Stefan Haider: "Religionsunterricht ist sexy"

Neues vom Reli-Lehrer unter den Kleinkünstlern: Stefan Haider ist ab dieser Woche mit seiner neuen Arbeit "Sexy Jesus" unterwegs (Premiere: 02.10., Niedermair). Im Talk mit kabarett.at spricht er über die Tauglichkeit von Jesus als Sexysmbol, modernen Religionsunterricht und mehr.

 

Es muss eine gewisse Schnittmenge existieren zwischen Schule und Kabarett. Anders ist es nicht zu erklären, dass sich in der Szene ungewöhnlich viele Künstler tummeln, die im Zweitberuf als Lehrer tätig sind. Stefan Haider ist jedoch unseres Wissens der einzige Religionslehrer unter den Kleinkünstlern. Seine pädagogischen Erfahrungen ziehen sich auch wie ein roter Faden durch Haiders Bühnenwerk - ohne dass seine Programme sich auf reines Schulkabarett reduzieren lassen. Bevor Stefan Haider seine neue Arbeit "Sexy Jesus" am 02.10.2014 im Kabarett Niedermair präsentiert hat er sich für ein Interview mit kabarett.at Zeit genommen.

„Sexy Jesus“ ist der durchaus provokante Titel deines neuen Solos. Geht Jesus als Sexsymbol durch?
Zumindest als Stilikone, immerhin weiß man auch nach 2000 Jahren noch, was mit „Jesus-Look“ oder „Jesus-Style“ gemeint ist.

Kannst du kurz umreißen was uns beim neuen Programm erwartet?
Ich beantworte die Frage, wie sexy Religionsunterricht ist und ob die Matura in Zeiten von Google noch sinnvoll ist. Außerdem beschäftige ich mich mit den feministischen Aspekten im Werk des Volksdichters Andreas Gabalier und zeige Strategien, wie sich Kinder am effektvollsten gegen den Nikolaus verteidigen können. Insgesamt geht es wieder um Liebe, Sinn und Menschlichkeit, aber dieses Mal auch mit ein paar Beauty-Tipps.

Schule sei sexy, Religion auch, heißt es in der Ankündigung. Warum?
Damit mehr Menschen in meine Vorstellungen kommen. Eine große Fischrestaurant-Kette wirbt mit dem Slogan: „Fisch macht sexy.“ Mein Haarshampoo ist von „Sexy Hair“. Es scheint also zu funktionieren.

Wie in deiner Funktion als Kabarettist bist du auch im Zweitberuf als Religionslehrer von der Gunst des „Publikums“ abhängig – immerhin kann man sich ja abmelden. Jedoch nehme ich nicht an, dass sich die Zahl deiner Schüler auf dein Gehalt auswirkt. Siehst du es trotzdem als deine Aufgabe, möglichst viele Schüler zum Bleiben zu bewegen? Wenn ja, mit welcher Strategie?
Meine Schülerinnen und Schüler können zwischen Religionsunterricht und Freizeit wählen! Das ist harte Konkurrenz. Und natürlich wirkt sich das auch aufs Gehalt aus, wenn die Religionsstunden weniger werden. Und Jesus hat uns ja aufgetragen zu allen zu gehen und nicht nur zu denen, die gerade nichts Besseres vorhaben. Ich strenge mich also an, einen interessanten und relevanten Unterricht zu kreieren, der den Oder-doch-lieber-Freizeit-Test besteht.

Wie sieht moderner Religionsunterricht heutzutage aus?
Kein Overhead-Projektor mehr, dafür Beamer, schnelle Wechsel zwischen Lehrervortrag, Erarbeitungsphasen und SchülerInnenpräsentationen, und wenn schon Bibeltexte, dann immer am Smartphone lesen.

In deinen Programmen vertrittst du einen sehr unkomplizierten, humorvollen Zugang zum Thema Religion. Gleichzeitig unterstehst du als Religionslehrer der katholischen Kirche. Musst du diesbezüglich in irgendeiner Weise aufpassen, was du in der Öffentlichkeit sagst, um deine „missio canonica“ nicht zu gefährden?
Natürlich. Aber ich weiß, was geht und was nicht geht und fühle mich in diesen Grenzen ganz wohl.

In diesem und auch dem letzten Programm ist deine Religionslehrtätigkeit ein wichtiger Teil des Inhalts. Könntest du dir vorstellen, auch mal in eine ganz andere Richtung zu gehen oder ist dieses Thema so wichtig, dass es ohne gar nicht geht, also quasi ein Markenzeichen?
Alles, was ich in meinen Kabarettprogrammen sage und mache, kommt ja aus meinem Leben und dem, was ich mir so über mein Leben und das Leben allgemein denke. Und der Religionslehrer-Beruf ist ein wichtiger Teil davon. Und die Fragen, woher wir kommen, wer wir sind und wohin wir gehen, interessieren mich als Religionslehrer und Kabarettist gleichermaßen. Es gibt da also mittlerweile eine Symbiose und das wird sich zumindest in näherer Zukunft auch nicht ändern.

Danke für das Gespräch!

Die Premiere von Stefan Haiders neuem Solo "Sexy Jesus" findet am 2.10.2014 um 19:30 Uhr im Kabarett Niedermair statt. Alle weitere Infos und Termine finden Sie im Kalender.

Interview vom 30.09.2014, 16:36 Uhr · rb
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