Die Kabarett-Highlights im April 2015

Traditionell wird es im Frühling ruhiger in Sachen Premieren und Neuheiten in der Kleinkunst. Trotzdem hat der April noch einiges zu bieten: Die bayerische Kabarett-Urgewalt Sigi Zimmerschied präsentiert erstmals in Österreich sein neues Solo "Tendenz steigend". Außerdem begeben sich Herbert Steinböck und Thomas M. Strobl wieder auf musikalische Irrwege, und die deutsch-persische Comedienne Enissa Amani beehrt das Theater Akzent zu einem exklusiven Preview.

"Tendenz steigend": Zimmerschieds Hochwassermonolog

Sigi Zimmerschied ist einer, der Provokationen noch nie gescheut hat. Gleich sein allererstes Bühnenprogramm "Himmelskonferenz" brachte ihm 1975 - damals noch als Teil des Duos "Die Verhohnepeopler" - ein Ermittlungsverfahren wegen Gotteslästerung ein. Seither geht er unbeirrt seinen Weg als unangepasster Künstler, der auch die Grenzen des guten Geschmacks gerne mal überschreitet, solange es dem Zweck dienlich ist, nämlich die Abgründe und Missstände der Gesellschaft zu thematisieren. Zimmerschieds ätzender Humor, seine bemerkenswerte Mimik und seine ständig präsente Wortgewalt machen seine Programme zu intensiven, teils komischen, teils schockierenden Ereignissen.

Ein Hochwassermonolog: Das ist der Untertitel von Zimmerschieds neuester Arbeit "Tendenz steigend", die er nun erstmals dem Wiener Publikum präsentiert. Wirkungsvolles Kabarett ist wie Hochwasser, heißt es im Pressetext. Es kommt überraschend, mit aller Kraft, fordert alle Sinne und hinterlässt irritierte Sicherheit. Die Wahrheit ist abhängig vom Wasserstand. Halsaufwärts kommen wir dem Wesentlichen näher. Als gebürtiger Passauer ist Zimmerschied durchaus Hochwasser-erfahren: Seine Heimatbühne, das Scharfrichterhaus war schon merhrfach davon betroffen. Mit welchen irritierend-kabarettistischen Ergüssen er diesmal das Publikum konfrontieren wird, erfährt man ab dem 09.04.2015 im Kabarett Niedermair. Die Premierenserie ist bereits ausverkauft - weitere Termine finden Sie hier.


Steinböck & Strobl zitieren wieder Musik

Erst kam "Tralala", nun "Aramsamsam": Herbert Steinböck und Thomas M. Strobl bevorzugen eher einfachere Programmtitel in ihrem bisherigen gemeinsamen Oeuvre. Trotzdem oder vielleicht deswegen war ihr erstes Musikzitate-Programm ein großer Erfolg, und demgemäß ist es wenig überraschend, dass sie diese Formel beibehalten: Auch in "Aramsamsam" ist wieder ein ausufernder Streifzug durch die Musikgeschichte zu erwarten - jede Menge verhörter, variierter oder umgetexteter Passagen aus der weiten Welt der Musik. Das ist zugegeben nicht die ganz hohe Schule des Bildungsbürger-Kabaretts, aber schon auch sehr, sehr lustig.

Getreu dem Motto des Duos "Wenn du was zum Lachen brauchst", präsentieren Steinböck und Strobl diesmal unter anderem einen Liebeslied-Selbstbausatz, singen arabische Versionen bekannter Wolfgang Ambros-Nummern (von rechts nach links), erweisen sich als begnadete Bauchtänzer, erklären das Kamasutra für Rheumatiker und bilden gemeinsam mit dem Publikum den berühmten Legasthenikerchor. Mit vollem Stimm- und Körpereinsatz stehen die beiden erstmals am 12.04.2015 bei der Premiere auf der Bühne des CasaNova. Alle weiteren Termine finden Sie in unserem Kalender.


Enissa Amani: "Zwischen Chanel und Che Guevara"

Einen vorerst einmaligen Termin gibt es am 12.04. im Theater Akzent, wenn sich die persisch-deutsche Comedienne Enissa Amani zu einer exklusiven Voraufführung ihres Programms in Wien einfindet. Die 30-jährige "Vollblut-Tussi mit Grips" (Pressetext) zählt zu den Shooting-Stars der gehobeneren deutschen Comedy, war 2014 für den Prix Pantheon nominiert, und ist regelmäßig in TV-Sendungen wie dem "Satiregipfel" oder "TV total" zu sehen.

In Ihrem Programm bewegt sich Amani im Spannungsfeld zwischen ihrer sozialistischen Erziehung, und der damit automatisch einhergehenden unausweichlichen Anziehung der materiellen Güter dieser Welt. Formal oszilliert sie zwischen provokant-ehrlichem amerikanischem Stand-Up und deutschem Kabarett. Die Tochter eines politisch verfolgten Literaten und einer Ärztin zieht intelligent-komische Parallelen zwischen Nietzsches Philosophie und Kim Kardashians Arsch, zwischen Antikapitalismus und Modetipps, zwischen Gangsterrap und der iranischen Opposition. Und sie erklärt uns, dass Nasen-OPs den Neoliberalismus widerlegen. "Die persische Volker Pispers mit Marilyn Monroes Kleid" bringt die Verwirrtheit ihrer Generation auf den Punkt - und diesem ersten Wien-Besuch werden mit hoher Wahrscheinlichkeit noch viele folgen. Enissa Amani mit einer Voraufführung ihre Programms "Zwischen Chanel und Che Guevara" am 12.04.2015 um 19:30 Uhr im Theater Akzent. Alle weiteren Infos hier

Artikel vom 08.04.2015, 14:17 Uhr · rb
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