsse aus den Theater, die eure Arbeit prägen?
Wir nennen unser Kabarett Theaterkabarett, weil manche Leute oft überrascht sind, dass wir sehr szenisch arbeiten, eben mit vielen verschiedenen Figuren. Unsere Stücke leben von sehr raschen Szenenwechseln und viel Tempo. Wir haben beide Germanistik studiert, so kommt die Inspiration eher aus der Literatur. In der österreichischen Literatur ab den 60er- und 70er-Jahren stehen bei vielen AutorInnen keine Geschichten und psychologischen Figuren im Vordergrund. Es geht um die Sprache und ihre Klischees. Figuren können da sein, brauchen sich aber nicht zu entwickeln, sie sind vielmehr ein Sprachrohr, sie stehen nicht für sich, sondern für die Gesellschaft, sie sind auf der Bühne um zu sprechen und dann sind sie aber auch schon wieder weg. In diese Richtung arbeiten auch wir.

Und wie sieht es im Kabarett aus? Gibt es da Vorbilder und/oder Einflüsse?
Konkrete Vorbilder, denen wir nacheifern, haben wir eigentlich keine. Vielmehr ist es der Kontakt zu KollegInnen, der uns beeinflusst. Sei es dadurch, dass wir gegenseitig unsere Programme anschauen und dann darüber sprechen, Projekte gemeinsam verwirklichen,  oder seien es Diskussionen über das was wir tun oder das Kabarett im Allgemeinen. Das beeinflusst und bringt einen auch ungemein weiter. Für uns sind das vor allem unsere lieben KollegInnen, mit denen wir auch seit zwei Jahren gemeinsam die „Gemischte Platte“ spielen – RaDeschnig und Gerafi – oder Kollegen, mit denen wir in anderen Projekten zusammengearbeitet haben wie Thomas Maurer oder Hosea Ratschiller.

Neben euren eigenen Stücken schreibt ihr auch für andere Produktionen, wart im Autorenteam zur abgründigen ORF-Sendung „BÖsterreich“. Worin liegen die Unterschiede zwischen dem Schreiben für euch selbst und für andere? Und gibt es weitere Pläne für Auftragsarbeiten?
"BÖsterreich" war unser erstes „Auftragswerk“ und das war schon eine ziemliche Umstellung. Die Figuren in den Flüsterzweieck-Programmen spucken ungemeine Textmassen aus, die oft irgendwo hinführen. Für "BÖsterreich" haben wir ganz klassische Sketche geschrieben. Diese Arbeit hat auch unser aktuelles Programm beeinflusst – in „Menschenkür“ haben wir einige sehr klassische Sketche eingeflochten. Alle weiteren Auftragswerke sind noch streng geheim.

Und dann gibt es noch eure Arbeit im Radio FM4, wo ihr als telefonierendes Pärchen mittlerweile einen gewissen Kultstatus genießt. Was sind die Spezifika puncto Text, Darbietung und Timing, auf die man beim Radio achten muss – im Gegensatz zur Bühne, wo das Publikum physisch anwesend ist?
Im Radio sieht einen niemand. Der Witz kommuniziert sich nur über die Verbindung von Sprache und Geräusch. Sketche fürs Radio müssen dichter und auf eineinhalb Minuten komprimiert gestaltet werden, Sprache und Timing müssen noch genauer sein. Aber es macht großen Spaß! Wir haben auch eine "Radionovela" gestalten dürfen, "Adam und Anna", in der wir über Musik und Geräusche leichter Bilder erzeugen konnten, als das auf einer Bühne möglich gewesen wäre.

Es gab bereits einige Aufführungen von „Menschenkür“ in Deutschland. Warum dieser Ansatz, ein neues Programm in Deutschland uraufzuführen? Und spielt ihr eigentlich in Deutschland „anders“, speziell was die Sprache anbelangt?
Das hat vor allem pragmatische Gründe. Wir haben seit einem Jahr neben unserer österreichischen Agentur „Rideo“ auch eine deutsche Agentur und die Termine im Pantheon Theater Bonn und Hannover haben sich kurz vor unserer Wien-Premiere ergeben. Da haben wir gesagt, machen wir die Premiere gleich in Deutschland. Das Stück ist aber auch in Deutschland das gleiche, lediglich ein paar Vokabel haben wir angepasst und ein paar Sketche dialektal entschärft. Das wurde bis Hannover gut verstanden.

Was habt ihr in näherer Zukunft für Pläne, außer der Tour mit „Menschenkür“?
Nach der Premiere ist vor der Premiere!

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Österreich-Premiere von Flüsterzweiecks "Menschenkür" findet am 13.11.2014 im Kabarett Niedermair statt und ist ausverkauft. Alle weiteren Ternine finden Sie in unserem Kalender.

Interview vom 12.11.2014, 16:42 Uhr · rb
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