Thomas Malirsch gewinnt Kleinkunstnagel 2015

Im großen Finale um den Goldenen Kleinkunstnagel setzte sich am vergangenen Samstag im Theater am Alsergrund Thomas Malirsch durch. Seine gelungene Mixtur aus Slapstick, wortgewandtem Kabarett und virtuosen musikalischen Elementen überzeugte die Jury in einem insgesamt hochkarätigen Bewerb.

Es war eine erstaunliche Performance, die Thomas Malirsch auf die kleine Bühne im rappelvollen Theater am Alsergrund zauberte: Abgedrehte Ideen, ständig überraschende Wendungen, ein ausgeprägter Zugang zur Pantomime, sowie hohes musikalisches Niveau. Aus diesen Ingredienzien kochte Malirsch ein äußerst kurzweiliges 20-Minuten-Kleinkunst-Süppchen. Mit dabei: Ein Dialog zwischen Vater und Mutter, die zumindest in Sachen Stimmlage ihre Rollen getauscht haben; eine Geschichte, bestehend fast ausschließlich aus Musikinstrumenten-Namen; ein groteskes Lied über Marmor; eine Fußball-Predigt und Filme, deren Ablaufdaten überschritten sind. Diese ideenreichen Inhalte kombinierte der Künstler mit einer spitzbübisch-sympathischen Bühnenpräsenz, der man sich nur schwer entziehen konnte.

Die Jury zeigte sich beeindruckt und urteilte wie folgt: "Die vermeintlich hohe künstlerische Wurschtigkeit, gepaart mit professioneller Bühnenpräsenz überraschte das Publikum. Mit Wortwitz, Nonsense und körperlichem Einsatz, besonders durch die sympathische Art und Weise, das Publikum vor dem Einnicken zu bewahren und zur Mitarbeit ungezwungen zu animieren, wurde überzeugt. Somit stand der Jury heute Abend in Summe der Sinn mehr nach abgelaufenen Filmen denn nach Klassikern." Thomas Malirsch darf sich nun neben der legendären "Nagel"-Trophäe über vier Spieltage im Theater am Alsergrund sowie ein Preisgeld von €4000,- freuen.

 

Fünf Finalteilnehmer sorgen für viel Abwechslung

Zum erst zweiten Mal in der Geschichte des Bewerbes gab es fünf Künstler, die in der Finalrunde dabei waren. Grund dafür war der seltene Fall eines Punktegleichstandes in einer der Vorrunden. Das Publikum freute es, gab es doch an einem langen Abend mehr Kleinkunst zum selben Preis. Wie schon beim Neulingsnagel war das künstlerische Niveau allgemein sehr hoch. Den Anfang machte der blinde Kabarettist Martin Mayrhofer. Er berichtete mit viel Selbstironie  von den Herausforderungen, die das Leben als Blinder mit sich bringt, etwa die hohe Anziehung, die blinde Menschen auf Freaks und Wunderheiler ausüben, die sie spontan "heilen" möchten. Es folgte die schräge Kunstfigur Frau Franzi, die als Putzfrau in einem Museum zuerst mit scharfzüngigen Weisheiten zu den Unterschieden zwischen den Geschlechtern punktete, und dann ihre ganz eigenen Überlegungen zu diversen Shakespeare-Werken von "Macbeth" bis "Romeo und Julia" präsentierte.

Die Nähe zu den literarischen Klassikern war auch bei Lisa Eckhart ein Thema. Die Künstlerin mit Wurzeln im Poetry Slam-Sektor sorgte mit einer brillanten Dialekt-Version des "Faust"-Stoffes für Begeisterung. Außerdem arbeitete sich Eckhart, die auch Mitglied der aktuellen Inkarnation der "Langen Nacht des Kabaretts" ist, genussvoll-zynisch an Themen wie der Allgegenwärtigkeit von Allergien oder Massentierhaltung ab. Die vierte im Bunde war Katie La Folle, ehemals Tänzerin in einem Pariser Cabaret, und insofern natürlich prädestiniert, diverse Mythen und Klischees, die sich um das Leben in der Stadt der Liebe so ranken, lustvoll zu sezieren. Am Schluss gab es dann noch eine echte Can Can-Einlage, die wohl auch ihren Teil zum Sieg in der Publikumswertung beigetragen hat.

Auch die 20. Ausgabe des Goldenen Kleinkunstnagels wurde dankenswerterweise unterstützt von den Sponsoren Orpheum Wien, Agentur E&A sowie Bezirksvertretung 9. Bezirk. 

Artikel vom 17.11.2015, 14:56 Uhr · rb
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