Die Kabarett-Highlights im November 2015

Mit Thomas Maurer präsentiert im November einer der kreativsten Protagonisten der Kleinkunst ein neues Soloprogramm, in dem er dem Begriff der Toleranz ausgiebig auf den Zahn fühlt. Weitere Neuheiten gibt es vom frischgebackenen Österreichischen Kabarettpreisträger Matthias Egersdörfer, dem wandlungsfähigen Clemens Maria Schreiner und dem ehemaligen Gewinner des Goldenen Kleinkunstnagels, Marcel Mohab; währendessen sorgt im Theater am Alsergrund die aktuelle Nagel-Ausgabe für einen weiteren Höhepunkt.

 


Thomas Maurer und die Toleranz

Ob als Teil der "Staatskünstler", als eines der Masterminds hinter der bitterbösen ORF-Show "Bösterreich", oder als brillanter Solokünstler: Thomas Maurers kreativer Output sucht seinesgleichen im österreichischen Kulturbetrieb. Dabei umfassen seine Fähigkeiten als Autor ein breites Spektrum: Sowohl tagesaktuelle Satire beherrscht Maurer, zu sehen etwa in TV-Projekten wie "Wir Staatskünstler", als auch eine intensive Beschäftigung mit weiten Themenfeldern. Diese verarbeitet Maurer - wie er vor einiger Zeit auch in einem Interview mit kabarett.at sagte - bevorzugt in seinen Bühnenprogrammen als Solokünstler - wohl auch, weil das abendfüllende Format mehr Zeit und damit Raum für eingehendere analytische Betrachtung bietet. Zuletzt widmete sich Maurer in seinem "Neuen Programm" thematisch der globalen Finanzkrise. Diesmal geht es um die Toleranz.

"Der Tolerator" hat Maurer sein Programm genannt, und fühlt darin dem Begriff ausgiebig auf den Zahn. Toleranz sei nicht nur eine allgemein anerkannt Tugend, heißt es in der Ankündigung, sondern auch ein spannendes und preiswertes Hobby. Langweilig wird einem dabei nur sehr schwer, immerhin gibt es viel, das man tolerieren kann: Religionen und politische Überzeugungen, Laktose und Gluten, Kleidermotten und Volks-Rock'n'Roll. Damit macht man nicht nur die Welt besser, sondern kann obendrein noch so manches lernen - zum Beispiel, wo die eigene Toleranzgrenze liegt. Die Premiere findet am 10.11.2015 im Wiener Stadtsaal statt. Alle Folgetermine finden Sie in unserem Kalender. Übrigens: Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, gewinnt Thomas Maurer den Deutschen Kleinkunstpreis 2016. Absolut verdient, wie wir meinen!


"Vom Ding her": Egersdörfer wieder solo

A propos: Einer der Träger der diesjährigen Ausgabe des Österreichischen Kabarettpreises ist der Nürnberger Matthias Egersdörfer. Gemeinsam mit Martin Puntigam wurde er für deren erste Arbeit als Duo mit dem Titel "Erlösung" ausgezeichnet. Nun ist Egersdörfer wieder als Solist unterwegs. Der Franke mit ausgeprägtem Hang zum Cholerischen präsentiert ab dem 12.11.2015 in Linz, Wien und Graz sein neues Programm "Vom Ding her". Was das bedeutet?

"Das ist ja unmöglich vom ganzen Ding her", hörte Egersdörfer kürzlich jemanden sagen - und war fasziniert. Dermaßen sogar, dass er kurzerhand beschlossen hat, danach sein neues Programm zu benennen. Darin wird Egersdörfer meist im Stehen unmögliche Geschichten erzählen, zum Beispiel von sprechenden Singvögeln und drei Gerüstbauern. Fast zu erwarten ist dabei, dass Egersdörfer im Lauf des Abends schlechte Laune bekommt - das kommt gelegentlich vor, und ist in seinem Fall beinahe so etwas wie ein Markenzeichen. Trotzdem: "Vom Ding her" wird der Abend vermutlich lustig. Am 12.11. im Linzer Posthof, am 13.11. im Kabarett Niedermair in Wien und am 14.11. im Theatercafé Graz. Weitere Infos hier.


20. Goldener Kleinkunstnagel

Einer der renommiertesten Kabarett-Wettbewerbe feiert gemeinsam mit dem Haus, in dem er seit Anbeginn veranstaltet wird, heuer ein rundes Jubiläum. Zum 20.Mal wird der Goldene Kleinkunstnagel von 10. bis 14.11.2015 im Theater am Alsergrund ausgespielt, jener legendären Kleinkunstbühne, die sich seit 1995 besonders um die Förderung des kabarettistischen Nachwuchses verdient macht. Der "Nagel" ist ein essentieller Teil dieses Konzepts, und ein Blick auf die Siegerliste der vergangenen Ausgaben zeigt, dass am Beginn vieler erolgreicher Karrieren dieser Preis stand. Thomas Stipsits, Klaus Eckel, das Kabarettduo BlöZinger und O. Lendl - sie alle sind ehemalige Nagel-Sieger.

Trditionell eröffnet der Vorbewerb um den Neulingsnagel den Reigen des Um-die-Wette-Spielens. An diesem Abend treten vier blutjunge Anfänger gegeneinander an. Es folgen drei Vorrunden, und am Samstag, den 14.11. treten die vier besten Starter jener Vorrunden im großen Finale gegeneinander an. Das Starterfeld lässt einen interessanten Wettbewerb erwarten. Unter anderem dabei: Lisa Eckkhardt, hochgelobte Slam-Poetin und Mitglied des aktuellen Ensembles der "Langen Nacht ds Kabaretts"; aschenbrenner.wunderl, das Kabarettistinnenduo, das bereits im Vorprogramm von Viktor Gernot Erfahrungen sammeln durfte; oder Thomas Franz-Riegler, kritischer Musikkabarettist und One Man-Band. Für den Neulingsnagel (10.11.) sowie die drei Vorrunden (11.-13.11.) sind noch Karten erhältlich. Das Finale am Samstag, 14.11. ist bereits ausverkauft.


Neues von Marcel Mohab und Clemens Maria Schreiner

Ein weiterer ehemaliger Nagel-Gewinner startet am 24.11.2015 im Kabarett Niedermair mit seinem neuen Solo "Out of Nowhere": Marcel Mohab ist gelernter Schauspieler, der sich in seinem kleinkünstlerischen Schaffen eine besondere Nische gesucht hat: Mit vollem Körpereinsatz und wenig (englischer) Sprache spielt Mohab kleine Ein-Mann-Sketchminiaturen, die sich durch eine präzise Detailverliebtheit, multidisziplinäre Vituosität und vor allem einen enorm hohen Komikfaktor auszeichen. Im neuen Programm sind unter anderem angekündigt: Jogger und Voodoomagic, Waschlappen und Plastikesel, verschrobene Blondinen, polierte Pantoffelhelden und altchinesische Philosophenstars. Faszinierende Kleinkunst von einem enorm vielschichtigen Künstler. Empfehlung! Hier geht es zu den Terminen.

Clemens Maria Schreiner ist Gewinner des Kleinkunstvogels, des Grazer Pendants zum Wiener "Nagel". Das war 2005, Schreiner damals keine 16 Jahre alt. Im Jahr 2015 legt er mit gerade mal 26 Jahren sein bereits sechtes Soloprogramm vor - und setzt diesmal ganz auf basisdemokratische Publikumsbeteiligung. in "Was wäre wenn" dreht sich alles um Entscheidungen und deren Konsequenzen. Da der Künstler genug vom ständigen Zwang zur Wahl hat, lässt er das Publikum entscheiden, wofür er sich an verschiedenen Stellen der Handlung entscheiden soll: Abheben oder wegdrücken? Karriere oder Familie? Schnitzel oder Schweinsbraten? Scheidung oder Scheinehe? Ein dynamischer Abend, dramaturgisch innovativ und bei jeder Vorstellung anders! Die ausverkaufte Wien-Premiere von "Was wäre wenn" war am 04.11. im Kabarett Niedermair. Weitere Termine gibt es hier.

 

"Aprés Ski" in Linz, Stermann, Grissemann & Welter in St. Pölten

Last but not least seien an dieser Stelle noch zwei ausdrückliche Empfehlungen für Kabarettfans in den Bundesländern ausgesprochen: "Aprés Ski - Ruhe da oben" ist eine der erfolgreichsten Produktionen der letzten Jahre. Die Ein Mann-Komödie rund um einen Mann, der über Nacht auf einem Sessellift festsitzt, stammt aus der Feder von Klaus Eckel, wird von Michael Niavarani koproduziert und präsentiert Thomas Mraz in der Hauptrolle. Nach unzähligen ausverkauften Vorstellungen in Wien gastiert das Stück am  14.11. im Linzer Posthof. Und in der St. Pöltener Bühne in Hof sind die Herren Stermann & Grissemann in Zusammenbarbeit mit Oliver Welter am 19.11.2015 in dem Stück "Für die Eltern was Perverses" zu sehen.

Artikel vom 10.11.2015, 16:24 Uhr · rb
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