Die Kabarett-Highlights im März 2016

Der März beschert Kleinkunstfreunden unter anderem den Besuch einer der ganz großen Ausnahmerscheinungen der Szene: Hagen Rether präsentiert die neueste Inkarnation seines dynamischen Dauerbrenners "Liebe". Mit Ass-Dur und Harry G werden weitere spannende Künstler aus Deutschland vorstellig. Im heimischen Kabarett gibt es Neues von Thomas Mraz, Bernhard Lentsch und Kleinkunstnagel-Gewinner Thomas Malirsch.

 

"Liebe": Hagen Rethers mutierendes Opus magnum

Hagen Rether ist eine singuläre Figur in der deutschsprachigen Kleinkunst. Seit 2003 ist der in Bukarest geborene Künstler mit seinem Programm "Liebe" unterwegs. Dabei ist der Titel einerseits irreführend - Liebe im klassischen Sinn kommt nicht vor - andererseits die einzige Konstante im Bühnenschaffen Rethers. Denn das bis zu drei Stunden andauernde Programm ist extrem dynamisch und laufend Änderungen unterworfen. Vor dem Hintergrund einer immer komplizierter werdenden Welt lässt Rether Strippenzieher und Marionetten, Strohmänner und Sündenböcke aufziehen, die alle mehr oder weniger undurchsichtige Rollen in einem Geflecht aus politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten spielen.

Unermüdlich entwirrt Hagen Rether die Fäden eines komplizierten Netzwerks, nur um sich aufs Neue darin zu verstricken. Er ordnet, wirft vermeintlich Wohlsortiertes wieder um, und dahinter entlarvt sich die Eitelkeit der (Ohn-)Mächtigen. Hinter Politikergeflechten erscheint der Lobbyismus - Verkäufer und Verkaufte erkennen sich für einen kurzen Moment im Spiegel. Es wäre zum Verzweifeln, wenn die Protagonisten nicht so lächerlich wären. Weinend, lachend und singend bringt Rether eine faszinierende Vorstellung auf die Bühne, die das Publikum mit gleich zwei gefährlichen Viren infiziert: Der Unzufriedenheit mit einfachen Erklärungen und der Erkenntnis, dass nicht nur "die da oben", sondern wir alle die Protagonisten dieses Spiels sind. Hagen Rether gastiert mit "Liebe" am 07. und 09.03. im Wiener Konzerthaus (ausverkauft), am 08.03. in Graz, am 10.03. in Salzburg und am 11.03. im Posthof Linz. Infos und Details in unserem Kalender.


"Die Odyssee - Eine Abkürzung": Mraz auf Irrwegen

Thomas Mraz sah man in der jüngeren Vergangenheit in erster Linie einsam auf einem Skilift sitzend über das Leben sinnieren. Als Haupt- und einziger Darsteller sorgte er in Klaus Eckels Komödie "Aprés Ski" für viele ausverkaufte Säle. Nun tritt er selbst als Autor in Erscheinung, bleibt aber auch Hauptdarsteller. In "Die Odyssee - Eine Abkürzung" hat sich Mraz dem klassischen Stoff von Homer angenommen, und diesen sehr frei neu bearbeitet. Gemeinsam mit Martina Ambach und Victor Kautsch bringt er das gesamte Heldenepos auf die Bühne: Die drei schlüpfen in Dutzende Rollen, trotzen den Göttern des Olymp, kämpfen gegen einäugige Menschenfresser und werden zu Schweinen verwandelt. Nebenher erfährt das Publikum auch noch, worüber im trojanischen Pferd tatsächlich geredet und wo der Sirtaki erfunden wurde. Die Premiere von "Die Odyssee - Eine Abkürzung" findet am 16.03. im Wiener Stadtsaal statt. Folgetermine hier.

Wenn wir schon beim Thema große Literatur sind, ist es Zeit, eine weitere Veranstaltung mit Bezug zur Schriftstellerei zu empfehlen: Eine Verneigung vor einem der größten Humoristen des 20. Jahrhunderts zeigen die Kultkomiker Stermann & Grissemann mit ihrer Loriot-Lesung "Die Ente bleibt draußen" am 09.03. um 19:30 im Theater Akzent. Mit großem Vergnügen lesen sie aus der gesammelten Prosa des eleganten Sprachkünstlers: Vom überforderten Lottogewinner vor der TV-Kamera bis zu den Herren im Bad, vom Frühstücksei bis zur Jodelschule gibt es unzählige Geschichten neu oder wieder zu entdecken. Ein seltener, sehr empfehlenswerter Abend.


Ass-Dur, Harry G: Neues aus Deutschland

Die kabarettistische Völkerverständigung läuft schon seit Jahren wie geschmiert, sodass wir immer wieder in den Genuss von Gastspielen spannender Künstler aus dem deutschsprachigen Ausland kommen. Im März reiht sich beispielsweise Harry G in diese Tradition ein, der aktuelle rising star in der pulsierenden bayerischen Szene. Besonders bekannt dürfte der 35-jährige Regensburger dem social media-affinen Publikum sein, denn seine Videoclips wurden rund 30 Millionen Mal angeklickt, weshalb sich G zurecht als zeitgemäßer Botschafter bayerischer Lebensart im weltweiten Web bezeichnen kann. Nicht minder erfolgreich ist sein Debut-Bühnenprogramm "Leben mit dem Isarpreiß", mit dem er in bisher 150 Vorstellungen seinen Mitmenschen den Spiegel vorhält und dabei so manche Absurdität seines Umfelds zu Tage fördert. Grantige Schimpftiraden, gepaart mit intelligentem Witz und einer ordentlichen Portion bitterböser Satire. Die Ö-Premiere ist am 15.03.2016 im (ausverkauften) Stadtsaal Wien, weitere Termine in unserem Kalender.

Hierzulande noch nicht sehr bekannt ist das Musikkabarett-Duo Ass-Dur. Anders in Deutschland, wo die beiden (Dominik und Benedikt) für ihr erstes Programm "1.Satz - Pesto" binnen zwei Jahren 22 Kabarett- und Kleinkunstpreise einstreifen konnten. Auch im neuen Werk "2. Satz - Largo maggiore" setzen sie ihre gewohnt spritzige Mischung aus intelligentem Musikkabarett (Benedikt) und weniger intelligentem Musikkabarett (Dominik) fort, und lassen dabei gekonnt die Grenzen zwischen Klassik, Pop und Jazz verschwimmen. Dabei gelingt es ihnen, sowohl Opern- als auch Fußballfans, Universitätsprofessoren und Hausmeister sowie Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen zu unterhalten. Neugierig geworden? Wien-Premiere am 11.03.2016 im Wiener Stadtsaal. Davor gibt es am 09.03. in der Wirtschaft Dornbirn noch das erste Programm zu erleben. Infos im Kalender.


Malirsch und Lentsch: Junges Kabarett aus Österreich

Für den wohl überraschendsten Auftritt beim Wettbewerb um den Goldenen Kleinkunstnagel sorgte im vergangenen Herbst Thomas Malirsch. Am schmalen Grat zwischen Genialität und Wahnsinn virtuos dahintänzelnd, überzeugte Malirsch die Jury, die ihm prompt den Hauptpreis zusprach. Eine "vermeintlich hohe künstlerische Wurschtigkeit, gepaart mit professioneller Bühnenpräsenz" konstatierten die Fachleute. Mit seiner "Thomas Malirsch Show" präsentiert der Künstler nun zu einem der ersten Male in Wien sein abendfüllendes Programm. Eine große Empfehlung für all jene, die experimentierfreudige Kleinkunst abseits der ausgetretenen Pfade mit Hang zum Durchgeknallten schätzen, und - wie Malirsch selbst sagt: Ein Muss für alle, die einen Migrationshintergrund haben, oder auch nicht. "Die Thomas Malirsch Show" am 23.03. im Spektakel. Weitere Infos und Termine hier.

Atemlos durch die Nacht... heißt, in der Früh tot zu sein. Das leuchtet soweit ein. Bernhard Lentsch beschäftigt sich in seinem zweiten Soloprogramm mit einer unabdingbaren Lebensgrundlage, nämlich dem Atmen. Obwohl es so wichtig ist, achtet Lentsch zu wenig darauf, in seinem Leben ausreichend zu atmen. In der Kindheit atmet er aus Furcht nicht, in der Gegenwart nehmen ihm Arbeit und Beziehungen die Lust zum Atmen... das ärgert ihn. Dann macht ihm ein Schlüsselerlebnis klar: Wenn er jetzt nicht um seine Luft kämpft, wird er ersticken. "Atmen" ist ein Abend, an dem Bernhard Lentsch seine Markenzeichen, etwa blitzschnelle Figurenwechsel und ausreichend Improvisation zu einem Programm vereint, das zum Lachen und Nachdenken gleichermaßen anregt. Premiere am 16.03.2016 in der Kulisse. Weitere Termine hier

Artikel vom 04.03.2016, 15:24 Uhr · rb
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