Marcel Mohab gewinnt Goldenen Kleinkunstnagel

Der große Unbekannte hat sich durchgesetzt. Selbst in Fachkreisen war der Grazer Schauspieler Marcel Mohab ein unbeschriebenes Kleinkunst-Blatt. Mit einer erstaunlichen Performance zwischen Clownerie, Stand Up und Pantomime begeisterte er Jury und Publikum und durfte am Ende den begehrten Nagel in Händen halten.

Die Entscheidung war haarscharf. Erstmals in der Geschichte des Goldenen Kleinkunstnagels war die Publikumswertung das Zünglein an der Waage.  Erst die Auswertung der Publikumsstimmen gab den Ausschlag zugunsten des Grazers Marcel Mohab. Er erhält nun neben der begehrten Nagel-Trophäe ein Preisgeld von €4000,- sowie fünf Auftrittststage im Theater am Alsergrund.

Mohab, der Auszüge aus seinem Programm "Animal Funk" brachte, ist in mehrerlei Hinsicht ein ungewöhnlicher Nagel-Gewinner. Bisher in der Kleinkunst-Szene kaum bekannt, brachte er eine Performance auf die Bühne, die sich sehr weit von den üblichen Kabarettpfaden entfernt. Pantomime, Clownerie und Stand Up-Comedy sind die drei Grundpfeiler von Mohabs Kunst, die sich offensichtlich an der britischen Humortradition orientiert. Konsequenterweise waren dann auch die wenigen gesprochenen Worte auf Englisch. Sprache spielte aber ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Mohab brillerte vor allem durch Mimik und Gestik. Es gelang ihm ohne Requisiten, Bilder auf der Bühne zu erzeugen. Seien es Kartentricks ohne Karten, oder eine Situation, in der Mohab im Meer schwimmend auf einen Hai trifft. Mit einfachsten wie vrituosen Mitteln erzeugte Mohab in teils atemberaubendem Tempo urkomische Situationen, die das Publikum begeisterten.

Auch die Jury war beeindruckt: "Skurril, originell, abwechslungsreich, handwerklich gut, grazil und schneidig, schnell und überraschend, fesselnde Imagination", heißt es in der Begründung.

Eindruck hinterließen auch die Musikkabarettistinnen RaDeschnig. Die Kärntner Zwillingsschwestern überzeugten mit Auszügen aus ihrem Programm "A Zimmerl zum Leben". Tiefgründig, morbid und höchst musikalisch zeigten sie eine sehr eigenständige, ja zum Teil irritierende Performance rund um das titelgebende Seniorenwohnheim. Damit das Lachen dem Publikum nicht im Hals stecken blieb, gab es aber auch urkomische Elemente, etwa ein Lied im Musical-Stil zum Thema Schach. Als es bei einer abschließenden Schlagerparodie zu technischen Problemen kam, reagierte das Duo schnell, ließ die Mikrophone fallen und sang die Nummer unplugged zu Ende. Unterm Strich präsentierten sich RaDeschnig als sehr reife, ungewöhnliche und kreative KünstlerInnen.

Auch die zwei weiteren Finalisten hatten die Sympathien des Auditoriums auf ihrer Seite und zeigten sich in bester Spiellaune. Christoph Straka widmete sich in seinem Auftritt dem schwierigen Thema Depression, Rudi Schöller befragte im staubtrockenen Stil ein "Austropop-Orakel" nach der Zukunft. Beides gelungene Auftritte, beides verdiente Finalisten.

 

Der Goldene Kleinkunstnagel 2012 wurde vergangenen Samstag, den 17. 11. an Marcel Mohab vergeben. Der Künstler erhält nun fünf Auftrittstage im Theater am Alsergrund sowie ein Preisgeld von €4000,-, das auch in diesem Jahr von der Agentur E&A und dem Orpheum Wien von ursprünglich €2000,- verdoppelt wurde. Die Auftrittstermine des Gewinners werden demnächst bekannt gegeben.

 

Artikel vom 19.11.2012, 13:55 Uhr · rb
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