Die Kabarett-Highlights im März 2015

Lukas Resetarits geht auch im 25.Solo der "SCHMÄH" nicht aus, der niederländische Ausnahmeentertainer Hans Liberg besucht wieder einmal Österreich, Heilbutt & Rosen eröffnen ihre "Schwarzgeldklinik", Severin Groebner feiert Bühnenjubiläum, dazu gibt es Tierisches von Fälbl und Rütter. Das und vieles mehr bietet der äußerst abwechslungsreiche Kabarett-März.

 

Resetarits auf der Spur des Schmähs

Grandseigneur, Altmeister, Doyen der Kabarettszene: Attribute, die Lukas Resetarits regelmäßig zugeschrieben werden. Doch er ist weit mehr als der längstdienende Kleinkünstler des Landes. Resetarits ist ein nimmermüder Analytiker der Gesellschaft, ein hochpolitischer Mensch, der mit seinen Programmen nicht nur unterhalten möchte, sondern die Aufmerksamkeit auch und gerade dorthin lenkt, wo es auf Ungerechtigkeiten und Missstände hinzuweisen gilt. Mittlerweile in seinen späten Sechzigern, steht Resetarits nach wie vor in hoher Frequenz auf den Kabarettbühnen, bleibt seiner Linie treu und erweist sich vor meist vollen Rängen als kritischer Künstler im besten Sinne.

Das 25.Soloprogramm trägt den kurzen und bündigen Titel "SCHMÄH". Ein einzelner Begriff, der aber unzählige Ausformungen und Bedeutungsebenen hat: Schmäh als Betrug, wer packt uns mit dem Schmäh? Schmäh in der Werbung, im Marketing und in der Politik (= in der Werbung und im Marketing). In den Medien von Print bis Online: Vom tiefsten Gratisblatt bis zur diffamierenden Website werden die dubiosesten G'schichten druckt, deren Wahrhaftigkeit gleich Null geht, und die abgesehen von den enthaltenen Schmähungen weitgehend schmähfrei sind.

Resetarits sieht im Schmäh aber auch eine Sprach- und Denkhaltung, eine Lebensphilosophie und Weltsicht. Damit untrennbar verbunden ist eine der großen Stärken des Künstlers, nämlich die Fähigkeit, Geschichten spannend zu erzählen. Das Schmähführen, also das Abhandeln von Inhalten bis zum Absurden gehört dazu ebenso, wie das Lachen über sich selbst - und dann über die Anderen. Und das wird auch im 25. Programm des "Alten" nicht zu kurz kommen. Die ausverkaufte Premiere war am 04.03. im Wiener Stadtsaal, weiter Termine sind hier im Kalender zu finden.


"Attaca": Hans Liberg wieder in Österreich

Er ist einer der ganz großen Musikkomödianten unserer Zeit und ein Entertainer von Weltrang: Hans Liberg, niederländischer Unterhaltungstitan mit internationalem Fluidum, und Träger zahlreicher Preise vom Emmy bis zur Krefelder Krähe, kommt mit seiner neuen Show "Attaca" nach Österreich. Die Liberg-typische Vermählung von Elementen diverser Musikrichtungen wird dabei wieder nicht zu kurz kommen, und man darf wie gewohnt hochenergetische, sehr amüsante Vorstellungen erwarten.

Worum es gehen wird? Darüber verrät der Pressetext nicht allzu viel: Elemente aus E- und U-Musik sollen vorkommen, Campingplatz-Repertoire in Kombination mit einem elitären Lied über George Condo (wer das ist, bitte selbst googeln). Außerdem wird Libergs große Kunstsammlung ein Thema sein, dazu gibt es ein virtuoses Solo auf dem Alphorn. Klassik, Pop, und was es sonst noch so an Musik zu finden gibt. Wir empfehlen: nicht versäumen! Ö-Premiere am 20.03. im Orpheum Wien, weitere Termine hier.


Heilbutt & Rosen in der Klinik, Fälbl tierisch

"Schwarzgeldklinik" heißt das neue Programm einer der erfolgreichsten Kabarett-Formationen des Landes. Heilbutt & Rosen behandeln diesmal das heimische Gesundheitswesen, sezieren dieses auf arztgerechte Weise und nehmem die gern zitierten Klischees der österreichischen Gesundheitsbranche in gewohnt treffsicherer Offenheit aufs Korn. Und nach 90 Minuten ist klar: Das sind keine Klischees, sondern die beinharte Realität. Schmiergeld, Schwarzgeld, Wunderpillen, heiße Nachtdienste im Schwesternzimmer? All das und vieles mehr thematisieren Helmuth Vavra und Therasia Haiger im unverkennbaren Stil des interaktiven Kabaretts, gespickt mit Musik und temporeichen Conferencen. Die E-Card kann man getrost zu Hause lassen. Die nützt nämlich gar nichts, wenn man ein bisschen besser versorgt werden will als der Rest von Österreich. Premiere am 17.03. im Stadtsaal, Folgetermine hier.

Neues gibt es auch von Österreichs prominentestem Bahnfahrer: Christop Fälbl nimmt das Publikum in "Viecherl & Co" in die wunderbare Welt der Tiere mit und stürzt sich in die lange Geschichte der - äh - Tierheit. Dabei erforscht er ganz genau die Vielfalt, Sexualität, Haartönung und Schrittlänge diverser Faunabewohner. Fälbl zerlegt die Arche Noah, findet trotz enormer Hitze den Yeti, spricht mit Milben über den Sinn des Lebens und fliegt als Wildgänseboss Richtung Süden. Schließlich lässt ein finaler Salto Mortale im Flohzirkus dann doch wieder jede Menge Fragen offen. Ob das Programm tatsächlich tierisch gut ist, davon kann man sich erstmals bei der Premiere am 10.03. im Orpheum überzeugen. Weitere Termine gibt es hier.


"nachSITZen" mit Martin Rütter, Kebekus erstmals in Ö

Apropos Tiere: Hundexperte Martin Rütter kommt mit seiner neuen Live-Show erstmals nach Österreich. Damit endlich klar wird, was in der Beziehung zwischen Mensch und Hund wirklich Sache ist, ist "nachSITZen" gefragt. Einmal mehr wird Rütter nicht nur für Entertainment sorgen, sondern Hundebesitzern auch gleich wichtige Tipps zum Umgang mit ihren vierbeinigen Freunden mit auf den Weg geben. Denn noch gibt es viele Unklarheiten: Herr Rütter, kann es sein, dass mein Hund Burn-Out hat? Oder einfach nur totale Langeweile? Leidet er an ADHS? Oder ist er gar hochbegabt? Diesen und anderen Fragen wird der "Mann für alle Felle" auf den Grund gehen, und zwar ab dem 10.03. in Salzburg, Graz und Wien. Weitere Termine folgen im Herbst, siehe Kalender.

Erstmals in Österreich ist mit Carolin Kebekus eine deutsche Comedienne und Schauspielerin zu erleben, auf die der rare Fall zutrifft, dass sich Comedy-Massenpublikum und die Preisrichter des renommierten Prix Pantzheon gleichermaßen auf sie einigen können. Zugegeben, ihr Programmtitel "Pussy Terror" lässt deutschen Comedy-Brei in R(h)einkultur vermuten. Nun ist zwar das Mundwerk von Frau Kebekus ungezügelt, sie wird manchmal ausfällig, pöbelt herum und lässt ihrer Kölner Brox-Mentalität freien Lauf. Aber Kebekus hat auch eine feine Begabung, den Wahnsinn unserer Gesellschaft genau zu beobachten, zu analysieren und zu parodieren. Dass sie auch die leisen Töne beherrscht, beweist sie spätestens dann, wenn sie singt und zeigt, dass der "Pussy Terror" auch seine leisen Seiten hat. Hier geht es zu Infos und Terminen.


"DichterVerkehr" mit Müller, Kosch männlich, Hopf optimistisch

Für seinen Wort- und Sprachwitz ist Ludwig Müller bekannt und beliebt. Träger des Salzburger Stiers und Mitglied des legendären Vereins der Freunde des Schüttelreims ist er ebenfalls. Nun legt er sein neues Solo mit dem Titel "DichterVerkehr" vor, und darin meint es Fortuna gut mit dem bekennenden Wordaholic: Müller bekommt die Chance, Chefredakteur eines internationalen Radiosenders zu werden. Kurzerhand verwandelt der engagierte Endvierziger seine Dachstube in ein Sendestudio. Dass Müller mit seinen wortspielerischen Fähigkeiten von nun an auch jede noch so banale Verkehrsmeldung in höchste Posie verwandelt, versteht sich dabei von selbst. Premiere von "DichterVerkehr" ist am 07.03. im Wiener Orpheum. Alle weiteren Termine gibt es hier.

Martin Kosch, steirischer Wuchtelkaiser und nebenbei zweifacher Staatsmeister der Zauberkunst, begibt sich mit seinem neuen Solo in die Welt des Coachings: Jeder zweite Österreicher verbringt seine Freizeit beim Seelenklempner, in der Paartherapie, der Burnout-Prophylaxe (umgangssprachlich: Vorglühen) oder beim Preisschnapsen im Kirchenwirt. Wesentlich einfacher, zeit- und geldsparender ist da ein Besuch bei - richtig: Martin Kosch, dem Discountpsychologen und Humortherapeuten, dem Sigmund Freud zum Halbpreis. Er serviert Bier und Spritzwein statt Psychopharmaka und zeitraubenden Einweisungen. Ein neuer Mensch wird man nach dem Besuch des neuen Programms "Wann ist ein Mann kein Mann?" zwar nicht sein, aber dafür um zwei Stunden glücklicher. Hier gibt es die Termine.

Als "Anonymer Optimist" deklariert sich Pepi Hopf in seinem neuen Programm: Es heißt ja, die Österreicher seien ein Volk von Schwarzmalern, Pessimisten und Grantlern. In Wahrheit, konstatiert Hopf, ist aber das Gegenteil der Fall. Ständig hört man Sätze, wie: Das geht sich schon aus. Das hält schon. Da kommen die eh nicht drauf. Das schaffen wir schon. Und ständig fliegt uns dann was um die Ohren, geht sich hinten und vorne nichts mehr aus, gehen Banken flöten und Beziehungen in Brüche. Aus, vorbei! Nach 4 Jahrzehnten will sich Pepi Hopf endlich von der Optimismus-Sucht verabschieden - und ist sehr optimistisch, dass er das auch schaftt. Premiere am 17.03. im Kabarett Niedermair, Folgetermine hier.


Groebners Jubiläum, Puntigam mit Egersdörfer, Krall musikalisch

Severin Groebner, der mit seinem neuen Solo "Vom kleinen Mann der wissen wollte wer ihm auf den Kopf g'schissen hat" eine der brillantesten Arbeiten der laufenden Saison vorgelegt hat, feiert nun sein 20-jähriges Bühnenjubiläum - und das in aller Bescheidenheit an jenem Ort, wo alles begonnen hat. Drei Abende lang blickt er im Kabarett Niedermair im Rahmen eines Best Of auf seine fünfzehn Programme zurück. Eine komprimierte Werkschau eines der unaufällig allerbesten Kaberettisten dieses Landes. Ob es möglichweise sogar zu einer Reunion des sagenumwobenen Duos Gröll & Groebner kommen wird? Das und viel mehr erfährt man am 05., 06. und 07.03. im Kabarett Niedermair, wenn es heißt: "Groebner spielt sich" Weitere reguläre Termine finden Sie hier.

Da haben sich zwei gefunden, könnte man sagen: Martin Puntigam und Matthias Egersdörfer machen erstmals gemeinsame Sache. Beide bekannt als dem Kontroversiellen nicht abgeneigt, versprechen sie aber in der Ankündigung zu ihrem ersten Duo "Erlösung", dass nun alles anders ist. Ihre Flegeljahre hätten sie endlich hinter sich gelassen, behaupten die beiden kabarettistischen Schwerenöter, und ihren Kritikern räumen sie ein: "Ihr hattet Recht! In Vielem!". "Erlösung" soll eine Wiedergutmachung sein für alle Kränkungen der Vergangenheit, ein Geschenk ans gesamte Universum, vor allem an die Frauen... Nun, ob die Herren tatsächlich einen solchen Wesenswandel hinter sich haben, oder ob alles Tarnung und Täuschung ist, das erfahren wir bei der Wien-Premiere am 10.03. im Kabarett Niedermair oder an einem dieser Termine.

Abgründig geht es traditionell auch bei Christoph Krall zu. Ebenfalls Mitglied im Verein der Freunde des Schüttelreims, ist der Tiroler Mathematiker ein kabarettistischer Rohdiamant, der sich aber kaum jemals schleifen lassen wird - und das ist gut so. Das neue Programm trägt den Titel "Die Fischer vom Machu Picchu - das Musical zum Songcontest", und Krall holt sich wie bereits zuletzt musikalische Unterstützung von Ursula Schwarz. Die beiden präsentieren ihre schönsten Hits, wie z. B. "Im Nirvana blüht ein Enzian", "Das Alien vom Zillertal", "In Ulan Bathor steht eine kleine Hütte" und andere. Ja, was soll man dazu noch sagen? Muss man mit eigenen Augen und Ohren gehört haben. Premiere am 21.03. im Theater am Alsergrund. Weitere Infos und Folgetermine hier

Artikel vom 05.03.2015, 17:13 Uhr · rb
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