Schwechat ist wieder Hauptstadt des Lachens

Im Jänner und Februar blickt die Kleinkunst- und Satireszene traditionell nach Schwechat. Zum 12. Mal findet von 16. Jänner bis 2. März 2013 das Schwechater Satirefestival im Theater Forum statt. Und es wartet mit einem hochkarätigen internationalen Line-Up auf.

"Mit Witz gegen Dummheit, Niedertracht und Alltagstrott" lautet das Motto des Festivals in diesem Jahr. Man setzt heuer in erster Linie auf Vielfalt: Von Youngsters wie Paul Pizzera, Markus Koschuh oder den Herren von der "Langen Nacht des Kabaretts" bis hin zu alten Hasen wie Prokopetz oder Stangl. Das thematische Spektrum reicht von der Kerndisziplin der Satire, nämlich dem politischen Kabarett (I Stangl, Leo Lukas, Simon Pichler, Brennesseln) über die feinen Alltagsbeobachter vom Schlage eines Werner Brix oder Joesi Prokopetz und weiter zu ganz neuen Formen, etwa der "Stand Up Tragedy", die der Hamburger Nico Semsrott kreiert hat. Auch das regionale Spektrum ist weitreichend, sind doch Künstler nicht nur aus allen Teilen Österreichs, sondern auch aus Deutschland und der Schweiz zu erleben.

 

Die Politsatiriker. Das politische Kabarett ist eine Gattung, die zur Zeit nicht besonders in Mode ist. Trotzdem gibt es einige Leuchttürme in der Szene, die unentwegt an dieser klassischen Form festhalten, sie weiterentwickeln und dafür sorgen, dass sie nicht ausstirbt. Einige davon sind in Schwechat zu erleben: Leo Lukas und Simon Pichler präsentieren ihre Tour de Force durch die Kulturgeschichte des Verbrechens - mit jeder Menge Gegenwartsbezug. "Die kriminelle Energie" am 18. Jänner. "Unter Geiern" heißt das neue Programm von I Stangl, das er in Schwechat  am 19. Jänner als Niederösterreich-Premiere präsentiert. Kurzbeschreibung: "Unter Geiern geht's nur Geiern gut. Werden Sie endlich auch einer, I Stangl hilft Ihnen dabei!"

Besonders stark vertreten ist in diesem Jahr die unkaputtbare Satire-Truppe von den "Brennesseln". Sie zeigen zum einen das aktuelle Programm "Alle Macht den Ratings" (12. und 13. Februar), zum anderen lässt Texter und "Brennessel"-Mastermind Alfred Aigelsreiter in "Rückschau-dern 2012" (22. Jänner) die Skandale und Aufreger des vergangenen Jahres noch einmal Revue passieren.

Wer die Niederungen der Innenpolitik verlassen und die große Weltpolitik satirisch aufgearbeitet erleben möchte, sollte sich den 20., 21. oder 22. Februar rot anstreichen. Dann nämlich zeigt der Schweizer Andreas Thiel als Österreich-Premiere sein neues Programm "Politik und Macht". In der rabenschwarzen Politsatire geht es um Politik, Tod und Champagner. Nicht versäumen!

 

Die Alltagsbeobachter. Nicht nur die Politik, auch der Alltag bietet reichlich Stoff für satirische Betrachtungen. Davon kann man sich gleich am Eröffnungstag des Festivals überzeugen, den der Auslandsösterreicher Stefan Waghubinger gestaltet (16. Jänner). "Langsam werd' ich ungemütlich", sagt er und entführt den Zuschauer in eine abgründige Gedankenwelt, in der er sich folgende Fragen stellt: Werden Leute, die sich Schönheitsoperationen nicht leisten können, bald alt aussehen? Warum schreiben Frauenzeitschriften über multiple Orgasmen, wo er nicht mal seine Katze zum Schnurren bringt, wenn er sie streichelt? Und warum darf man keine Terroristen zur Silvesterparty einladen, obwohl die so schön knallen?

Mit weiteren Facetten des Alltags befassen sich Werner Brix (Männer in den besten Jahren - "40 plus", 19. Februar), Joesi Prokopetz (Sinnieren über Gott und die Welt - "Die Schöpfung - Eine Beschwerde", Vorpremieren am 1. und 2. März) und die Gebrüder Moped (Ernährung und der Sinn des Lebens - "Jausengegner", 31. Jänner).

 

Der Satirenachwuchs. Junge Talente gibt es im Rahmen des Festivals ebenfalls zu entdecken. Zwei davon stellt I Stangl als "Pate" an einem gemischten Abend vor (26. Februar): Der Tiroler Markus Koschuh kommt ursprünglich aus der Poetry Slam-Szene und hat mit seinem aktuellen Kabarettsolo "Agrargemein" in seinem Heimatbundesland einen neuen Kabarett-Hype ausgelöst. Darin deckt er schonungslos auf, wer sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichert und welche Mechanismen der Politik schützend die Hand über die Profiteure halten. Koschuh teilt sich die Bühne mit dem aufstrebenden Alexander Sedivy, dessen Spektrum von lebensechten Promiparodien bis zu nachdenklichen Nummern reicht, immer gewürzt mit viel Musik und Improvisation.

Weitere spannende Begegnungen mit jungen Künstlern gibt es am 26. Jänner ("Die lange Nacht des Kabaretts"), 14. Februar (Paul Pizzera, "Zu wahr, um schön zu sein"), und 16. Februar (Hosea Ratschiller, "Das gehört nicht hierher").

 

Gäste aus Deutschland. "Freude ist nur ein Mangel an Information", meint Nico Semsrott und präsentiert als Österreich-Premiere sein gleichnamiges Programm von 23. bis 25. Jänner. Seit 2008 tritt der Hamburger als depressive Kunstfigur auf Poetry Slams, Kabarettbühnen und im Fernsehen auf. Die von ihm konzipierte Form der Stand Up Tragedy ist im deutschsprachigen Raum einzigartig: Um beim Publikum Begeisterungsstürme auszulösen, braucht Semsrott nicht mehr als einen Zettel, einen schwarzen Kapuzenpullover - und viel schlechte Laune.

Ebenfalls zum ersten Mal in Österreich spielt Marco Tschirpke sein Programm "Flügelstürmer" (30. Jänner). Sein Trademark besteht in sogenannten "Lapsusliedern", knackigen Geisteskonzentraten - ein Song, ein Wort, ein Klick im Kopf, danach geht es auch schon auf die nächste Reise. Stets zugänglich, aber auch immer mit einem schelmischen Hintergedanken, tänzelt und poltert Tschirpke über die Tasten, stichelt gegen die Verhältnisse und blickt mikroskopisch genau auf ein Universum voller obskurer Alltäglichkeiten.

 

Satirikers Personale heißt ein neuer Programmpunkt des Festivals. Die Idee lautet, einen Satiriker, der weniger zentral in der Öffentlichkeit steht, ebendieser vorzustellen, auf sein Werk zu fokussieren und hinter die Kulissen blicken zu lassen. Den Anfang macht in diesem Jahr Andre Blau, der als Kabarettist, Schauspieler, in den letzten Jahren aber verstärkt als Autor satirischer Bücher in Erscheinung tritt. Im Gespräch mit Indendant Johannes C. Hoflehner wird er Anekdoten aus seinem Leben erzählen,die Anfänge in den 80er Jahren und Begegnungen mit interessanten Kollegen schildern. Filmausschnitte, Sketches und Livedarbietungen von satirischen Liedern und Nonsensegedichten runden diesen Abend ab (29. Jänner).

 

Das Schwechater Satirefestival 2013 findet von 16. Jänner bis 2. März 2013 im Theater Forum Schwechat statt. Weitere Infos und Tickets: www.satirefestival.at

Artikel vom 15.01.2013, 17:38 Uhr · rb
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