Die Ermi-Oma im Interview

Als "Mister Ausverkauft" wird Markus Hirtler im Kollegenkreis gerne bezeichnet. In der Tat haben er und seine Bühnenfigur Ermi-Oma eine außergewöhnliche Erfolgsstory geschrieben. Im Gespräch mit kabarett.at äußert sich der ehemalige Krankenpfleger über seine Laufbahn, die Gründe seines Erfolges und den Stellenwert des Alterns in der Gesellschaft.

Jahrelang war der gebürtige Knittelfelder Markus Hirtler als Kranken- und Seniorenpfleger tätig. Bis er die Bühnenfigur Ermi-Oma kreiierte, um denjenigen eine Stimme zu verleihen, die in unserer "Altersentsorgungsgesellschaft" keine haben. Der Rest ist Geschichte, wie man sagt: In mittlerweile vier Programmen brachte die Oma zigtausende Menschen zum Lachen, Weinen und Nachdenken. Hirtlers reicher Erfahrungsschatz als Seniorenheim- und Pflegedienstleiter und seine außergewöhnliche Fähigkeit, mit dem Publikum in Kontakt zu treten sorgen dafür, dass ein Ende der Erfolgsgeschichte noch lange nicht abzusehen ist. Grund genug für uns, Markus Hirtler zum Interview zu bitten.

Du verkörperst auf der Bühne seit fast 10 Jahren die Kunstfigur Ermi-Oma. Wie hat das alles begonnen?
Begonnen hat es vor fast 30 Jahren! Bloß hatte ich keine Ahnung, dass ich alle die von der Seele geschriebenen Geschichten jemals zu einem Kabarett verarbeiten würde. Das Schreiben war ganz einfach meine Art der Seelenhygiene. Es war mein Ventil, meine Art, mit dem Erlebten umzugehen. Auf der Bühne stehe ich nun mehr als 10 Jahre

Vor deiner Bühnenlaufbahn warst du lange Zeit als Diplom-Krankenpfleger und Pflegedienstleiter in Seniorenheimen tätig. Ist Ermi-Omas Charakter an tatsächliche Personen angelehnt, mit denen du in dieser Zeit zu tun hattest?
Naja, die längste Zeit habe ich als Diplom-Krankenpfleger gearbeitet. Neurologie-Psychiatrie, Dialyse, …. waren meine Stationen. Im Altenheim habe ich als Pfleger, Pflegedienstleiter und auch als Heimleiter gearbeitet, die Ausbildung zum Sozialmanager habe ich berufsbegleitend in meiner Zeit als Heimleiter gemacht. Wie gesagt, in all den Jahren habe ich immer geschrieben. Ich hab es nie verstanden, warum man in unserer Gesellschaft nur gerne gehört wird, solange man jung, dynamisch erfolgreich und sexuell aktiv ist. Die Ermi-Oma ist ein Konglomerat aus vielen Begegnungen und Erlebnissen mit alten Menschen. Hinter jeder einzelnen Pointe steht eine reale, selbst erlebte Geschichte.

Deine Auftritte sind fast immer ausverkauft. Das hat dir branchenintern den Spitznamen „Mr. Ausverkauft“ eingebracht. Was denkst du, finden die Menschen so interessant an deinem Grundthema Altern?
Mein Grundthema ist nicht nur das Altern, sondern viel mehr der Umgang mit Menschen. Ich wünsche mir, Lust auf ein wertschätzendes Miteinander zu wecken. Vermutlich spürt mein Publikum, dass der Umgang mit alten Menschen nicht immer so gelebt wird, wie er sein sollte und sieht in der Ermi-Oma eine Chance das Generationenthema aus einer anderes Perspektive zu sehen. Aber die Frage sollte man ja dem Publikum stellen……

Kommen eigentlich viele Menschen zu deinen Vorstellungen, die selbst im Pflegebereich tätig sind?
Ja, aber es gibt ja keine Ausweiskontrollen, somit weiß ich es nicht genau.

Siehst du dich als Kabarettist mit einer „Mission“?
Natürlich hab ich einen Auftrag! Was sollte ich auf der Bühne machen ohne Auftrag? Das ist die schlimmste Vorstellung für mich, auf der Bühne zu stehen ohne klaren Auftrag. Da würde ich lieber den Saustall ausmisten, dann hätte ich wieder einen Auftrag, und die Schweine hätten es sauber. Mein Auftrag als Kabarettist ist es, einen Spiegel in den Raum zu stellen. Wer will, darf hineinschauen, wer die Fähigkeit hat zu erkennen, darf erkennen und wer dann die Kraft hat etwas zu ändern, darf das tun. Ich werde nicht sagen: „Schau da hast ein Wimmerl im Gesicht, drück dir das aus, das ist ja grauslich“ Nein. Meine Aufgabe ist es, einen Spiegel aufzustellen und nicht fertige Antworten zu liefern. Die Kunst soll aufreißen, Fragen bringen, die für die Gesellschaft relevant sind. Das ist mein Auftrag!

Die Themen Altern und Pflegeheime werden in der Öffentlichkeit heftig diskutiert – fast jede/r hat dazu etwas zu sagen. Oftmals heißt es, die ältere Generation werde „ins Altersheim abgeschoben“, wo sie dann ihr Dasein fristet bis zum Tod. Wie siehst du das?
Es wird lauwarm diskutiert, aber nicht heftig. Gleich wie die Themen Bildung oder Justiz. Es gibt noch nicht einmal ein einheitliches Pflegeheimgesetz, obwohl Österreich ja ein sehr kleines Land ist. Wenn es eine heftige Diskussion gibt, dann bezieht sich das meistens auf die Finanzierung. Aber über die Qualität der Pflege und Betreuung wird nicht viel geredet. Ich bin der Meinung dass wir es uns nicht leisten können, unseren Eltern nicht das Beste zu bieten. Da steht aber die Nettobetreuungszeit für den betroffenen Menschen weit vor dem sinnlosen Dokumentierwahn!

Was sind deiner Meinung nach die brennendsten gesellschaftlichen Probleme im Bereich Generationen und Alter?
Empathie und Respekt! Ohne Einfühlungsvermögen haben wir gar nicht die Chance, einen wertschätzenden Umgang zwischen den Generationen zu leben

Sprechen wir über die Kabarettszene. Siehst du dir selbst hin und wieder Vorstellungen von Kollegen an? Welche Form von Kabarett schätzt du am meisten? Hast du Lieblingskabarettisten?
Ja wenn ich die Gelegenheit habe, nehme ich diese gerne wahr. Ich mag sehr gerne Kabarett, das mich in irgendeiner Weise anregt und mir etwas zum Nachdenken mitgibt. Das erwarte ich mir allerdings auch vom Film, vom Theater und sogar von Freunden. Wenn gar keine Befruchtung stattfindet, halte ich es nicht lange aus. Die oberflächlichen Gschichterln ermüden mich. Besonders gut gefällt mir Eckhard von Hirschhausen. Aber es gibt viele viele andere tolle Kabarettisten.

Wie viel Zeit verbringst du eigentlich in der Maske, um dich von Markus Hirtler in die Oma zu verwandeln?
Maske? Dass ich nicht lache! Ich bin in 20 Sekunden umgezogen. Um die Verkleidung und die ganze Bühnengestaltung und Technik geht es mir überhaupt nicht, das ist nur ein Mittel zum Zweck. Wenn meine Rolle gut und authentisch gespielt wird, sehen die Leute die Ermi-Oma; auch wenn ich gar nicht verkleidet wäre.

Wie siehst du deine künstlerische Zukunft? Wird es noch weitere Programme mit Ermi-Oma geben? Oder wird sie irgendwann in Pension geschickt und es wird ein reines Hirtler-Programm geben?
Ich habe noch einige Ermi-Oma Programme im Talon, aber auch fertige Programme, die mit der Ermi-Oma gar nix zu tun haben. Mal sehen... Ich werde auf alle Fälle nur so lange auf der Bühne zu finden sein, wie das für mich authentisch ist. Mit Georg Hoanzl habe ich nun einen Partner, der mich beflügelt und ermutigt, verschiedene Projekte zu machen. Da bin ich grad mittendrin!

Vielen Dank für das Gespräch!

Markus Hirtler alias Ermi-Oma ist in den nächsten Monaten österreichweit auf Tournee. Alle Termine und Programminfos finden Sie hier.
 

Interview vom 18.02.2014, 10:27 Uhr · rb
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