Spitzen-Kabarettistinnen im KosmosTheater

Kommende Woche blickt die Szene in den siebten Bezirk. Beim erstmals veranstalteten Kabarettistinnenfestival (25. Februar - 2. März 2013) stellen hochkarätige Kleinkünstlerinnen im KosmosTheater unter Beweis, dass die Männerdomäne Kabarett längst am Bröckeln ist. Wir haben mit Kuratorin Barbara Klein gesprochen.

Eva D., Nadja Maleh, Andrea Händler, Regina Hofer, die Kernölamazonen - sie alle sind Speerspitzen der weiblichen Kleinkunstszene in Österreich und daher naheliegenderweise beim Kabarettistinnenfestival vertreten. Außerdem gibt es jede Menge junge Talente zu entdecken, etwa die aus Teheran stammende Wienerin Aida Loos, Marika Reichhold als über das Leben sinnierende Putzfrau "frau franzi" oder die Vaginas im Dirndl, die gekonnt Tabu und Tradition kombinieren. Als Gast aus Deutschland ist die mit Preisen überhäufte Christine Prayon mit dabei.

Die Kuratorin des Festivals, Barbara Klein, war selbst zehn Jahre lang als Kabarettistin aktiv und leitet nun als Intendantin die Geschicke des KosmosTheater, der führenden Wiener Bühne mit Ausrichtung auf Genderthematik. Im Interview mit kabarett.at sprach sie über das Festival und seine Künstlerinnen, das Standing der "weiblichen" Kleinkunst in Österreich und die Männerdomäne Kabarett.

Das Kabarettistinnenfestival ist das einzige Kleinkunstfestival in Österreich, das ausschließlich von Frauen bespielt wird. Überspitzt formuliert: Brauchen Kabarettistinnen ein eigenes Festival, quasi eine geschützte Zone, um Aufmerksamkeit zu erlangen?
Viele Kabarettlokale werden mehrheitlich von Kabarettisten bespielt, was im Allgemeinen weder weiter auffällt noch als „geschützte Zone“ bezeichnet wird. Daraus ergibt sich, dass Kabarettistinnen oft zu wenig Auftrittsmöglichkeiten haben, weniger spielen, weniger bekannt sind, selten ins Fernsehen kommen, keinen DVD-Vertrieb haben, dadurch weniger bekannt sind, weniger Auftrittsmöglichkeiten haben, weniger spielen… usw.

Die Kleinkunstbranche hat traditionell den Ruf, weitgehend eine Männerdomäne zu sein. Ein Blick auf das Festivalprogramm zeigt, dass es mittlerweile eine ganze Reihe erfolgreicher Kabarettistinnen gibt. Warum ist das Ihrer Meinung nach der Fall? Wie ist es dazu gekommen?
Hin und wieder fällt doch einem/einer Veranstalter/in auf, dass Frauen im Publikum zwar zahlreich vertreten sind, sich aber auf der Bühne kaum wiederfinden.
Dass bei uns erstmals ein Kabarettistinnenfestival stattfindet, ändert an der Männerdomäne in der Kleinkunstbranche zunächst leider nichts. Längst gibt es zahlreiche ausgezeichnete Kabarettistinnen, auf diesen Umstand will das Festival natürlich aufmerksam machen. Darüber hinaus dient es Austausch und Vernetzung unter den Künstlerinnen.

Gibt es ein typisches „Frauenkabarett“? Haben Frauen einen speziellen Zugang zur Kleinkunst, einen anderen als Männer?
Aufgrund des bestehenden Geschlechterdualismus in unserer Gesellschaft sind Frauen und Männer oftmals mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen, Erfahrungen und Reflexionen konfrontiert. Dies führt auch in der Kunst mitunter zu Unterschieden bezüglich Themenauswahl und Sichtweise. Witz und Humor unterscheiden sich ebenfalls oft – auch im Publikum lachen Frauen und Männer nicht immer über dieselben Gags.

Sie haben das Festival kuratiert. Nach welchen Kriterien erfolgte die Auswahl der Künstlerinnen?
Qualität von Text, Musik und Darstellung sowie Witz, Individualität, Authentizität und Originalität.

Die Gestaltung der einzelnen Spieltage folgt einem für Branchenverhältnisse ungewöhnlichen Muster: Zwei relativ kurze Vorstellungen pro Abend (19:30 und 21:00 Uhr). Warum haben Sie sich dazu entschieden?
Wir veranstalten im KosmosTheater eine Reihe von Festivals wie etwa „Clownin – Clownfrauenfestival“ oder „IF! – Internationales Figurentheaterfestival der Künstlerinnen“. Dabei hat sich die genannte Struktur bewährt. Einesteils wird mit der Möglichkeit, zwei verschiedene Künstlerinnen bzw. Gruppen an einem Abend erleben zu können, der Festivalcharakter für das Publikum bedient, andernteils fördert es die Vernetzung der Künstlerinnen untereinander.

Zu den noch weniger bekannten Künstlerinnen des Festivals gehören das deutsch-österreichische Duo „Schmähtandler“ sowie die von Marika Reichhold verkörperte „frau franzi“. Können Sie kurz beschreiben, womit bei diesen beiden Programmpunkten zu rechnen ist?
Marika Reichhold ist durch ihre öffentlichen Führungen im ererbten Bergbaumuseum zum Kabarett gekommen. Was klingt wie eine gut erfundene Biografie ist pure Realität: In der Figur einer Putzfrau unterhielt sie mit schlichten, aber informativen Museumsführungen die BesucherInnen so gut, dass der nächste Schritt hin zu einer professionellen Ausbildung nicht mehr weit war. Die unbändige Liebe zu Shakespeare, ausgelebt von der Putzfrau „frau franzi“, dürfte enorm viel mit Marika Reichhold selbst zu tun haben und sorgt seither für unbändiges Kabarettvergnügen.
Schmähtandler kommen aus Salzburg und vereinen gestochen böse Texte mit großem musikalischen Können. Seit 2010 besteht die Gruppe aus der Akkordeonistin Sigrid Gerlach-Waltenberger und der Schauspielerin Elisabeth Nelhiebel. Beide singen mit Hingabe eigene schwarze Lieder sowie jene von H. C. Artmann, Josef Winkler, Falco und anderen. Ihr unmissverständlich weiblicher Blickwinkel verschafft dabei ungeahnte und äußerst vergnügliche Einsichten.

Gibt es einen Geheimtipp, eine Künstlerin aus dem Festivalprogramm, die Sie besonders empfehlen möchten?
Dies fällt einer Kuratorin naturgemäß schwer, aber bis dato für Österreich doch recht geheim ist Christine Prayon aus Stuttgart – sie war hierzulande noch nie live zu sehen. Mit ihrem allerersten Kabarettprogramm als Solistin räumte sie 2012 so gut wie alle großen deutschen Preise ab: Deutscher Kleinkunstpreis, Prix Pantheon und Deutscher Kabarettpreis. Ihre Abrechnung mit der Schönheitsindustrie muss man + frau gesehen haben!

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Das Kabarettistinnenfestival findet von 25. Februar bis 2. März 2013 im Wiener KosmosTheater (7., Siebensterngasse 42) statt. Tickets erhalten Sie unter 01/5231226, www.kosmostheater.at und karten@kosmostheater.at

Programmübersicht:

Mo, 25.02.
19:30 OPENING mit Aida Loos, Vaginas im Dirndl, frau franzi (Marika Reichhold), Schmähtandler, Marie Thérèse Escribano und Rosemarie Radtke (Musikerin)
21:00 Andrea Händler, "Naturtrüb"

Di, 26.02.
19:30 Schmähtandler, "Wien, Weib und Gesang"
21:00 Nadja Maleh, "Best Of"

Mi, 27.02.
19:30 Aida Loos, "Hartes Loos"
21:00 Kernölamazonen, "SOKO Kürbis: Dem Täter auf der Öl-Spur"

Do, 28.02.
19:30 Regina Hofer, "1000 & One Night Stand"
21:00 Vaginas im Dirndl, "Vaginas im Dirndl"

Fr, 01.03.
19:30 frau franzi (Marika Reichhold), „do host den solot“
21:00 Marie-Thérèse Escribano, „Ich bin ein Vorbild“

Sa, 02.03.
19:30 Eva D., „Delikatessen“
21:00 Christine Prayon, „Die Diplomanimatöse“

Detaillierte Infos zu allen Programmpunkten des Festivals finden sie unter www.kosmostheater.at

Interview vom 20.02.2013, 11:23 Uhr · rb
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